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Erstmals Wolfsriss im Nationalpark fotografiert

Eine Fotofallen-Aktion bringt spektakuläre Ergebnisse. Auf den Bildern sind nicht nur Tiere zu sehen.

Das hat es so noch nicht gegeben. Eine Fotofalle im Nationalpark Böhmische Schweiz hat im April dieses Jahres den tödlichen Kehlbiss eines Wolfes bei einem Rotwild festgehalten.
Das hat es so noch nicht gegeben. Eine Fotofalle im Nationalpark Böhmische Schweiz hat im April dieses Jahres den tödlichen Kehlbiss eines Wolfes bei einem Rotwild festgehalten. © Nationalpark Böhmische Schweiz

Das war auch für die Fachleute, die regelmäßig die Fotofallen auswerten, ein spektakuläres Ereignis. Bei einem systematischen Fotofallenmonitoring im Nationalpark Böhmische Schweiz konnte erstmals ein Wolfsangriff auf ein Rotwild dokumentiert werden. Ein Foto der ausgewerteten Serie zeigt einen Wolf, der das Rotwild mit dem wolfstypischen Kehlbiss erlegt. Aufgenommen wurde das Foto bereits im April dieses Jahres in einem Waldstück des Nationalparks zwischen Jetrichovice und Doubice. Genauer will sich die Verwaltung in Tschechien nicht äußern, um nicht noch mehr Menschen anzulocken, die ohnehin schon durch den Nationalpark streifen.

Gezeigt wurde das Foto jetzt erstmals bei einem Fachforum im Nationalparkzentrum in Bad Schandau. Dort wurden die Ergebnisse einer grenzüberschreitenden Fotofallenaktion vorgestellt. Vom 19. April bis 25. Mai dieses Jahres wurden 47 Stellen sowohl im Nationalpark Böhmische Schweiz als auch im Nationalpark Sächsische Schweiz mit solchen Apparaten bestückt. Am Ende konnten 42 Geräte ausgewertet werden. Zwei Fotofallen waren defekt, drei wurden gestohlen. Fünf der 42 Fallen standen auf deutscher Seite des Nationalparks. Ziel war es, die Population vorhandener Säugetierarten zu ermitteln.

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Der Rothirsch wurde am häufigsten angetroffen. Für Fachleute sehr überraschend war jedoch, dass am zweithäufigsten Menschen fotografiert wurden. Zwar waren nicht nur abgelegene Orte in den Kernzonen der Nationalparke gewählt worden, wo es ohnehin verboten ist, ausgeschilderte Wanderwege zu verlassen. Alle Standorte waren aber abseits von Wegen gewählt worden.

Die Federführung für die Aktion hatte das OWAD. Ausgesprochen trägt das Projekt den sperrigen Namen „Objektive Akzeptanz der Wölfe in einer von Menschen veränderten grenzübergreifenden Landschaft“ mit Sitz in Prag. Die Fotofallen waren Teil des Wolfsmonitorings, zu dem auch Spuren und Kot ausgewertet wurden. „Das erfolgt genau wie in Deutschland nach der international anerkannten Methode SCALP“, sagt Projektleiter Lukas Zak. Demnach haben sich dieses Jahr zwei Wolfsrudel neu im nordböhmischen Grenzgebiet zu Deutschland angesiedelt.

Ein Paar wurde im Nationalpark Böhmische Schweiz nachgewiesen, ein weiteres im Erzgebirge. Bei Ersterem stammt die Fähe einer DNA-Analyse zufolge aus dem Hohwalder Rudel. Die Herkunft des Männchens ist nach Auskunft des Senkenberg-Museums Görlitz, mit dem OWAD zusammenarbeitet, unbekannt. Demnächst werde Nachwuchs erwartet. Laut Zak sind die Nahrungsbedingungen im Nationalpark gut. Zudem sollte es trotz des hohen Besucheraufkommens genug Rückzugsräume in der Kernzone geben, ist er überzeugt. Für unnötige Unruhe könnte nur der Mensch sorgen, wie aus der Fotofallenstatistik hervorgeht.

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Der Wolf auf dem spektakulären Foto hat sich die Stelle offenbar bewusst ausgesucht. Im Hintergrund ist ein sogenannter Leckstein zu sehen, an dem sich Wild gütlich tun sollte. So etwas gibt es auch im Nationalpark auf deutscher Seite. Die Tiere benötigen Natrium zur Regulation ihres Wasserhaushalts und für den Stoffwechsel. Pflanzenfresser decken ihren Bedarf an mineralhaltigen Steinen oder Quellen. Solche natürlichen Salzvorkommen sind in unserer Landschaft aber selten geworden. Für viele Wildtiere ist das ein Problem. Ob diese Lecksteine nun nach dem Motto „Natur Natur sein lassen“ entfernt werden, ist offen.