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Ein Modernisierer für die Linke

Erik Christopher Richter ist der neue Linken-Chef im Kreis Meißen. Der 25-Jährige will seine Partei auffrischen und sie für junge Leute wieder attraktiver machen.

Ein junges Gesicht für die Linkspartei: Der 25-jährige Erik Christopher Richter ist seit wenigen Tagen Vorsitzender des Kreisverbandes der Partei Die Linke. In den kommenden zwei Jahren will er die Partei wieder mehr in die Öffentlichkeit bringen.
Ein junges Gesicht für die Linkspartei: Der 25-jährige Erik Christopher Richter ist seit wenigen Tagen Vorsitzender des Kreisverbandes der Partei Die Linke. In den kommenden zwei Jahren will er die Partei wieder mehr in die Öffentlichkeit bringen. © Sebastian Schultz

Landkreis. Wenn Erik Christopher Richter über die Zukunft der Linkspartei spricht, fallen immer wieder Worte wie Newsletter, Doodle-Liste und Bluetooth-Lautsprecher. Alles Dinge, die in seiner Generation zum Alltag gehören – und nun auch den Meißner Kreisverband der Linkspartei ins 21. Jahrhundert führen sollen. Denn Erik Christopher Richter, seit knapp einer Woche neuer Linken-Kreischef, hat sich fest vorgenommen, die hiesige Parteiarbeit der Genossen zu modernisieren.

Dabei wusste der 25-Jährige vor wenigen Tagen noch gar nicht, für welches Amt er überhaupt kandidieren wolle. „Ich hatte zwar eine Rede im Gepäck, war mir aber noch unsicher, in welcher Funktion ich mich künftig einbringen will“, erzählt Richter. 

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Auf dem Parteitag trifft er dann eine Entscheidung: Er lässt sich spontan als Kandidat für den Posten als Vorsitzender des Kreisverbandes aufstellen. Einmal von der Motivation gepackt, kommt auch der Ehrgeiz ins Spiel. „Ich habe mich dann noch für den Stellvertreter-Posten beworben. Aber das war auch meine Grenze“, sagt Richter. „Für mich stand fest, dass ich mich nicht von Posten zu Posten durchreichen lassen will, wenn es mit meinem eigentlichen Ziel nicht klappt.“

Doch diese Gedanken sind schnell Geschichte. Erik Christopher Richter wird mit mehr als 60 Prozent der Stimmen zum neuen Linken-Kreischef gewählt. Seine Art, Probleme ganz offen und direkt anzusprechen, dabei aber nie arrogant zu wirken, scheint den Großteil der Parteimitglieder überzeugt zu haben. Für Richter, der als Fahrdienstleiter bei der Bahn arbeitet, ist das Wahlergebnis auch Tage später noch ein Grund zur Freude. „Der Zuspruch war wirklich beeindruckend“, sagt er.

Doch nach der Freude kommt die Arbeit. Das weiß auch Erik Christopher Richter. Denn der Kreisverband der Linkspartei wird immer kleiner und älter. Etwas mehr als 300 Mitglieder zählt er momentan, viele davon sind im Rentenalter. Damit der Kreisverband auch für jüngere Leute wieder attraktiver wird, will Richter ihm jetzt moderne Strukturen verpassen. „Wir müssen nach außen hin ein einheitliches Bild pflegen. Dafür brauchen wir auch eine übersichtliche Website“, sagt der 25-Jährige. 

Zudem will er die interne Kommunikation überarbeiten. Bisher verbreitete die Linke ihre Informationen an die Mitglieder über eine Zeitung. Richter findet einen Newsletter nicht nur zeitgemäßer, sondern auch günstiger. „Und den Mitgliedern, die keinen Zugang zum Internet haben, müssen wir den Newsletter eben ausdrucken und in den Briefkasten einwerfen“, meint Richter. „Wir sollten darauf achten, unsere ohnehin geringen finanziellen Ressourcen sinnvoll einzusetzen.“

Doch auch wenn im Linken-Kreisverband in Zukunft einiges anders laufen soll, will Richter sein Engagement explizit nicht als Aufbegehren gegen die älteren Parteimitglieder verstanden wissen. „Wir brauchen den Generationenmix“, stellt Richter klar. „Wenn wir die älteren Mitglieder vergraulen, geht uns deren Erfahrung verloren.“ 

Um für alle Generationen interessant zu bleiben, müsse man aber auch neue Wege beschreiten, die insbesondere jüngere Leute ansprechen. Sätze, die Erik Christopher Richter deshalb künftig nicht mehr hören will, sind solche wie: „Das haben wir aber schon immer so gemacht.“ Dann steige seine Motivation, es fortan anders zu machen, erst recht.

Richters Engagement in der Politik begann dort, wo er auch aufgewachsen ist: Nach der Bundestagswahl 2013 trat der damals 18-jährige Nünchritzer in die Partei Die Linke ein. Die Entscheidung war noch am Tag der Wahl gefallen. „Damals habe ich mein Kreuz auf dem Wahlzettel gemacht, kam aus der Kabine und war irgendwie enttäuscht. So hatte ich mir Mitwirkung nicht vorgestellt“, erinnert sich Richter. 

„In diesem Moment stand für mich fest, dass ich politisch aktiv werde.“ Noch am selben Tag sah sich Richter noch einmal die Positionen aller Parteien an. Wie stehen sie zu den großen Themen der Zeit? Was treibt sie um? „Die Linke ist die Partei, deren Bild am meisten mit meinem übereinstimmt.“

Sieben Jahre später ist Richter Stadtrat in Riesa, zudem trat er für seine Partei als Kandidat zur Kreistags- und zur Landtagswahl an. Die Erfahrung hat ihn sichtlich reifen lassen. Vor etwas weniger als einem Jahr noch musste Richter im großen MDR-Kandidatencheck im Vorfeld der Landtagswahl immer wieder auf seinen Spickzettel schauen, um seine Thesen zu formulieren. 

Heute sprudeln die Botschaften und Visionen nur so aus ihm heraus. „Bei der Landtagswahl wusste ich, dass ich keine Chance habe. Aber ich wollte diese Erfahrung sammeln, einen Wahlkampf mitmachen, meinem Gesicht einen Namen geben“, sagt Richter. All das habe ihm sicher auch bei seiner Wahl zum Kreisvorsitzenden geholfen, glaubt der 25-Jährige.

Mit Richters Wahl zum Linken-Chef dürfte so manches Mitglied auch die Hoffnung verbinden, dass der Kreisverband künftig wieder geschlossener auftritt. Der alte Vorstand galt schon länger als zerstritten. Erik Christopher Richter will nun dafür sorgen, dass ein produktives Miteinander entsteht. Dabei knüpft er an den Slogan an, mit dem schon seine Partei zur Landtagswahl warb: „Fortschritt und Zusammenhalt“. Für Richter ein Sinnbild seiner eigenen Vorstellung. „Für mich trifft das den Nagel auf den Kopf“, sagt er. „Wir müssen uns nach vorn bewegen, dürfen uns aber nicht gegeneinander ausspielen.“

So mancher Fortschritt ist vielleicht auch schon mit wenigen Handgriffen möglich. Zum Beispiel mit mehr öffentlicher Präsenz. „Es wurde in den vergangenen Jahren gute Arbeit geleistet im Kreis. Es bekommt nur keiner mit, weil wir es nicht publizieren“, meint Richter. Vor allem nicht im Internet. Doch genau dort finde heutzutage die Meinungsbildung statt. Besonders, wenn man junge Leute ansprechen will. 

Richter will deshalb dafür sorgen, dass die Linke im Kreis Meißen wieder mehr wahrgenommen wird, dass Aktionen öffentlichkeitswirksam geplant und soziale Medien wie Facebook regelmäßig bespielt werden. Im Riesaer Büro beispielsweise verfüge man über einen Bluetooth-Lautsprecher, mit dem man sich auf die Straße stellen und Aktionen starten könnte. Doch bis heute sei der Lautsprecher original verpackt. In den kommenden Wochen will der neue Chef alle Ortsverbände besuchen und darüber Gespräche führen.

Was Richter mitunter stört, sind die vielen Vergleiche und Fragen, die er sich zu gewaltsamen Zwischenfällen wie dem am Neujahrsmorgen im Leipziger Stadtteil Connewitz, als es Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Linksextremen gab, gefallen lassen muss. 

„Ich werde oft zu politischen Themen befragt, die mit unserer Region oder mir gar nichts zu tun haben“, sagt Richter, der vergangenes Jahr den friedlichen Protest gegen den AfD-Parteitag in Riesa organisierte. „Gewalt ist immer scheiße. Man muss aber auch die Partei Die Linke und Linksextremismus voneinander unterscheiden.“

Für die Zukunft der Linkspartei im Kreis Meißen hat Richter klare Visionen: „Wir müssen uns wieder als soziale Partei bewähren und dürfen den politischen Gegnern nicht die Fläche überlassen.“ Dafür wird er in Riesa die Stellung halten. Während viele junge Leute wegziehen, will er die Stadt mitgestalten. Und nun auch noch die Linke im Kreis ins 21. Jahrhundert führen. 

Seine Freizeit dürfte fortan etwas rarer werden, seine Motivation aber scheint stetig zu steigen. „Ich hoffe, dass ich die Möglichkeit habe, das zu verändern, was ich verändern will. Und dann werden wir sehen, wie es in zwei Jahren aussieht.“ Dann wird erneut der Kreisvorstand gewählt.

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