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Fast zwei Millionen Kunststoffröhrchen pro Tag

Die Firma HPF aus Crosta stellt Applikatoren für Tampons her. Die sollen bald auch bio sein.

Fast eine Million Einführhilfen für Tampons werden in der Spritzgusshalle bei HPF in Crosta täglich produziert. Verfahrensmechaniker Tobias Seidel bereitet die gefüllten Container für den Abtransport ins Großpostwitzer Ontex-Werk vor.
Fast eine Million Einführhilfen für Tampons werden in der Spritzgusshalle bei HPF in Crosta täglich produziert. Verfahrensmechaniker Tobias Seidel bereitet die gefüllten Container für den Abtransport ins Großpostwitzer Ontex-Werk vor. © SZ/Uwe Soeder

Großdubrau. Mit einem lauten Zischen gibt die mannshohe Spritzguss-Anlage den Blick auf 24 kleine, halbtransparente Kunststoffröhrchen frei. Wie von Geisterhand lösen die sich aus der Spritzgießform, wandern durch den Bauch der Maschine und purzeln gleich darauf über eine orangefarbene Rampe in einen großen Transportcontainer. Die nächste Ladung Röhrchen tut es ihnen gleich. So geht es weiter. Ohne Pause. 99 Transportboxen werden jeden Tag befüllt. Etwa 20.000 Röhrchen finden in jeder von ihnen Platz.

Ihr Weg führt weiter nach Großpostwitz ins Werk des Tamponherstellers Ontex. Dort werden jeweils zwei der Röhrchen ineinandergeschoben. So ergeben sie einen Applikator. Mit seiner Hilfe kann ein Tampon eingeführt werden ohne, dass die Benutzerin die Baumwolle berühren muss. Das macht die Monatshygiene keimfrei. Die Nachfrage danach ist enorm. Insbesondere in den USA, wo Tampons als medizinische Produkte gelten, erfreuen sich die Einführhilfen großer Beliebtheit. Die Folge: Ontex wächst. Und die Zulieferer des Unternehmens wollen mitziehen.

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Forschen für bessere Ökobilanz

Das gilt auch für den Werkzeugbauer und Kunststoffverarbeiter HPF aus dem Großdubrauer Ortsteil Crosta, dessen größter Kunde Ontex ist. Neben Spritzgussprodukten aus Kunststoff entwickelt und fertigt der Familienbetrieb, der in diesem Jahr sein 30-jähriges Jubiläum feiert, Werkzeuge zur Kunststoffverarbeitung.

Eine enge Zusammenarbeit mit Ontex gibt es auch im Bereich Forschung und Entwicklung: Um die Ökobilanz der Hygieneartikel zu verbessern und die gestiegene Nachfrage nach klimafreundlichen Produkten zu bedienen, setzen die Partner verstärkt auf die Herstellung von Tampons aus Bio-Fasern. Auf bis zu 30 Prozent soll deren Marktanteil steigen. Auch die Entwicklung nachwachsender, biologisch abbaubarer Kunststoffe hat in den vergangenen Jahren Fortschritte gemacht. Mittlerweile ist es möglich, umweltfreundliches Polyethylen, sogenanntes Green-PE, auf Zuckerrohrbasis zu produzieren und einzusetzen. HPF-Geschäftsführer Uwe Friedrich ist zuversichtlich, in absehbarer Zeit weitere Bio-Varianten des Tamponapplikators auf den Markt bringen zu können. „Noch sind die Material- und Rohstoffkosten für die Herstellung umweltfreundlicher Kunststoffe sehr hoch, aber der Markt ist extrem interessant“, erklärt er. In den vergangenen Jahren habe das Unternehmen sein Know-How gehörig ausbauen können. Nun sei die Zeit allmählich reif für Alternativen zu herkömmlichen Kunststoffen.

Als Tamponapplikatoren werden die Kunststoffröhrchen aus Großdubrau in die ganze Welt exportiert.
Als Tamponapplikatoren werden die Kunststoffröhrchen aus Großdubrau in die ganze Welt exportiert. © SZ/Uwe Soeder

Seit Firmengründer Hans-Peter Friedrich sich Ende 2019 in den Ruhestand verabschiedete und nur noch beratend tätig ist, führt sein Sohn Uwe Friedrich den 30-Mann-Betrieb allein. Nicht nur die steigende Nachfrage nach Öko-Kunststoffen stellen ihn und seine Mitarbeiter vor neue Herausforderungen: „Unsere Spritzgussfertigung produziert zu 90 Prozent für Ontex. Der Konzern plant, seine Produktionsmengen enorm zu steigern. Diesen Mehrbedarf müssen wir natürlich bedienen, um wettbewerbsfähig zu bleiben“, erklärt er.

Um den neuen Anforderungen gewachsen zu sein, begann Friedrich bereits vor drei Jahren, sein Unternehmen massiv zu erweitern. „2017 und 2018 haben wir eine neue Halle für unseren Werkzeugbau errichtet“, sagt er. Die Kapazitäten für den Werkzeugneubau und für Werkzeugreparaturen konnten so gesteigert werden. Die hier gebauten Spritzguss-Werkzeuge bedient HPF nicht nur im eigenen Haus, sondern liefert sie auch an externe Kunden aus den unterschiedlichsten Industriezweigen. Darüber hinaus tüfteln Friedrichs Angestellte derzeit an neuen Werkzeug-Konzepten. Sie sollen die Produktion noch effizienter machen. Die Spritzgussteile sollen dann schneller und in größerer Stückzahl produziert werden können.

Hallenneubau beginnt dieses Jahr

In einem weiteren geplanten Expansionsschritt will Uwe Friedrich den Spritzereibetrieb am Crostaer Standort ausbauen. Auf dem Firmengelände wird es dann eng, denn die neue Halle soll fast die dreifache Größe der jetzigen Spritzgussproduktion bekommen. Mit einer Investition von etwa zwei Millionen Euro plant der Geschäftsführer bislang. Starten sollen die Bauarbeiten noch in diesem Jahr. Bei all der Planung achtet der Chef auf gesundes Wachstum: „Schon mein Vater hat Wert darauf gelegt, nur Verpflichtungen einzugehen, die man am Ende auch bedienen kann“, sagt er.

Sorgen bereitet dem Firmeninhaber vor allem die Suche nach Fachpersonal. Mit dem Produktionsstandort muss zwingend auch die Anzahl der Beschäftigten wachsen: „Wenn ich neue Maschinen habe, aber niemanden, der diese bedient, habe ich gar nichts gekonnt“, sagt er. Neue Mitarbeiter wird er einstellen müssen, um den Bedarf zu decken – hauptsächlich Verfahrensmechaniker für Kunststoff und Kautschuk. Um Personalproblemen künftig aus dem Weg zu gehen, würde Friedrich am liebsten den eigenen Nachwuchs schon bald selbst ausbilden. Bislang ging das nicht. Der Grund auch hier: Personalmangel.

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