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Flatrate-Wohnen bei der Seeg

In einem Neubau will die Seeg selbst Strom und Wärme erzeugen. Die dezentrale Lösung ist ein Beitrag zum Klimaschutz.

Seeg-Geschäftsführerin Birgit Richter kündigt an, dass das städtische Wohnungsunternehmen nach den Neubauten der jüngsten Zeit in Zukunft wieder verstärkt im Bestand sanieren will.
Seeg-Geschäftsführerin Birgit Richter kündigt an, dass das städtische Wohnungsunternehmen nach den Neubauten der jüngsten Zeit in Zukunft wieder verstärkt im Bestand sanieren will. © Claudia Hübschmann

Meißen. Spätestens seit den Fridays-for-Future-Demonstrationen stehen die Themen Umwelt- und Klimaschutz ganz oben auf der Agenda. Weil dabei auch der Wohnungsbau eine maßgebliche Rolle spielt, möchte jetzt auch Meißens städtische Wohnungsgesellschaft Seeg ihren Beitrag leisten. Wie Seeg-Chefin Birgit Richter auf SZ-Anfrage verriet, soll am Albert-Mücke-Ring ein teilenergieautarkes Gebäude mit 20 Wohnungen entstehen.

„Das ist ein Pilotprojekt für den Klimaschutz. Der Freistaat fördert es mit 200 000 Euro“, sagt Richter und erläutert, wie Wärme und Strom für das Gebäude gewonnen werden sollen. „Zum einen werden wir den Viergeschosser auf der Südseite mit Photovoltaikanlagen ausstatten. Aus diesem Grund muss er auch genügend Abstand zu den bestehenden Gebäuden haben, damit auch im Winter noch Sonne drauf fällt.“ 

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Ergänzt werde das System durch Erdwärme, um das Wohnhaus zu beheizen. „Entsprechende Probebohrungen haben wir bereits in der Nassau durchgeführt und wissen daher, dass es an diesem Standort funktioniert“, so Richter, die eine Fertigstellung der Wohnungen für Ende nächsten Jahres plant.

Zusätzlich zur weitestgehenden Unabhängigkeit von äußeren Wärme- und Stromlieferanten soll es in dem Wohnkomplex noch eine andere Besonderheit geben: die Flatrate-Miete. In dieser sind neben den eigentlichen Mietkosten die kompletten Strom- und Wärmekosten enthalten. Abgerechnet werden die kalten Betriebskosten einschließlich Wasser. 

„So etwas ist nicht vollkommen neu. Das gibt es beispielsweise auch in Cottbus oder in den alten Bundesländern.“ Grundsätzlich gehe man diesen Weg, weil man nicht nur Vermieter, sondern Dienstleister sei. Die Mieter hätten den Vorteil von planbaren Nebenkosten über einen längeren Zeitraum mit weniger Verwaltungsaufwand.

„Eine gewisse Deckelung wird es aber geben, weil wir ja darauf reagieren müssen, wenn jemand überdurchschnittlich viel verbraucht“, so die Seeg-Chefin. Abgesehen davon sollen die zwölf Vierraum-, vier Dreiraum- und vier Zweiraumwohnungen unterm Strich dennoch einen attraktiven Mietpreis haben. „Durch die Förderung können wir sie zwei Euro pro Quadratmeter günstiger anbieten als bei anderen Neubauten“, sagt Richter.

Seeg im Überblick

Die Seeg wurde 1994 als städtische Wohnungsgesellschaft gegründet. Sie gehört zu 100 Prozent der Stadt.

Von den 8 900 Wohneinheiten, die die Stadt Meißen 1991 besaß, wurden bis zur Gründung der Seeg etwa 2 650 privatisiert.

Heute umfasst der Bestand der Seeg reichlich 2500 Wohnungen, 65 Gewerbeeinheiten und 1150 Garagen- und Pkw-Stellplätze.

Quelle: Archiv und www.seeg-meissen.de

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Betrachtet man den aktuellen Markt, werden sich die Kaltmieten somit voraussichtlich um die sieben oder acht Euro pro Quadratmeter bewegen. Innerhalb der Seeg würden sie damit bereits zu den teureren gehören. Denn obwohl es immer mal wieder Kritik gibt, möchte Birgit Richter klarstellen: „Mehr als 70 Prozent unserer 2500 Wohnungen sind günstig.“ Konkret bedeute dies, dass fast 14 Prozent der Mieter eine Kaltmiete von unter fünf Euro und 18 Prozent über sechs Euro bezahlten. Alle anderen haben laut Seeg im Schnitt Kaltmieten von unter 5,50 pro Quadratmeter.

In der Diskussion, ob Meißen wieder einen Mietspiegel benötigt, nimmt Birgit Richter daher eine klare Position ein: „Meiner Meinung nach brauchen wir keinen Mietspiegel. Für Bestandsmieter ist das besser. Denn mit einem Mietspiegel hätten es die Vermieter leichter als bisher, die Miete zu erhöhen. Einen Vergleich mit einer ähnlichen Wohnung müssten sie nicht mehr erbringen, um die Erhöhung durchzubekommen.“

Die Seeg selbst habe im Bestand seit drei Jahren die Miete nicht erhöht. Dennoch müsse man natürlich auch bei der Neuvermietung auf veränderte Rahmenbedingungen reagieren. So hätten die Kosten für Handwerker und die Instandhaltung der Gebäude zugenommen. Außerdem habe es auch bei den Seeg-Mitarbeitern Lohnsteigerungen gegeben.

„Insgesamt machen wir aber keinen großen Gewinn“, sagt Birgit Richter, die es deshalb auch für vertretbar hält, bei den jüngsten Bauprojekten unter anderem höherwertigeren und somit teureren Wohnraum mit Quadratmeterpreisen um die 10 Euro zu schaffen. „Das ist anderthalb Prozent unseres Bestandes. Die entsprechende Nachfrage war da, weshalb wir darauf reagiert haben.“

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Hinzu kommt ein weiterer Grund: „Wir müssen auf die Demografie reagieren, um den Mieterbestand zu stabilisieren.“ Einen positiven Zuzugssaldo von 50 bis 60 Mietern von außerhalb Meißens brauche man daher jährlich, so Richter. Mit den bereits auf den Weg gebrachten Projekten und insgesamt 35 neuen Wohnungen soll das gelingen: Denn die Zeit des Neubaus ist befristet. „Wir treten bald in die zweite Sanierungswelle ein. Viele Fassaden und Dächer sind 20 oder 30 Jahre alt. Die müssen in Kürze Stück für Stück instandgesetzt werden“, sagt die Seeg-Chefin.

Auf diesem Grundstück am Albert-Mücke-Ring entsteht das moderne neue Seeg-Gebäude. Wärme und Strom werden gleich vor Ort erzeugt. 
Auf diesem Grundstück am Albert-Mücke-Ring entsteht das moderne neue Seeg-Gebäude. Wärme und Strom werden gleich vor Ort erzeugt.  © Claudia Hübschmann

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