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„Es geht wieder vorwärts“

Bei Kreisel in Krauschwitz laufen Produktion und Export langsam an. Den Anfang macht ein Mega-Anlagenteil.

Geschäftsführer Wolfram Kreisel vor der größten im Unternehmen gebauten Zellenradschleuse. Die 3,50 hohe Anlage ist für eine Zementfabrik in den USA, steht kurz vor ihrer Verschiffung nach Übersee und ist somit auch Bildnis für den Neustart der Krauschwit
Geschäftsführer Wolfram Kreisel vor der größten im Unternehmen gebauten Zellenradschleuse. Die 3,50 hohe Anlage ist für eine Zementfabrik in den USA, steht kurz vor ihrer Verschiffung nach Übersee und ist somit auch Bildnis für den Neustart der Krauschwit © Sabine Larbig

In der 108-jährigen Firmengeschichte des Familienunternehmens gab es schon einige weltwirtschaftlich bedingte Tiefen. Die letzten in den Jahren 2015 bis 2017. Russland-Embargo, Konflikte in Afrika und dem Nahen Osten, Markteinbrüche in Amerika wirkten sich auch negativ auf die Wirtschaftslage der auf Schüttguttechnik spezialistierten Firma mit hohem Exportanteil aus. „Es waren schwierige Jahre“, bekennt Geschäftsführer Wolfram Kreisel. Dann kam der Aufschwung. „Wir konnten die letzten beiden Jahre mit einem ordentlichen Gewinn abschließen und starteten das 1. Quartal 2020 ebenfalls sehr gut. Plötzlich kam Corona, damit erneut ein Einbruch und gleichzeitig die Herausforderung, sofort reagieren zu müssen.“

Stammbelegschaft arbeitet weiter

Für das Unternehmen bedeutete dies in den Monaten April und Mai 2020 rund 75 Prozent Auftragsrückgang und bereits seit 18. März Kurzarbeit für 150 Mitarbeiter. Erst traf es die Verwaltung, dann die Produktion. „Es war besorgniserregend. Aber Leitungsteam und Betriebsrat, die regelmäßig Belegschaftsversammlungen durchführten, Aushänge machten und Informationen weiter gaben, meisterten die Krise sehr gut“, lobt der Chef, der parallel zur Unterstützung der heimischen Industrie bereitgestellte staatliche Hilfen beantragte. „Genehmigtes Kurzarbeitergeld und ein Unternehmerkredit gaben uns Luft, die Einschnitte zu kompensieren und die Stammbelegschaft weiterbeschäftigen zu können.“ Umso mehr freut Wolfram Kreisel das Verhalten der Mannschaft, wie er das Mitarbeiterteam nennt, während der Corona-Krise. „Alle bewahrten ihren Mut und Optimismus. Da, wo Homeoffice nötig war, zeigten sie viel Organisationstalent angesichts geschlossener Kitas und Schulen.“

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Nun läuft der Unternehmensmotor langsam wieder an. Gebaut ist bereits eine Zellenradschleuse für eine Zementfabrik in den USA. „Mit 3,50 Höhe ist es die Größte, die wir jemals fertigten und dadurch, bis hin zur Verschiffung, eine enorme Herausforderung.“ Voraussichtlich im August soll das Mega-Anlagenteil auf die Reise nach Übersee gehen. Durch Corona mit etwa einem halben Jahr Verspätung. „Das bedeutet auch, dass wir entsprechend spät die Restzahlung für den Auftrag erhalten“, weiß der Firmenchef. Da die nächsten Aufträge aus den USA, Brasilien und Südafrika in diesem Monat eingetroffen sind und auch eine Anlage für eine Zementfabrik auf den Philippinen – die während Corona gebaut wurde – derzeit durch Kreisel-Mitarbeiter errichtet und in Betrieb genommen wird, sieht Wolfram Kreisel optimistisch in die Zukunft des Unternehmens und seiner Mitarbeiter. „Ich bin mir sicher, dass wir schnell wieder erfolgreich am Markt agieren werden. Zum einen, weil wir die Zeit mit Corona zur Forschung und Weiterentwicklung von Produkten genutzt haben. Zum anderen, weil wir im Portfolio energiesparende Eigenprodukte haben, bei denen die Nachfrage immer größer wird.“

Erste Messeteilnahme nach Corona

Diese Produkte sowie die Neuentwicklungen während der weltweiten Corona-Krise stellen Firmenchef und Mitarbeiter vom 30. September bis 1. Oktober auf der Fachmesse PowTech, der europäischen Leitmesse für Schüttgutindustrie, in Nürnberg vor. Es sei gut, sagt Wolfram Kreisel, dass Dienstreisen und Messen wieder stattfinden dürfen. „Corona hat zwar gezeigt, dass dank globaler Vernetzung und Digitalisierung vieles ohne Direktkontakte funktioniert. Auch unsere fünf Standorte in Deutschland und die weltweiten Handelsvertreter haben gezwungenermaßen ihre Zusammenarbeit auf digitalem Weg enorm verbessert. Trotzdem bleiben Messen, persönliche Treffen und Beratungen unverzichtbar in Marketing und Verkauf.“ Und natürlich erhoffen sich die Anlagenbauer in Krauschwitz von der Nürnberger und anderen Fachmessen neue Kunden, Aufträge und somit einen Produktionsaufschwung.

Wie sich die Lage bis Jahresende entwickeln wird, kann derzeit allerdings niemand einschätzen. „Ich gehe von einer Investitionszurückhaltung in der gesamten Wirtschaft aus, wodurch die Folgen von Corona noch über weitere Geschäftsjahre spürbar sein werden. Und das global!“, schätzt Wolfram Kreisel. Ein Grund, warum das Krauschwitzer Traditionsunternehmen geplante Investitionen in Maschinen und Gebäude nun erst einmal nach hinten verschiebt. „Durch die gegenwärtige Lage und die erhaltenen staatlichen Hilfen, die jedoch keine Investitionskredite oder Darlehen sind, ist uns das vorerst nicht möglich.“

Möglich wird dagegen, dank des verhaltenen Aufwärtstrends der Weltwirtschaft nach der Corona-Flaute – und somit auch bei Kreisel – die Fortsetzung der Lehrlingsausbildung im Unternehmen und sogar die Einstellung von Spezialisten im Unternehmen. Aktuell wird ein IT-Leiter am Standort Krauschwitz gesucht. Zudem haben Wolfram Kreisel und sein Führungsteam klare Ziele und Zukunftsstrategien. Dazu zählen, neben dem Setzen auf Stammkunden und einen stabilen Ersatzteil-Markt, die Gewinnung neuer Kunden und Branchen, Kooperationen mit Firmen im Lausitzer Revier und die Etablierung des Schüttgutspezialisten durch neue Händler und Niederlassungen im Ausland. „Es geht wieder vorwärts!“, sagt Wolfram Kreisel und meint nicht nur den Stammsitz in Krauschwitz.

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