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Feuilleton

Eine Haarnadel von 17 Karat

An die Fürstenhochzeit von 1719 wird im Grünen Gewölbe auf besondere Art erinnert.

Hofjuwelier Johann Melchior Dinglinger fertigte diese Haarnadel, die im Grünen Gewölbe bewahrt wird.
Hofjuwelier Johann Melchior Dinglinger fertigte diese Haarnadel, die im Grünen Gewölbe bewahrt wird. © SKD/Jürgen Karpinski

Siebzehneinhalb Karat. Ein Diamant in eleganter Tropfenform. Brillant geschliffen und mit einer Bohrung an der dünnsten Stelle, sodass es aussieht, als trüge der schwarze Adler den Stein im Schnabel. Diese wunderschöne Haarnadel, die Maria Josepha tatsächlich als Braut trug, wie eine kleines Porträt beweist, hatte der Dresdner Hofjuwelier Johann Melchior Dinglinger allerdings schon 1713 gemacht, wahrscheinlich für die amtliche Gattin Augusts des Starken. Zur Hochzeit seines Sohnes Friedrich August wurde die Haarnadel fix umgearbeitet. Der weiße polnische Adler aus Gold wurde zum schwarzen österreichischen Adler, er bekam ein schwarzes Federkleid aus Email. 

Das Schmuckstück, das normalerweise im Juwelenzimmer des Historischen Grünen Gewölbes ausgestellt ist, hat jetzt einen prominenten Platz im Sponselraum des Neuen Grünen Gewölbes bekommen. „Splendor et laetitia“, Glanz und Freude am Dresdner Hof zur Fürstenhochzeit 1719, ist das Thema der kleinen Sonderschau, die zeitlich perfekt zur Serie „Glückliche Fügung“ passt, die seit voriger Woche mittwochs und samstags in der Sächsischen Zeitung erscheint. Ausstellung und Serie führen hin zu einem anderen großen Ereignis: Am 28. September werden im Dresdner Schloss die rekonstruierten barocken Paraderäume eröffnet; jene Raumfolge, die August der Starke für die Hochzeit seines Sohnes Friedrich August vor 300 Jahren einrichten und auf das Kostbarste ausstatten ließ.

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An den Wänden des Sponselraums ist nun eine Serie von Kupferstichen zu sehen, die den Einzug der Braut in die Residenz dokumentiert. Sie kam von Pirna mit dem Schiff, stieg an der Stelle, wo heute die Waldschlößchenbrücke steht, in die Kutsche und wurde, begleitet von einem langen Festzug, ins Schloss gebracht. Dort hatte August der Starke für die Ankunft der Kaisertochter aus Wien die Paradesäle im zweiten Obergeschoss kaiserlich herrichten lassen. Der Einzug Maria Josephas in den Schlosshof, ihr Aufstieg über die Englische Treppe, der Empfang bis hin zum Gespräch im Paradeschlafzimmer, sind in der Ausstellung zu sehen. 

Dokumentiert wurden einst die vollständigen Feierlichkeiten, die von Maria Josephas Ankunft in Dresden am 2. September 1719 bis zum Ende des Monats dauerten. Etwa 250 Blätter sind das, die einst angefertigt wurden, um sie später in Buchform vervielfältigen und an die europäischen Fürstenhöfe verteilen zu lassen. Das Buchprojekt wurde nicht realisiert, aber die originalen Zeichnungen, auf denen die Kupferstiche basieren, und die Kupferstichserie selbst werden im Dresdner Kupferstich-Kabinett verwahrt.

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Von einem Schauessen, das das Königspaar und das junge Brautpaar unter den Augen des Hofstaates absolvierten, zeugen ein geschliffener Glaspokal aus dem Kunstgewerbemuseum und eine Platte mit Wärmeglocke von Augusts Tafelsilber. Die Tabakdose mit Karneolgarnitur und dem kurfürstlich-königlichen Weltbild im Miniaturformat, auch aus Dinglingers Werkstatt, trug August der Starke während der Hochzeitsfeier. Zauberhaft ist auch das Spielmarkenkästchen, das Maria Josepha von ihrem Vater geschenkt bekam, ein seltenes Zeugnis der Wiener Goldschmiedekunst vom Anfang des 18. Jahrhunderts. Die jungen Eheleute schenkten es August dem Starken 1723 zum Namenstag.

Ausstellung "Splendor et laetitia. Glanz und Freude am  Dresdner Hof zur Fürstenhochzeit 1719." bis 10. November im Dresdner Schloss, geöffnet Mi – Mo 10 – 18 Uhr.