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Corona macht erfinderisch: Fechten allein zu Haus

Geht nicht, gibt es für ihn nicht. Robert Peche sorgt dafür, dass eine Randsportart in Zeiten der Krise ganz weit vorne ist.

Not macht erfinderisch, wobei es Robert Peche noch nie an Ideen mangelte. Der Fechttrainer gibt jetzt eben auch Online-Kurse.
Not macht erfinderisch, wobei es Robert Peche noch nie an Ideen mangelte. Der Fechttrainer gibt jetzt eben auch Online-Kurse. © Thomas Kretschel

Dresden. Die Hallen sind geschlossen und alle Sportler zu Hause. Trotz der ersten Lockerungen, die auch den Sport betreffen, wäre Training ja dennoch nur maximal in Kleingruppen möglich – unter strengen Auflagen wie dem Kontaktverbot. Auch fürs Fechten ist und bleibt das ein Problem. „Unsere Sportart basiert darauf, dass zwei Athleten sich messen, wir brauchen grundlegend Gegner“, sagt Robert Peche, der sportliche Leiter im Fechtclub Radebeul.

200 Mitglieder hat der Verein – und eine Idee. Abfinden mit der Krise mag sich Peche jedenfalls nicht. Animiert von Leipzigs Bundesliga-Handballern des SC DHfK und auch den Basketballern von Alba Berlin, die während der Corona-Zeit regelmäßig neue Trainingseinheiten für Kinder im Internet präsentieren, dreht auch er nun kleines Videos. Mit dem Handy, „weil wir festgestellt haben, dass wir technisch nicht so gut ausgestattet sind, doch es zurzeit sechs bis acht Wochen Lieferzeit für eine Webcam gibt“, sagt Peche.

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Not macht eben auch erfinderisch.

Peche, zudem Inhaber der Artos-Fechtschule in Dresden, erstellt inzwischen Pläne fürs individuelle Training, trägt ausgewählte Youtubefilme zu einer Liste zusammen und schickt den Sportlern die Übungsanleitungen kurzerhand per Mail.

Auch jetzt gilt: den inneren Schweinhund überwinden

Doch etwas fehlt: Feedback, Gemeinschaft, Kommunikation. Also gründet er bei Whatsapp die Gruppe „Training allein zu Hause“. Da zeigen Mitglieder ihren Alltag im Garten, Hof oder in der Wohnung auf Fotos und in Videos, teilen zudem Tipps zum Bau von Hindernisstrecken oder Stoßkissen an Bäumen und Zäunen. „Irgendwo geht sportlich immer was“, meint Peche. Er spricht fast schon von einem Überangebot an Möglichkeiten, diese umsetzen müsse aber jeder selbst. „Es kommt darauf an, den inneren Schweinehund davon zu überzeugen, jetzt zu trainieren.“

Auch dabei hilft die Technik: mit Programmen wie Zoom, die für Videokonferenzen entwickelt wurde und in diesen Tagen vor allem im Homeoffice genutzt wird. „Das eignet sich besonders gut für uns“, sagt Peche, denn damit lassen sich gemeinsame Trainingsgruppen bilden. 

Der Blick in die USA macht deutlich, was alles geht

Zwar sitzt jeder allein bei sich zu Hause, aber virtuell sind alle zusammen bei Athletikeinheiten sowie auch Theorie und Video-Analyse. „Diese beiden Punkte vernachlässigen wir sehr häufig im Präsenztraining“, sagt Peche, und er ist selbst überrascht, wie gut das bei seinen Fechtern ankommt: „Wir haben aufgrund der sozialen Isolation und Kontaktsperre enormen Redebedarf.“

Beispielgebend ist zudem der Blick in die USA, wo Fechten allein auf kommerzieller Basis funktioniert. Die Klubs verdienen nur dann Geld, wenn sie Training anbieten. Und das geht auch dort derzeit nur online. „Sie präsentieren Beinarbeit, Kraftprogramme, Psychologie-Seminare zur Konzentration im Wettkampf sowie Stoßtechniken und schalten bekannte Fechter aus Italien dazu. Da können wir viel lernen und ziemlich schnell ziemlich viel machen“, erzählt Peche, und er hat natürlich auch daraus eine Idee entwickelt.

TU Dresden mit einem riesigen digitalen Angebot

In Zusammenarbeit mit dem Universitätssportzentrum der TU Dresden gibt es jetzt einen digitalen Anfängerkurs. 30 Studierende machen auf Anhieb mit. „Im Fechten habe ich so etwas noch nicht gesehen“, sagt Peche und spricht von einer Deutschlandpremiere. Andere Sportarten sind da schon weiter, auch in Dresden. Die Uni bietet derzeit insgesamt 150 Online-Live-Kurse mit 33.500 Plätzen an, es ist laut TU Dresden das größte virtuelle Angebot im deutschen Hochschulsport.

Peche hat sich längst arrangiert mit der nicht mehr ganz neuen, aber immer noch ungewohnten Situation. Ein- bis zweimal pro Woche schaltet er sich online mit Kollegen anderer Vereine zusammen. „Wir machen Video-Analyse, tauschen Ideen aus und versuchen uns weiterzubilden“, sagt Peche und erzählt von den Angeboten anderer Fechter.

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Offen bleibt, wie lange das Training im Krisenmodus noch dauert. Peche jedenfalls freut sich schon wieder auf die echten Duelle. Dank des Schutzes durch Ganzkörperanzüge, Handschuhe und Masken sieht er seine Sportart dafür gerüstet.

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