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Ein zweiter Hambacher Forst bei Rohne?

Umweltschützer haben ein Grundstück im Nochtener Tagebau-Vorfeld gepachtet. Die Leag zeigt sich wenig beeindruckt.

Das Foto zeigt Vertreter der Umweltgruppe Cottbus der Grünen Liga mit Anwohnern des Tagebaus im gepachteten Wald und die Rohnerin Edith Penk (links).
Das Foto zeigt Vertreter der Umweltgruppe Cottbus der Grünen Liga mit Anwohnern des Tagebaus im gepachteten Wald und die Rohnerin Edith Penk (links). © www.kein-tagebau.de

Die Grüne Liga hat ein privates Grundstück im Vorfeld des Tagebaues Nochten zur Nutzung übertragen bekommen und plant in den nächsten Monaten dort Bildungs- und Kulturveranstaltungen. „Die Grundeigentümer aus der Region wollen ihren Wald nicht an die Leag verkaufen und ihn stattdessen für gemeinnützige Zwecke nutzen lassen. Wir werden in den nächsten Monaten Kunstaktionen und Bildungsveranstaltungen auf diesem Gelände durchführen“, gab René Schuster von der Grünen Liga schon im Januar bekannt.

Auf dem von ihm zur Veröffentlichung freigegebenen Foto ist auch die Rohnerin Edith Penk zu sehen. Edith Penk ist als Alterspräsidentin und kommissarische Sprecherin des Serbski Sejm, der sorbisch-wendischen Volksvertretung, und als engagierte Bürgerin in der Region bekannt. In der Presseinformation heißt es weiter: Die ortsansässigen Grundeigentümer haben das Waldstück im Dezember 2019 bis 2037 an die Grüne Liga verpachtet.

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Das Waldstück von etwa einem halben Hektar liegt in der Nähe von Rohne. Inzwischen haben Mitglieder der Grünen Liga hier erste Bäume gepflanzt. „Mit heimischen Laubbaumarten wie Linde, Eiche und Eberesche leiten wir den Umbau des bisherigen Kiefernbestandes zu einem artenreichen Wald ein. Wir glauben an die Zukunft dieses Waldes, der auch die benachbarten Dörfer vor Belastungen aus dem Tagebau schützen kann. Im nächsten Jahr planen wir weitere Pflanzungen“, sagt René Schuster. Im Pachtvertrag wurden laut Grüner Liga neben der Nutzung für Naturschutz auch Bildungs- und Kulturveranstaltungen festgeschrieben, aber daraus wird erst mal nichts: „Die geplanten Kultur- und Bildungsveranstaltungen in unserem Wald werden wir zwar in den nächsten Monaten aufgrund der Corona-Pandemie nicht durchführen können. Wir bereiten jedoch schon Konzepte für die Zeit danach vor“, kündigt Schuster an.

Die Leag nimmt den Vorgang zumindest zum jetzigen Zeitpunkt gelassen hin: Pressesprecher Toralf Schirmer antwortet auf die Tageblatt-Anfrage, ob dieser Pachtvertrag den Betrieb des Tagebaus tatsächlich berührt und wie die Leag gegebenenfalls damit umgeht: „Vorerst hat dies keine Auswirkungen auf den Tagebau Nochten. Wir sind weiterhin bestrebt, mit allen Eigentümern und Nutzern von Flächen im Vorfeld des Tagebaus Nochten eine einvernehmliche Lösung zu finden.“

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Vor allem den ersten Satz sehen die Umweltschützer natürlich anders: „Mehr Abstand zwischen der Grube und den Dörfern Rohne und Mulkwitz wird seit Jahren von der örtlichen Bürgerinitiative gefordert. Wir gehen davon aus, dass der schrittweise Ausstieg aus der Braunkohle eine Verkleinerung des Abbaufeldes und eine dauerhafte Erhaltung dieses Waldes ermöglicht. Schon im Jahr 2017 beschloss der Regionale Planungsverband Oberlausitz-Niederschlesien, das Verfahren zum Braunkohlenplan Tagebau Nochten neu zu eröffnen. Dieses Verfahren ist jedoch ergebnisoffen zu führen und ist nicht an die Planungen des Kohlekonzerns Leag gebunden“, erklärt Schuster für die Grüne Liga. Das Bündnis „Strukturwandel jetzt – kein Nochten II“ hatte die Forderung aufgestellt, genug Abstand zu den Dörfern einzuhalten, um deren Lebensqualität zu erhalten. 

Sollten sich die Fronten zwischen Leag und Grüner Liga irgendwann doch verhärten, könnte aus dem Rohner Wald ein zweiter „Hambacher Forst“ werden.

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