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Feuerwehr übt neue Strategien 

Unter Anleitung von internationalen Spezialisten setzen die Kameraden gezielt ein Feldstück in Brockwitz in Brand.

Die Feuerwehren aus Coswig und die Cossebaude üben auf einem Feld bei Neusörnewitz gemeinsam das Bekämpfen eines Feldbrandes. Dabei bekommen sie fachkundige Unterstützung von Spezialisten des Vereins @fire.
Die Feuerwehren aus Coswig und die Cossebaude üben auf einem Feld bei Neusörnewitz gemeinsam das Bekämpfen eines Feldbrandes. Dabei bekommen sie fachkundige Unterstützung von Spezialisten des Vereins @fire. ©  Norbert Millauer

Coswig. Am Prasseweg  stand am Sonnabend ein Stoppelfeld auf einmal lichterloh in Flammen. Dunkle Rauchschwaden stiegen um kurz nach 13 Uhr in den Himmel. Die Feuerwehr musste trotzdem niemand rufen. Denn die war schon da und hatte das Feld sogar selbst in Brand gesetzt – zu Übungszwecken.

„Zusammen mit der Feuerwehr Cossebaude üben wir hier auf dem Feldstück neue Methoden ein, wie sich solche Brände wirksam bekämpfen lassen“, erklärte der erste stellvertretende Wehrleiter für Einsätze, Sven Kunath. Coswig beteiligte sich mit sieben und Cossebaude mit zwölf Kameraden an dem Lehrgang. „Es werden heute nicht alle unsere Feuerwehrleute ausgebildet. Diejenigen, die teilnehmen, dienen später als Multiplikatoren und geben ihr Wissen an die anderen weiter“, sagte Gruppenführer Philip Junkersdorf von der Feuerwehr Cossebaude. 

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Auf Interesse dürfte dies stoßen, handelte es sich doch für beide Feuerwehren um den ersten Lehrgang dieser Art. Die Initiative dafür ging von Cossebaude aus, während der Coswiger Kamerad Matthias Grosser, der hauptberuflich Landwirt ist, seinen Acker zur Verfügung stellte.


Die Feuerwehrleute legen eine Schneise an, um den Brand zu stoppen.
Die Feuerwehrleute legen eine Schneise an, um den Brand zu stoppen. © Norbert Millauer

„Wir haben gemerkt, dass das Thema immer wichtiger wird. Obwohl wir selbst noch keinen Feldbrand hatten, nehmen sie auf jeden Fall zu.“ Die aktuelle Trockenheit und die hohen Temperaturen seien ideal, um die Bedingungen bei einem solchen Einsatz zu simulieren“, sagte Sven Kunath. Um von den Besten zu lernen, hatten sich die Feuerwehrleute die internationalen Experten Thorsten Sprenger und Robin Lausecker von dem gemeinnützigen Verein „@fire“ eingeladen.

Erst fand in Cossebaude die Theorieschulung statt, bevor in Coswig das Gelernte ausprobiert wurde. Mit Schippen und Hacken mussten die Kameraden zu Beginn eine Schneise in das bereits abgeerntete Feld schlagen. Anschließend zündeten die zwei Männer von „@fire“ ein kleines Feldstück an. Interessant war dabei, dass sich just in diesem Moment der Wind drehte und das Feuer zunächst in die eine und dann in eine andere Richtung bewegte. An der Schneise stoppte es aber wie geplant.

horsten Sprenger (rechts) und Robin Lausecker unterstützten die Feuerwehrleute.
horsten Sprenger (rechts) und Robin Lausecker unterstützten die Feuerwehrleute. ©  Norbert Millauer

Für die Schulung war das ein Glücksfall, schließlich stand das Prinzip der mobilen Brandbekämpfung im Vordergrund, das genau in solchen Momenten Anwendung findet. „Ganz am Anfang müssen sich die Feuerwehrleute einen festen Ankerpunkt suchen. Von dort aus darf sich das Feuer nicht weiter ausbreiten. Anschließend kommen sie von rechts und links über die Flanken und dämmen es ein“, erklärte Thorsten Sprenger.

Verschiedene Maßnahmen greifen dabei ineinander. Einerseits ersticken die Feuerwehrleute das Feuer mit einer sogenannten Feuerpatsche, die wie ein Laubbesen aussieht. Sollten die Flammen schon zu hoch sein, kommt ein weiterer Kamerad mit einem Wasser- bzw. Löschrucksack ins Spiel. Er versucht, die Flammen auf Hüfthöhe zu reduzieren, damit die Feuerpatsche wieder benutzt werden kann.

Aus sicherer Entfernung fährt zur Unterstützung gleichzeitig ein Löschfahrzeug in Schrittgeschwindigkeit an der Brandstelle entlang und wendet das „Pump-and-Roll-Verfahren“ an. „Das funktioniert mit einem dünnen Schlauch, der während der Fahrt entrollt wird und so fürs mobile Löschen eingesetzt werden kann“, sagte Sven Kunath. Obwohl dort nicht so viel Wasser durchgeht, wie durch einen regulären Schlauch, kann dieses Verfahren gerade in Situationen, bei denen sich die Bedingungen schnell ändern, die bessere Strategie sein.

Der Verein „@fire“ beschäftigt sich intensiv mit solchen Szenarien und war unter anderem bereits bei Waldbränden in Portugal und den USA im Einsatz. Um die Übung abzusichern, war die Feuerwehr Cossebaude mit einem 1 600 Liter fassenden Löschgruppenfahrzeug vor Ort. Hinzu kamen ein Coswiger Tanklöschfahrzeug und ein Löschgruppenfahrzeug mit 2 400 und 800 Liter Wasser. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass alle Stränge reißen, hatte Landwirt Matthias Grosser zudem einen 6 000-Liter-Wassertank auf seinem Feld aufgestellt.

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