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Wirtschaft

Ein Dresdner kämpft für junge Apothekenmitarbeiter

Die Ausbildung der pharmazeutisch-technische Assistenten ist voller Risiken und Nebenwirkungen. Das müsse sich ändern, so Martin Seipt.

© Ole Spata / dpa (Symbolbild)

Von Katja Solbrig

Das Bundesministerium hat einen Gesetzentwurf vorgelegt, der die Ausbildung der pharmazeutisch-technischen Assistenten reformieren soll. Pharmazeutisch-technische Assistenten, kurz PTA, wickeln in den öffentlichen Apotheken etwa 70 Prozent des täglichen Geschäfts ab:

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Als Angestellte beraten sie die Kunden und geben Medikamente ab, stellen bestimmte Arzneimittel her oder prüfen sie, kümmern sich um die Warenbestellung. Den PTA geht es wie vielen ihrer Kollegen in anderen Gesundheitsberufen: Die medizinisch-pharmazeutische Forschung bringt ständig neue und weiter entwickelte Produkte auf dem Markt, die Digitalisierung hält zunehmend Einzug in den Arbeitsalltag und auch der Fachkräftemangel macht sich bemerkbar.

„Es ist gut, dass dieses Ausbildungsgesetz nach 51 Jahren endlich mal novelliert wird“, sagt Martin Seipt, der als PTA in einer Dresdner Krankenhausapotheke arbeitet. Der Berufsverband und die Apothekengewerkschaft hatten das schon seit langem gefordert. Doch Martin Seipt geht die vorliegende Novelle nicht weit genug. Deshalb hat der Dresdner eine Petition im Internet gestartet in der Hoffnung, nochmals Bewegung in das Gesetzgebungsverfahren zu bringen. Denn wie könne es sein, dass trotz ständig steigender die Ausbildung zur PTA als einziger Gesundheitsberuf nur zweieinhalb Jahre dauert, inklusive eines halbjährigen Praktikums in einer Apotheke trotz der ständig steigenden Anforderungen? Und wieso muss für die Ausbildung an vielen Schulen immer noch Schulgeld bezahlt werden? Die Ausbildung sollte Seipts Meinung nach einen Wechsel von theoretischen und praktischen Teilen beinhalten. Damit greift er eine Forderung des Berufsverbandes auf.

Initiator der Petition Martin Seipt.
Initiator der Petition Martin Seipt. © Foto: privat

Ein Antrieb für Seipts Engagement sind die fehlenden Weiterbildungsmöglichkeiten für PTA. „In allen anderen Gesundheitsberufen kann man sich qualifizieren und spezialisieren. Nur PTA ist ein Sackgassenberuf. Man kann zwar viele Lehrgänge und Fortbildungen besuchen, aber es gibt keine gesetzlich geregelten Strukturen, die dann auch eine leistungsgerechte Vergütung nach sich ziehen.“ Martin Seipts will bis zum 25. Juni 5000 Unterschriften für seine Petition sammeln, 1500 hat er bereits.

Barbara Eigner hat lange überlegt, ob auch sie unterschreibt. Sie leitet die PTA-Ausbildung in der WAD Bildungsakademie Dresden. Schließlich entschied sie sich dagegen, „obwohl viele gute Ansätze drin sind.“ Uneingeschränkt unterstützt sie die Forderung nach Schulgeldfreiheit und Ausbildungsvergütung. „Ich kenne Fälle, da sagen die angehenden Schüler, das ist zu viel Geld.“ Die WAD verlangt für die PTA-Ausbildung pro Monat 105 Euro Schulgeld. „In einigen Bundesländern ist der Betrag deutlich höher. Staatliche Schulen sind kostenfrei, aber wir bekommen nicht genügend Fördermittel, um die Ausbildung umsonst anbieten zu können. Die kürzere Ausbildungsdauer hat deshalb auch Vorteile, dann müssen die Schüler nicht so lange zahlen und können schneller Geld verdienen.“ Eine Verlängerung der theoretischen Ausbildung sei für viele Schulen kaum umsetzbar. „Weder die Räume noch die Lehrkräfte würden ausreichen.“

Am meisten aber stört sie die Forderung nach einem Wechsel zwischen Theorie und Praxis: „Die Schüler können doch erst an den Kunden, wenn sie mit der theoretischen Ausbildung fertig sind. Die können doch einem Kunden nicht antworten, oh, das hatte ich noch nicht, das kommt erst nächstes Jahr.“ Auch für Apotheker sei diese Forderung schwer umsetzbar. „Das würde noch mehr Betreuungsaufwand für einen PTA-Praktikanten bedeuten. Dann ziehen sich vielleicht noch mehr Apotheken aus der Ausbildung zurück“, befürchtet sie.

Ebenso verhalte es sich mit der Ausbildungsvergütung. „Das muss ja alles aus dem Gesundheitssystem heraus erwirtschaftet werden.“ Derzeit beobachte sie aber, dass im Gesundheitswesen immer weniger finanzieller Spielraum zur Verfügung stehe. Man könne nicht einfach an einem Schräubchen drehen, sondern müsse das gesamte System betrachten. Dazu brauche es einen größeren Wurf, der auch Krankenversicherungen und andere Akteure mit einbezieht.

„So, wie der Gesetzentwurf jetzt gestrickt ist, ist der Lehrstoff zu schaffen“, sagt Barbara Eigner. Auch wenn er sehr lernintensiv und für einige zu viel sei. „Pro Jahrgang brechen bis zu 25 Prozent ihre Ausbildung ab, aus unterschiedlichen Gründen. Einige sind überfordert, andere unterfordert, die entscheiden sich dann doch für ein Studium.“ Barbara Eigner hofft, dass die Gesetzesänderung ausreicht, um den PTA-Beruf attraktiver zu machen. „ Der Fachkräftemangel in den pharmazeutischen Berufen ist schon in Dresden angekommen, da bewirbt sich auf ausgeschriebene Stellen manchmal gar niemand mehr. Im ländlichen Raum ist die Situation in einigen Gebieten noch viel verschärfter. Dabei ist PTA so ein wichtiger und toller Beruf, man ist immer nahe am Menschen.“

Freilich, in einer idealen Welt könnte sich auch Barbara Eigner eine längere Ausbildungsdauer vorstellen. „Oder konkrete Qualifizierungsmöglichkeiten, die auf eine komprimierte Grundausbildung aufbauen.“

Martin Seipt kämpft weiter für ideale Ausbildungsbedingungen in seinem Beruf, den er liebt. Selbst wenn keine 5000 Unterschriften zusammenkommen, will er alle Bundestagsabgeordnete im Gesundheitsausschuss, alle zuständige Minister in den Bundesländern und den Bundesgesundheitsminister Jens Spahn anschreiben. „Ich hoffe sehr, dass diese Forderungen wenigstens noch einmal diskutiert werden und vielleicht doch Eingang ins Gesetz finden. Es kann doch nicht sein, dass das ganz schnell noch vor der Sommerpause durchgewunken wird. Dazu sind die Risiken und Nebenwirkungen zu groß.“

Hier geht es zur Online-Petition

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