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Einzelkämpfer fühlt sich im Stich gelassen

Für viele Projekte gibt es Hilfe von Sachsen und der EU. Für das Museum eines Leisnigers nicht. Ungerecht, findet er.

In der ehemaligen Nudelfabrik an der Johannes-R.-Becher-Straße in Leisnig betreibt Claus Dieter Andrä ein Museum – nicht nur zum Selbstzweck.
In der ehemaligen Nudelfabrik an der Johannes-R.-Becher-Straße in Leisnig betreibt Claus Dieter Andrä ein Museum – nicht nur zum Selbstzweck. © Norbert Millauer

Leisnig. Benötigt er Leute zum Anpacken, kann sich Claus Dieter Andrä stets auf Freunde und Bekannte verlassen. Nun braucht der 83-Jährige einen finanziellen Zuschuss – und steht allein da.

Wenn der Rentner liest, dass der Freistaat Sachsen Kleinprojekte und dabei beispielsweise die Anschaffung eines Grills für Feste fördert, ist Andrä bedient. Denn für ihn gibt es keine Aussicht auf eine Finanzspritze. „Weil ich keinen Verein habe“, sagt er. Das sei die bisher häufigste Begründung für abschlägige Antworten auf die Frage nach Zuschüssen gewesen.

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Mehrfach habe er sich daraufhin überlegt, wie und mit wem er einen Verein gründen könnte. Doch dies ist aus verschiedenen Gründen ergebnislos geblieben. Trotzdem gibt der frühere Straßenbauer nicht auf.

Geradezu aufgestachelt hat ihn eine Antwort, die er auf einen Hilferuf bekam. „So hieß es, ich würde das ja alles für mich tun, es wäre mein rein privates Hobby“, erzählt Claus Dieter Andrä. „Von wegen“, sagt er. So habe es im Jahr 2004 vielleicht angefangen. Damals habe er die ehemalige Nudelfabrik gekauft und mit Unterstützung von Freunden so um- und ausgebaut, dass hauptsächlich Technik gezeigt werden kann. Die hatte der Bastler über Jahrzehnte gesammelt, wieder flott gemacht und in vielen verschiedenen Scheunen untergestellt.

Mit diesem Werkzeug hat Sattlermeister Heinz Schreber am Leisniger Schlossberg gearbeitet.
Mit diesem Werkzeug hat Sattlermeister Heinz Schreber am Leisniger Schlossberg gearbeitet. © Norbert Millauer

Mittlerweile gibt es auf 800 Quadratmetern Fläche kaum ein freies Plätzchen mehr. Der Großteil der Exponate – gezählt haben sie Andrä und seine Frau Monika nie – zeigt mittlerweile Dinge, die Leisnigs Stadtgeschichte erzählen. „Vieles wäre auf dem Müll oder Schrott gelandet, wenn wir es nicht genommen hätten.“

Bekannt ist, dass ein Raum dem Andenken an Puppenspieler Heinz Kotte gewidmet, in einem anderen alles zu sehen ist, was vom Leisniger Männerchor Arion geblieben ist. Doch es gibt noch so viel mehr zu entdecken: Die komplette Werkstatteinrichtung von Sattlermeister Heinz Schreber, Handwerkszeug, mit denen Bäckermeister Swen Liebsch, die Elite-Frisörinnen oder das Team von Fleischermeister Christian Kunze gearbeitet haben. 

Es sind Produkte „Made in Leisnig“ zu sehen: Zigarren und Zigaretten, Stühle oder Getränke beispielsweise. Weiterhin vermitteln Firmenschilder einen kleinen Eindruck vom alten Leisnig, in dem es offenbar von Handwerkern und kleinen Betrieben gewimmelt hat. Justinus Richter hat laut Reklametafel hygienische Stalleinrichtungen hergestellt, Friedrich Rothe „feinste Mildensteiner Bockwürstchen“ und bei Beucholds wurde Spielzeug produziert.

Vor der Nutzung als Museum sind in dem alten Fabrikgebäude Wände versetzt und durchbrochen worden.
Vor der Nutzung als Museum sind in dem alten Fabrikgebäude Wände versetzt und durchbrochen worden. © Repro: Norbert Millauer
Ein Reisepass aus dem Jahr 1887 gehört zu den ältesten Dokumenten.
Ein Reisepass aus dem Jahr 1887 gehört zu den ältesten Dokumenten. © Norbert Millauer

„Das alles aufzubereiten und zu präsentieren, da hängt schon eine Menge Arbeit dran“, sagt der 83-Jährige. Deshalb wünsche er sich, dass die Fördergeldgeber sich den Einzelfall anschauen, gegebenenfalls die Förderkriterien anpassen. Weil Andräs Einsatz für die Heimatgeschichte eben nicht diesen Kriterien entspricht, hat die Leader-Aktionsgruppe von Sachsenkreuzplus die private Förderanfrage abgelehnt, teilt Vorsitzender Sebastian Killisch mit. Mehr wolle und könne er dazu nicht sagen.

Konkret geht es um 13.000Euro – oder einen Teil. Dafür will der Leisniger vier alte Fenster im Museum austauschen und die Simse so herrichten, dass Regen die Gebäudesubstanz nicht mehr schädigen kann.

Das Museum öffnet auf Anfrage: Tel. 0343211454.

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