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Corona bremst Fahrschüler aus

Die Fahrlehrer im Landkreis sind zum Nichtstun verdonnert. Denn im Gegensatz zu den Schulen dürfen sie keinen Fernunterricht machen.

Frank Albrecht führt die Fahrschule Albrecht in Rothenburg. Als Fahrlehrer hat er jetzt ein Tätigkeitsverbot und darf keine Leute ausbilden. So wie alle Fahrlehrer in Sachsen.
Frank Albrecht führt die Fahrschule Albrecht in Rothenburg. Als Fahrlehrer hat er jetzt ein Tätigkeitsverbot und darf keine Leute ausbilden. So wie alle Fahrlehrer in Sachsen. © André Schulze

Wer jetzt seinen Führerschein erwerben möchte, wird von der Corona-Krise ausgebremst. Denn die Fahrlehrer im Landkreis haben ein sogenanntes Tätigkeitsverbot. Das heißt, sie dürfen keine Fahrschüler ausbilden - weder theoretisch noch praktisch. Da hilft auch nicht das Argument, dass man im Fahrschulauto nur zu zweit unterwegs ist.

Einer der Betroffenen ist Frank Albrecht aus Rothenburg. Bei ihm kann man die Fahrerlaubnis für Zweiräder und Pkw erwerben. "Im Moment ruht alles, dafür bleibt Zeit, alles Liegengebliebene aufzuarbeiten", sagt Frank Albrecht und bezieht sein Grundstück mit ein, um aus der Corona-Krise das Beste zu machen.  Wenn der Rothenburger sich auch zu beschäftigen weiß, seine Einnahmen als Fahrlehrer stehen derzeit auf null. Seit nunmehr fast fünf Wochen.

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Dabei hat er sich erst vor kurzem ein neues Motorrad zugelegt und ein neues Auto ist bestellt. Beides für seine Fahrschule. Denn neben seinen "zivilen" Kunden kommen auch die Rothenburger Polizeischüler zu ihm, um Motorrad fahren zu lernen und die Fahrerlaubnis dafür zu machen. Doch auch dieses Geschäft muss jetzt ruhen.

Gelerntes verfällt nicht

Was bedeutet das für seine Fahrschüler, wenn sie von ihm nun nicht mehr unterrichtet werden dürfen? "Wir haben ein bisschen Glück bei der Sache, denn der aktuelle Lehrgang konnte die Theorie vor dem Tätigkeitsverbot noch abschließen", erklärt Albrecht. Aber auf die Fahrstunden müssen sie nun warten. Dass die Zeit die theroretische Ausbildung überholt, haben die Anwärter auf eine Fahrerlaubnis nicht zu befürchten.

Bisher ist die Praxis so gewesen, dass spätestens ein Jahr nach der erfolgreichen Theorie-Prüfung  die praktische Ausbildung beendet sein muss. Ansonsten droht eine Wiederholung der Theorieprüfung. So der Landesverband Sächsischer Fahrlehrer. Sein Vorsitzender Andreas Grünewald erklärt dazu: Im Zuge der Corona-Krise "hat die für uns zuständige Behörde großzügige Verlängerungen dieser Gültigkeitsfristen, von zum Beispiel von sechs Monaten, bekannt gegeben". Das heißt, der Fahrschüler hat anderthalb Jahre Zeit, um nach der Theorie auch die praktische Prüfung zu meistern.

Aber: "Fahrlehrer müssen sich vor der Prüfung davon überzeugen, dass die Kenntnisse noch vorhanden sind", ergänzt Dieter Quentin von der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände. Diese Verlängerung dieser Frist soll aber auch über ein anderes mögliches Problem hinweg helfen: Wenn die Teilnehmer das Geld für weitere Fahrstunden oder die Prüfungsgebühr vorerst nicht mehr aufbringen können, weil sie in Kurzarbeit oder gar arbeitslos durch Corona geworden sind, heißt es von der Bundesvereinigung.

Lernen nur in der Gemeinschaft

Wenn Frank Albrechts Fahrschüler auch ihre Theorie gerade hinter sich haben, läuft in anderen Fahrschulen noch diese Ausbildung oder beginnt neu. Das lässt die Frage aufkommen, ob das Wissen zur Fahrzeugtechnik und Straßenverkehrsordnung nicht als Fernunterricht vermittelt werden kann? Die Schulen praktizieren das auch seit Wochen. Aber dazu haben die Verbände eine klare Meinung: "Der nötige Lernerfolg ist maßgeblich von persönlicher Interaktion von Menschen abhängig. Der Präsenzunterricht ist ein enorm wichtiger Baustein der Sozialisierung junger Fahrer im Straßenverkehr", sagt Landesvorsitzender Andreas Grünewald.  

So befürchtet der Landesverband Sächsischer Fahrlehrer, dass das Eingrenzen der Sozialformen durch den Online-Unterricht auch methodische Eingrenzungen nach sich ziehen würde. Daher bleibt es beim Lernen in der Gemeinschaft, und das ist gegenwärtig untersagt. Was aber nicht heißen soll, dass die Fahrschüler keinen Kontakt mehr zu ihrem Ausbilder haben sollen. Der Landesverband empfiehlt dafür das Internet und das Telefon zu nutzen.

Zu wenige Fahrschullehrer

Mit der Corona-Krise verschärft sich für die Fahrlehrer noch ein weiteres Problem: Die Überalterung ihres Berufsstandes. Frank Albrecht sagt, dass er noch einen Fahrlehrer einstellen könnte, um alles zu bewältigen. "Aber es ist keiner zu bekommen." 80 Personen führt er in seinem System. 60 Fahrschüler schafft er im Jahr auszubilden. Jetzt kommt noch der Stillstand in der Ausbildung dazu, der irgendwann nachzuholen ist. Zugleich sind in den vergangenen Jahren einige Fahrlehrer in Rente gegangen, haben ihre Fahrschulen aufgegeben.     

Dass sich in den Fahrschulen ein Generationswechsel vollzieht, ist dem Landesverband bekannt. Auch dass sich nicht für jede Fahrschule ein Nachfolger findet. So wie bei Frank Albrecht. Er übernahm 2009 die Fahrschule Albrecht von seinem Vater Heinz. Er hatte sie 1990 gegründet. Deshalb sieht es der Landesverband als eine Aufgabe für alle Fahrlehrer,  genügend junge Leute für diesen Beruf zu begeistern. "Das hat eigentlich im vergangenen Jahr schon signifikant stattgefunden. Zumindest haben wir in Sachsen rund 120 neue Fahrlehreranwärter zu verzeichnen gehabt", sagt Andreas Grünewald. Somit besteht Hoffnung auch für Frank Albrecht, doch noch zu einem zweiten Fahrlehrer zu kommen.  

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