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„Es gibt auch in Roßwein wirklich schöne Ecken“

Dirk Mehler kommt aus der Praxis. Als neuer Bauamtsleiter muss er aber auch Gesetze beherrschen. Und sich als erstes um ein Missgeschick kümmern.

Dirk Mehler muss als Bauamtsleiter der Stadt Roßwein laufende Bauarbeiten wie hier auf der Nossener Straße begleiten und neue vorbereiten. Außerdem kümmert er sich noch um eine „Altlast“: die Schadensbeseitigung in der Stadtsporthalle.
Dirk Mehler muss als Bauamtsleiter der Stadt Roßwein laufende Bauarbeiten wie hier auf der Nossener Straße begleiten und neue vorbereiten. Außerdem kümmert er sich noch um eine „Altlast“: die Schadensbeseitigung in der Stadtsporthalle. © Christian Essler

Roßwein. Auf der Nossener Straße laufen gerade Arbeiten an den Trinkwasserleitungen. Ein Rohrbruch am Montag hat eine voraussichtlich bis Mittwoch dauernde Vollsperrung ab dem Burggraben nötig gemacht. 

Ein Auge auf diese und andere Baustellen in Roßwein zu haben, das ist seit kurzem Dirk Mehlers Job. Der 56-Jährige hat die Nachfolge von Bauamtsleiterin Petra Steurer angetreten. Sie bedauerte bei ihrem Abschied ein wenig, dass Mehlers erste Amtshandlung ein Missgeschick ist, um das er sich kümmern muss.

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„Ja, die neue Stadtsporthalle“, sagt er und weiß sofort Bescheid. Die wird zurzeit mit großem Aufwand trockengelegt. Bei den Bauarbeiten ist ein Rohr nicht ordentlich verpresst worden. Infolge dessen trat wahrscheinlich über zwei Jahre, in denen die Halle nach Fertigstellung genutzt worden ist, Wasser aus und hat zum Beispiel den Sportboden unbrauchbar gemacht.

„Sicher“, sagt Dirk Mehler, „das sollte nicht passieren. Aber ich komme aus der Praxis und weiß, wie schnell es eben doch sein kann, dass man abgelenkt wird und etwas übersieht. Insofern kann ich ein gewisses Maß an Verständnis für dieses menschliche Versagen, das es aus meiner Sicht war, aufbringen.“

Einige Erfahrungen aus seiner bisherigen Praxis kann der 56-Jährige auch in die Verhandlung mit den Versicherungen einbringen, denkt er. Mehler hat Betonbauer gelernt, 1988 sein Tiefbaustudium an der Ingenieurschule Gotha abgeschlossen. Für seinen damaligen Arbeitgeber, den Talsperrenbau Weimar, ging er in einen Betriebsteil nach Berlin. Bis 1994 hielt es der gebürtige Thüringer in der Landeshauptstadt aus. „Dann hat es mich der Liebe wegen nach Sachsen verschlagen“, erzählt er mit einem Lächeln.

Die letzten 15 Jahre hat Dirk Mehler für einen Baubetrieb die gesamte Republik bereist, war manchmal zwölf bis 14 Stunden am Tag unterwegs, oft nur an einem Wochenendtag daheim in Heyda. Weil das auf Dauer nicht durchzuhalten sei, habe er sich nach einer neuen beruflichen Herausforderung umgesehen. Dabei sei er auf die Ausschreibung der Stadt Roßwein gestoßen und habe sich um die Stelle als Bauamtsleiter beworben.

Ein paar Wochen hatte er Zeit, die neuen Aufgaben kennenzulernen. Für den praktischen Teil bringt er gewiss genügend Berufserfahrungen mit. In der Theorie sieht Dirk Mehler noch Nachholebedarf. „Zum Beispiel, was Fördermodalitäten betrifft“, sagt er. Auch in der sächsischen Bauordnung müsse er ab und an nochmal nachschauen, wenn ein Bauantrag vor ihm liegt. Notfalls nehme er sich die Gesetze mit nach Hause. Denn im Vergleich zu seinem vorherigen Pensum in der Wirtschaft sei der Arbeitstag inzwischen kalkulierbar, selbst wenn ab und an Abgabetermine drängen und die eine oder andere Überstunde anstehe.

Zu den „theoretischen“ Arbeiten von Dirk Mehler gehört derzeit, für 2020 den grundhaften Ausbau der Weststraße vorzubereiten. Ein Gutachten hatte ergeben, dass eine Teilsanierung aufgrund des schlechten Zustandes nicht mehr infrage kommt. Dann gehe es darum, die Modernisierung der Grundschule voranzutreiben. Dort müssten noch ein Aufzug angebaut, die Außenanlagen gestaltet und der Abwasseranschluss erneuert werden.

Parallel dazu ist der 56-Jährige dabei, die Stadt und deren Ortsteile kennenzulernen. „Ich habe schon einige schöne Ecken und Besonderheiten entdeckt“, sagt er und nennt als Beispiel den Waldkindergarten auf dem Hartenberg. Auch der geförderte Eigenheimstandort „Am Steinhübel“ gefalle ihm gut. Schön wäre, wenn nun ein neues Gebiet für Eigenheime ausgewiesen werden könnte. Geplant war eines an der Etzdorfer Straße.

Schon vor seinem Amtsantritt hat sich Dirk Mehler in Roßwein umgesehen: „Interessant fand ich, was die Leute vom Dampfmaschinenverein und die Modellbahner machen.“ Er selbst schwingt sich in seiner Freizeit gern aufs Motorrad oder liest. Für beides hat er indes ein wenig mehr als Zeit als bei seinem alten Job.