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Eklat um Prohliser Bürgerfest

Weil eine missliebige Band auftreten soll, lehnen CDU, AfD und Freie Wähler die Förderung für das Fest im Oktober ab. Ein Streit um die angebliche Gesinnung.

Die Banda Internationale hat in Prohlis bereits den Song "Oh, mein Prohlis" eingespielt. Nun soll sie nicht beim Bürgerfest spielen dürfen.
Die Banda Internationale hat in Prohlis bereits den Song "Oh, mein Prohlis" eingespielt. Nun soll sie nicht beim Bürgerfest spielen dürfen. © PR

Dresden. Am 10. Oktober soll das siebte Prohliser Bürgerfest steigen. Doch im Vorfeld gibt es Zoff.

Jetzt hat der Stadtbezirksbeirat mehrheitlich die Förderung für das Stadtteilfest abgelehnt. Es steht auf der Kippe.

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Eigentlich ist es eine Formalie bei traditionellen Veranstaltungen: Der zuständige Stadtbezirksbeirat beschließt aus seinen Verfügungsmitteln, das Fest zu fördern. Nur dann kann es durchgeführt werden.

Es geht um 1.600 Euro, eigentlich sogar nur um 200 Euro. Die Veranstalter des Prohliser Bürgerfests, Quartiersmanagerin Katrin Lindner und das Netzwerk Prohlis ist bunt, haben die 1.600 Euro beantragt, um das Fest auch im siebten Jahr durchführen zu können.

Das Netzwerk aus Prohlisern, Vereinen, Einrichtungen, der Kirchgemeinde, dem Quartiersmanagement und Parteienvertretern möchte laut eigenen Angaben mit dem Fest ein Zeichen für ein nachbarschaftliches und friedvolles Zusammenleben in Prohlis setzen. Geplant ist ein Programm auf einer Bühne vor dem Prohliszentrum, mit Mitmachaktionen und Künstlern, die auftreten.

Unter anderen soll die Banda Internationale auftreten, ein Projekt der Banda Comunale, die gemeinsam mit Geflüchteten Musik machen. Die Band ist zum Stein des Anstoßes geworden.

CDU-Stadtbezirksbeirat Dietmar Haßler fragte in der Sitzung, ob es die Band sei, die das Glockengeläut am 13. Februar gestört habe und Texte gegen Polizeibeamte schreibt. Es kam zum Eklat. "Es wurde gebrüllt und es gabgegenseitige Beschimpfungen", berichtet Barbara Lässig, Stadtbezirksbeirätin für die Freien Wähler. Weil er keine Antwort erhielt, wollte Haßler das Thema zunächst vertagen. Nach einer Auszeit, beantragte er, die 200 Euro, die als Honorar für die Band vorgesehen sind, zu streichen. Dieser Vorschlag kam von Lässig.

Nachdem die Streichung des Honorars mehrheitlich abgelehnt wurde, stimmten die Beiräte über die 1.600 Euro ab - die Förderung für das Fest wurde komplett abgelehnt. Grünen-Stadtbezirksbeirätin Julia Günther: "Die Ablehnung eines Orchesters aufgrund einer mutmaßlichen politischen Positionierung ist ein fatales Signal für die Kunstfreiheit in der Musikstadt Dresden."

Zwischendurch hatte ein Vertreter der AfD noch eingeworfen, Prohlis müsse "sauber gehalten" werden. "Solche rechtspopulistischen Aussagen vergiften schon länger die Diskussionskultur im Beirat und in der Gesellschaft", so Florian Berndt (Linke). "Der Auftritt einer Band, in der auch Nicht-deutsche Musiker spielen, als im Umkehrschluss als schmutzig zu bezeichnen ist klarer Rassismus, dem wir entgegentreten müssen."

Haßler spricht von "mehreren Missverständnissen". "Ich hatte das mit der Band so in Erinnerung, war mir aber nicht sicher, deshalb habe ich gefragt." Wenn es so sei, könne die Banda Internationale nicht dort spielen. "Ich wollte aber nicht das komplette Fest verhindern", versichert Haßler. "Wir hätten doch einfach die 1.400 Euro beschließen und das in einem Gespräch mit der Band klären können."

Michal Tomaszewski, Mitbegründer der Band, verwahrt sich gegen solche Behauptungen. "Da gibt es nichts in unserer Musik gegen die Polizei. Texte sowieso nicht, wir sind eine Blaskapelle." Auch habe weder die Banda Comunale noch die Banda Internationale je Glockengeläut gestört. "Wir haben vor drei Jahren und in diesem Jahr bei den Gegenveranstaltungen gespielt, als die AfD am Altmarkt ihre Veranstaltung zum 13. Februar abgehalten hat.

Das ärgert beispielsweise Lässig. "Natürlich ist die Band politisch, weil sie gegen Pegida und die AfD ist. Warum müssen Feste immer zu Protestaktionen werden? Diese Band hat auf dem Bürgerfest in Prohlis nichts zu suchen."  

Ja, die Banda sei gegen rechts und die AfD, sagt Tomaszewski. "Aber wir machen auch viele andere Dinge, wurden bundesweit ausgezeichnet für demokratiefördernde Projekte, machen Arbeit an Schulen."

Dass das Fest nun nicht gefördert wird, dazu sagt der Musiker: "Schönen Dank auch. Dort sollte der Song "oh, mein Prohlis" uraufgeführt werden." Das Lied wurde mit Prohlisern, dem Musik-Projekt Musaik, Bernadette von Hengst und vielen weiteren produziert. Es gibt auch ein Video dazu. "Der Song ist überhaupt nicht politisch, sondern darin geht es um das Selbstwertgefühl."

Dorothée Marth von der SPD fordert nun, die Stadt selbst solle das Fest fördern. "In der letzten Stadtratssitzung sind 500.000 Euro als Corona-Soforthilfe für die Kultur bereitgestellt worden. Wir bitten den Oberbürgermeister um Unterstützung und die finanzielle Absicherung des Festes aus diesen Mitteln. Herr Hilbert, senden Sie ein Zeichen der Solidarität und Internationalität für unsere Landeshauptstadt!"

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Auch Haßler wäre nichts lieber, als dass das Fest stattfinden kann. "Wir müssen jetzt eine Finanzierungsmöglichkeit finden. Ich möchte gerne auch mit der Band sprechen." Es habe auch keine Absprache der CDU mit AfD und freien Wählern gegeben, das Fest zu kippen. Tomaszewski sagt bereits zu: "Die Banda tritt auch ohne Honorar auf."

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