merken
PLUS

Riesa

Erlebnis Trabi

50 Exemplare des DDR- Zweitakters werden Sonntag in Glaubitz erwartet. Die SZ ist eine Proberunde gefahren.

Da fehlt doch was? Jawohl, das Dach: Der Glaubitzer Trabant wurde mit einem Bausatz zum Cabrio umgebaut. Praktisch, wenn der Fahrer wie SZ-Redakteur Christoph Scharf deutlich über 1,90 Meter misst.
Da fehlt doch was? Jawohl, das Dach: Der Glaubitzer Trabant wurde mit einem Bausatz zum Cabrio umgebaut. Praktisch, wenn der Fahrer wie SZ-Redakteur Christoph Scharf deutlich über 1,90 Meter misst. © Sebastian Schultz

Glaubitz. Hören, riechen, sehen: unverwechselbar, so ein Trabant. Gerade erst hat Horst Bennewitz den Benzinhahn geöffnet, den Choke gezogen und den Zündschlüssel gedreht, da ertönt schon das charakteristische Räng-däng-däng des Zweitakters. Generationen von DDR-Bürgern haben das Geräusch in den Ohren. 

Genauso wie den Geruch der Abgase, die jetzt stoßweise aus dem Auspuff strömen. Man schmeckt die Kohlenwasserstoffe förmlich auf der Zunge. Von Stickoxiden und Kohlenmonoxiden stößt ein Trabi allerdings deutlich weniger aus als ein Viertakter ohne Kat. Zu übersehen ist die blaugraue Wolke, die jetzt über den Glaubitzer Hof zieht, jedenfalls nicht.

Anzeige
Backe, backe, Traumjob!

Keine Ahnung, wie es weitergehen soll, aber Lust auf einen coolen und kreativen Job mit Zukunft? Dann ab zur Bäckerei Jung!

Vorsichtig rollt der Besitzer auf die B 98 – eine letzte Proberunde vor dem großen Trabanttreffen am Sonntag. Am 12. Mai werden um die 50 Exemplare des legendären DDR-Fahrzeugs im Dorf erwartet. Der fast drei Jahrzehnte lang in Zwickau gebaute Trabant 601 hat bis heute eine treue Fangemeinde. Ist ja auch solide, die Technik. „Ab und an mal was Abschmieren, viel mehr ist eigentlich nicht zu tun“, sagt Horst Bennewitz, während sein schwarz-rot lackierter Trabi Richtung JVA rollt.

Beim Lenkrad samt filigranem Blink- und robustem Schalthebel kommen dafür die Knie gefährlich nahe.
Beim Lenkrad samt filigranem Blink- und robustem Schalthebel kommen dafür die Knie gefährlich nahe. © Sebastian Schultz

Aber gewöhnungsbedürftig ist er doch, der Zweitakter. Das merke ich, als ich auf der Landstraße Richtung Streumen selbst ans Steuer darf. Gut 20 Jahre ist es her, dass ich selbst zum letzten Mal hinter dem Lenkrad eines Trabants gesessen habe. Wo war bei der Lenkradschaltung noch mal der erste Gang? „Reindrücken und runter“, sagt der Rentner. Klappt tatsächlich ganz einfach. Kupplung loslassen, Gas geben – schon rollt der Wagen. Der Wind fährt in die Haare: Der Besitzer hat die Limousine in den 90ern mit einem Bausatz in ein Cabriolet verwandelt. Das feste Dach fiel weg und wurde durch ein faltbares Stoffdach ersetzt, das sich jetzt hinter der Rücksitzbank unter einer Kunstlederverkleidung verbirgt. Ist das denn dicht bei Regen? „Absolut“, sagt der Glaubitzer.

Trotzdem macht eine Oldtimerausfahrt bei Sonnenschein mehr Spaß. Rechts und links fliegen die Felder förmlich vorbei. Der Geräuschkulisse nach sind wir ziemlich schnell unterwegs. Ein Blick auf den Tacho zeigt aber: Es sind gerade mal Tempo 70, dabei sind wir schon im vierten Gang. Das erklärt auch, warum uns jetzt ein roter Kleinwagen überholt. Dafür können wir die Landstraße richtig genießen! Die Karosserie schaukelt leicht bei jeder Unebenheit – vorn sind noch klassische Blattfedern eingebaut, hinten immerhin schon Schraubenfedern. So weit reichte die Innovation in den späten DDR-Jahren immerhin – der Glaubitzer Trabi gehört mit Baujahr 1989 zu den jüngsten Exemplaren. Manch Oldtimerfreund fährt das Modell heute als Alltagsfahrzeug, bei Horst Bennewitz vom Motorsportclub Glaubitz kommt es nur im Sommerhalbjahr aus der Garage – zu besonderen Anlässen. „Aber wir waren mit einem halben Dutzend weiteren Trabis auch bei unserer bayerischen Partnergemeinde, als die dort eine ‚Glaubitzer Straße‘ einweihten“, sagt der gelernte Kfz-Schlosser, der sonst Audi fährt. Einmal ging es mit Trabi und Klappfix-Anhänger sogar bis nach Bulgarien – da kamen aber reichlich Ersatzteile und Werkzeug ins Gepäck.

Sonntag zur Sternfahrt wollen die Trabi-Freunde immerhin 60 Kilometer rund um Glaubitz absolvieren. Das dürfte etliche begeisterte Blicke vom Straßenrand geben. Die Klassiker vom VEB Sachsenring sind jedenfalls nicht zu übersehen. Und man hört und riecht sie auch.

15. Trabanttreffen am 12. Mai ab 9.30 Uhr in Glaubitz, am Biergarten „An der Rampe“. 

Ab 10.30 Uhr startet dort die Sternfahrt, ab 13 Uhr werden die Fahrzeuge ausgestellt.

 Die Teilnehmergebühr beträgt fünf Euro pro Auto.