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Festung geht für Großkonzert auf Abstand

Am 15. August spielt Gerhard Gundermanns Band "Seilschaft" auf dem Königstein - vor nur 550 Gästen. Die dürfen nicht tanzen und müssen oft Maske tragen.

Konzert mit Aussicht und strengen Regeln: Gerhard Gundermanns Band "Seilschaft" spielt auf dem Königstein.
Konzert mit Aussicht und strengen Regeln: Gerhard Gundermanns Band "Seilschaft" spielt auf dem Königstein. © Foto: Procopter

Laut, rockig und eng: So geht es normalerweise bei Open-Air-Konzerten zu. Auch auf der Festung Königstein. Dieses Jahr waren insgesamt fünf Konzerte geplant, unter anderem mit "Schiller". Wegen der Corona-Pandemie mussten jedoch alle Termine gestrichen werden. Fast alle.

Denn an diesem Wochenende macht die Festung eine Ausnahme. Am 15. August wird Gerhard Gundermanns Band "Die Seilschaft" auf dem Königstein auftreten. Es ist das einzige Großkonzert, das in der Sächsischen Schweiz in diesem Sommer über die Bühne geht - trotz Corona. "Wir wollen damit ein Zeichen in der Kulturlandschaft setzen", sagt Peggy Schindler von der Agentur Neuland Zeitreisen, die den Gundermann-Abend veranstaltet. Entsprechend streng sind die Vorschriften und das inzwischen genehmigte  Hygienekonzept.

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Am kommenden Wochenenden wird an den Kasematten auf der Festung Königstein das Open-air-Konzert stattfinden. Derzeit laufen die Vorbereitungen, auch wenn die Zugänge zu den Kasematten für Besucher versperrt sind.
Am kommenden Wochenenden wird an den Kasematten auf der Festung Königstein das Open-air-Konzert stattfinden. Derzeit laufen die Vorbereitungen, auch wenn die Zugänge zu den Kasematten für Besucher versperrt sind. © Daniel Schäfer

Statt bis zu 1.500 Besucher - wie bei anderen Konzerten auf der Festung Königstein - sind an diesem Sonnabend nur 550 Personen zugelassen. Das sind zwei Drittel weniger als sonst. Schon beim Einlass beginnt das strenge Reglement, unter dem das Konzert überhaupt erst genehmigt wurde. Die Besucher müssen ihre Kontaktdaten hinterlassen. Bei Gruppen mit bis zu zehn Personen genügt ein Ansprechpartner. Je kleiner die Gruppe, desto mehr Adressen müssen festgehalten werden. Anschließend geht es für die Besucher mit dem Aufzug aufs Festungsplateau. Adressen notieren, den Fahrstuhl nicht überladen: "Das kostet Zeit und vor allem Personal", sagt Schindler. Der Einlass wurde deshalb um eine Stunde vorgezogen, auf 18.15 Uhr. Knapp zwei Stunden später, 20 Uhr, beginnt das Programm.

"Um die Abstandsregeln einzuhalten, wird es ein Sitzplatzkonzert", sagt Schindler. Jedem Gast wird am Einlass ein fester Platz zugewiesen. Zwischendurch gewechselt werden darf der Sitz nicht. Aufstehen, Tanzen, Party feiern: Das alles soll durch die Bestuhlung verhindert werden. Auf dem gesamten Gelände gilt zudem Maskenpflicht. Das heißt beim Gang zur Bar oder zur Toilette muss ein Mund-Nasen-Schutz aufgesetzt werden. Lediglich am Sitzplatz dürfen die Masken weg. "Wir gehen davon aus, dass sich alle Besucher an die Spielregeln halten und sich nicht die gute Stimmung verderben lassen", sagt Peggy Schindler.

Für die sorgt nicht nur die Band von Liedermacher Gerhard Gundermann, dem singenden Baggerfahrer aus der Lausitz, der 1998 mit gerade einmal 43 Jahren starb. Bevor die Musiker auf die Bühne kommen, wird der gleichnamige Film gezeigt, der 2018 mehrere Preise einheimste. "Gundermann" mit Alexander Scheer in der Hauptrolle ist ein Liebes- und Musikfilm, der auch von Schuld und Verstrickung handelt. 

Alexander Scheer als Gerhard Gundermann im gleichnamigen Film.
Alexander Scheer als Gerhard Gundermann im gleichnamigen Film. © Peter Hartwig / Pandora Film

Gundermanns Lieder leben danach beim Konzert mit der "Seilschaft" wieder auf. Die Band steht erst seit 2008 wieder auf der Bühne, anlässlich des zehnten Todestages von Gerhard Gundermann. Seitdem ging sie regelmäßig auf Tournee - unter anderem mit Bob Dylan und Joan Baez. Jetzt folgt der nächste Auftritt auf der Festung Königstein.

Besucher haben Eigenverantwortung

Dass der Gundermann-Abend überhaupt stattfinden kann, dafür hat die Agentur Neuland Zeitreisen lange gekämpft. "Die Menschen sehnen sich wieder nach Kultur. Wir wollen einfach zeigen, dass die Eventbranche nicht tot ist", sagt Peggy Schindler. Das Konzert sei schnell ausverkauft gewesen. Noch immer gäbe es Anfragen nach Tickets. Fast im Minutentakt klingelt derzeit das Telefon. "Die Leute wollen wissen, ob der Abend überhaupt stattfindet und worauf sie achten müssen", erklärt die Eventmanagerin. Sie hofft, dass das Risiko einer Ansteckung durch das strenge Hygienekonzept verschwindend gering ist - und sich alle Gäste daran halten. Denn personell gäbe es kaum Kapazitäten, um auf dem Gelände "Polizei" zu spielen. Jeder habe eine Eigenverantwortung. 

"Bei nur einem Drittel Publikum ist die Veranstaltung für uns wirtschaftlich kaum darstellbar", sagt Peggy Schindler. Im Vorfeld habe man mit allen Subunternehmern nachverhandelt, um den Preis insgesamt zu drücken. "Dabei hat jeder in der Kulturszene durch die Corona-Krise enorm zu kämpfen", schildert sie. Fast alle Aufträge seien seit März weggebrochen: für Musiker, Veranstalter oder Caterer. 

Festungsweihnachtsmarkt auf der Kippe

Unklar sei im Moment auch, ob die Agentur Neuland wegen Corona den Historischen Weihnachtsmarkt auf der Festung Königstein veranstalten darf. Auch dafür muss ein genehmigungspflichtiges Hygienekonzept gestrickt werden. Abstimmungen dazu würden noch laufen. Eine finale Entscheidung stehe aber noch aus. 

Absoluter Besuchermagnet: Der historisch-romantische Weihnachtsmarkt auf der Festung Königstein.
Absoluter Besuchermagnet: Der historisch-romantische Weihnachtsmarkt auf der Festung Königstein. © Marko Förster

Der Festungs-Weihnachtsmarkt gehört zu den Höhepunkten im Veranstaltungskalender. Rund 54.000 Besucher strömten allein im vergangenen Jahr an den vier Adventswochenenden auf den Königstein. 

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