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Ex-Karstadt-Chefin ist neue City-Managerin

Ilona Markert will den Einzelhandel in der Innenstadt beleben - und kritisiert die Europastadtgesellschaft.

Ilona Markert ist die neue City-Managerin in Görlitz.
Ilona Markert ist die neue City-Managerin in Görlitz. © André Schulze

Ein bisschen wehmütig wird ihr schon zumute, wenn sie das Kaufhaus sieht. "Es war eine schöne Zeit", sagt Ilona Markert. Sie war einst Chefin des Hertie-Karstadt-Kaufhauses. Heute sieht sie es nur noch von außen. Wie sieht sie die Zukunft des Hauses? "Das wird gut. Herr Stöcker macht das", ist Ilona Markert sicher. Sie hat inzwischen einen neuen Job. Als City-Managerin möchte sie den Görlitzer Innenstadthandel auf Trab bringen. 

Dazu gibt es jetzt einen neuen Verein, Vorstand: Immobilienexperte Frank Tews und Tobias Heid, Manager der Straßburg-Passage. Und eben Ilona Markert als City-Managerin. Am Dienstagabend stellte sich der neue Verein bei der alt eingesessenen Händlervereinigung Aktionsring vor.

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Neuer Verein hat zehn Mitglieder

Ilona Markert möchte vor allem mit ihren Erfahrungen aus der Stadtentwicklung punkten. "Ich wurde vor ein paar Monaten angesprochen, ob ich die Tätigkeit übernehmen möchte", sagt sie. Lange habe sie nicht überlegen müssen und zugesagt. "Die Görlitzer City", sagt sie, "ist zukunftsfähig." Die Innenstadt attraktiver machen, Ansprechpartner für Interessenten sein, das sind unter anderem ihre Ziele.

Etwa zehn Mitglieder hat der neue Verein derzeit, darunter Immobilienfirmen. Ilona Markert hat derweil schon die Herausforderungen ausgemacht, vor denen der Görlitzer Einzelhandel stehe. "Zum einen ist da der Generationswechsel, zum anderen der Kaufkraftverlust", sagt sie. Als Begründung für Letzteren zählt sie zum einen überregionale Billigketten, aber auch die Konkurrenz in Zgorzelec, Bautzen - Kornmarktcenter - Liberec und den Neißepark. Dessen Manager, Sevket Demir, hatte allerdings in der Vergangenheit immer wieder betont, dass er die Innentstadt eher als Partner sehe. Motto: Wer in den Neißepark geht, besucht auch das Görlitzer Zentrum - oder umgekehrt. Er setzt eher auf Kooperation.

Ist der Neißepark Konkurrenz zur Innenstadt?

Frank Tews rudert da auch gleich ein Stück zurück, gerade was den Neißepark betrifft. "Innenstadt ist Innenstadt. Aber man kann bestimmt gemeinsame Pluspunkte erzielen", sagt er. Frank  Tews möchte das Thema Innnenstadthandel möglichst konstruktiv angehen. Gemeinsam mit der Straßburg-Passage hat er die ersten Monate das Gehalt für die neue City-Managerin bezahlt. Die Stelle ist unbefristetet und Frank Tews kann sich ein langfristiges Engagement vorstellen.

Frank Tews sieht andere Stellschrauben, an denen es zu drehen gilt. "Weder die Europastadtgesellschaft noch der Stadtrat haben es bisher hinbekommen, die Innenstadt, den Handel hier richtig zu beleben", sagt er. Den Aktionsring hält er für zu finanzschwach, um alle möglichen Veranstaltungen in der Innenstadt zu steuern. "Wir brauchen ein echtes Netzwerk, unter anderem mit Unternehmen", sagt Frank Tews.

Ähnlich sieht es der Kommwohnen-Chef Arne Myckert. "Die Probleme des Einzelhandels erreichen nicht den Stadtrat", sagt er. Man müsse die Menschen einfach überzeugen, wie nachhaltig der Einzelhandel ist, findet er.  Arne Myckert denkt zudem an neue Verkehrskonzepte. "Die gehören in die Diskussion einfach rein. Im Neißepark wollen die Kunden auch mit dem Auto vors Geschäft fahren", sagt er.

Kritik an der Europastadtgesellschaft

Frank Reimann vom Vorstand des Aktionsringes hat auch so seine Probleme damit, den Neißepark als Konkurrenten zu sehen. "Die  'grüne Wiese' und die Innenstadt gegeneinander auszuspielen,  bringt nichts", sagt er. Dies hatte er in der Vergangenheit auch schon mehrfach betont.  Ilona Markert beschwichtigt dann auch. Sie habe diese Debatte auch nicht gewollt.

Die neue City-Managerin kritisiert vielmehr die Europastadtgesellschaft (EGZ). "Die EGZ hat bisher keine eigenen Ideen für die Belebung des Innenstadthandels entwickelt", sagt sie. Es gebe bisher keine  schlagkräftige Lobby für die Innenstadt, so ihr Vorwurf. Deshalb will sie jetzt ein Entwicklungskonzept erstellen, unter anderem mit einer "vordringlichen Planung von Maßnahmen".  "Wir sind offen für Ideen und Anregungen unserer Mitglieder", sagt Ilona Markert. 

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