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Cristian Fiel: "Ich leide natürlich mit Dynamo"

Vor gut sieben Monaten musste er bei der SGD als Trainer gehen. Nun sagt der 40-Jährige bei Sky, wie er über Dynamos Lage denkt und wie es für ihn weitergehen soll.

Cristian Fiel hat Dynamo als Cheftrainer in einer schwierigen Situation zum Klassenerhalt in der zweiten Liga geführt. Danach ist allerdings einiges schiefgelaufen.
Cristian Fiel hat Dynamo als Cheftrainer in einer schwierigen Situation zum Klassenerhalt in der zweiten Liga geführt. Danach ist allerdings einiges schiefgelaufen. © Lutz Hentschel

Dresden. Die Trennung erfolgte einvernehmlich. So stand es über der Pressemitteilung, die Dynamo Dresden am 2. Dezember 2019 verschickte: SGD und Cheftrainer beenden die Zusammenarbeit. Knapp zehn Monate war Cristian Fiel im Amt, hatte die Mannschaft in der vorigen Saison zum Klassenerhalt in der 2. Bundesliga geführt, was alles andere als selbstverständlich war angesichts der Situation, in der er sie am 28. Februar 2019 übernommen hatte.

Doch im Sommer muss einiges schiefgelaufen sein, haben Chefcoach und Sportgeschäftsführer Ralf Minge, der Fiel als sein Trainer-Projekt betrachtete, die Qualität des Kaders offenbar falsch eingeschätzt und die Mannschaft unzureichend zusammengestellt. Die Spielidee, die Fiel verfolgte, ließ sich nicht umsetzen, zumindest nicht erfolgreich genug. Nach einer guten Phase im Spätsommer, als Dynamo fünfmal in Folge ungeschlagen blieb, folgte mit der 1:4-Niederlage bei Erzgebirge Aue der Absturz.

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Fans trauen dem Publikumsliebling die Wende nicht zu

Bis die Dresdner nach dem 1:2 zu Hause gegen Holstein Kiel auf den letzten Tabellenplatz rutschten und selbst die Fans ihrem "Fußballgott" Fiel die Wende zum Besseren nicht mehr zutrauten. "Wir haben die Zusammenarbeit heute einvernehmlich beendet, weil wir zu dem gemeinsamen Entschluss gekommen sind, dass die Mannschaft dringend einen neuen Impuls braucht, um den Klassenerhalt noch zu erreichen", sagte Minge damals zu der Trennung und den Gründen. Nach einem Spiel unter Heiko Scholz als Interimscoach übernahm mit Markus Kauczinski der nächste Trainer, in der Winterpause verpflichtete Dynamo sechs Spieler auf Leihbasis als Verstärkung.

Noch einmal Hoffnung: Nach dem 1:0-Sieg im Heimspiel gegen Wehen Wiesbaden am 8. November 2019 schien Cristian Fiel mit Dynamo doch noch die Kurve zu bekommen. Doch es folgten zwei Niederlagen: unglücklich beim Hamburger SV, verdient zu Hause gegen Holste
Noch einmal Hoffnung: Nach dem 1:0-Sieg im Heimspiel gegen Wehen Wiesbaden am 8. November 2019 schien Cristian Fiel mit Dynamo doch noch die Kurve zu bekommen. Doch es folgten zwei Niederlagen: unglücklich beim Hamburger SV, verdient zu Hause gegen Holste ©  dpa/Robert Michael

Trotzdem stehen die Schwarz-Gelben 15 Spieltage später nach wie vor am Tabellenende der 2. Bundesliga. Jetzt hat sich Fiel zum ersten Mal seit seinem Abschied geäußert. Am Sonntag analysierte er als Experte beim Fernsehsender Sky die Spiele, die aus Sicht seines Ex-Vereins alles andere als gut gelaufen sind: Mit dem Karlsruher SC, der das baden-württembergische Derby gegen den VfB Stuttgart gewann, sowie dem FC St. Pauli, der gegen Aue erfolgreich war, holten zwei direkte Mitkonkurrenten im Abstiegskampf drei Punkte.

Auch von Aue gab es also keine Schützenhilfe für Dynamo, was für Fiel erklärbar ist: "Es ist einfach so, das kann man nicht wegdiskutieren: Wenn du diese Punktemarke erreicht hast, die dich dazu berechtigt, auch in der nächsten Saison in der zweiten Liga zu spielen, machst du vielleicht den einen Schritt weniger." Aue hatte bereits vorher 41 Zähler und den Klassenverbleib sicher.

Klassenerhalt mit Siegen in Aue und gegen Köln

„Ich leide natürlich mit meinen Dynamos, das steht außer Frage“, bekannte der 40-Jährige als TV-Experte. „Natürlich müssen sie sich Sorgen machen, aber auch die Möglichkeit sehen, dass sie es noch schaffen können“, meinte Fiel. Allerdings brauchen die Dresdner jetzt selbst überraschende Ergebnisse - beispielsweise heute Abend ab 20.30 Uhr bei Arminia Bielefeld (sächsische.de berichtet im Liveticker). Dort gibt es ein Wiedersehen mit einem anderen Ex-Trainer: Uwe Neuhaus.

Nachdem sich Dynamo im August 2018 von ihm getrennt hatte, übernahm Fiel bereits interimsmäßig die Profis für gut zwei Wochen, bevor Minge mit Maik Walpurgis seinen Wunschkandidaten präsentierte. Doch mit dem nächsten Trainer verlor die Mannschaft nicht nur Spiele, sondern jegliche Leidenschaft. Die sollte Fiel ihr wiedergeben, als er direkt nach seiner letzten Prüfung zum Fußballlehrer von der U17 endgültig zu den Profis aufrückte - ausgestattet mit einem Vertrag bis 2021.

Sportgeschäftsführer Ralf Minge (l.) hat Cristian Fiel nach dessen Karriere als Profi-Fußballer den Einstieg als Coach im Nachwuchs von Dynamo sowie die Ausbildung ermöglicht. Zwischenzeitlich knüpfte er auch seine Zukunft im Verein an sein Trainerprojekt
Sportgeschäftsführer Ralf Minge (l.) hat Cristian Fiel nach dessen Karriere als Profi-Fußballer den Einstieg als Coach im Nachwuchs von Dynamo sowie die Ausbildung ermöglicht. Zwischenzeitlich knüpfte er auch seine Zukunft im Verein an sein Trainerprojekt © Ronald Bonß

In den verbleibenden elf Spielen gelangen je vier Siege - darunter in Aue mit 3:1 und spektakulär mit 3:0 gegen den späteren Aufsteiger 1. FC Köln - und Unentschieden, auf Platz zwölf mit 42 Punkten schloss Dynamo die Saison im sicheren Mittelfeld der Tabelle ab.

Für die nun laufende Spielzeit konnte Fiel seine Ideen für Personal und Taktik einbringen, sein Plan ging jedoch nicht auf. "Ich wünsche der Mannschaft, den Fans und dem gesamten Verein von Herzen, dass der Klassenerhalt in dieser Saison erreicht wird", sagte er zum Abschied. "Ich bin als Spieler und Trainer fast zehn Jahre in diesem besonderen Verein und hatte eine wundervolle Zeit, die mir sehr viel bedeutet. Ich bin vielen Menschen unheimlich dankbar, die mich in all der Zeit unterstützt und mir viel Zuneigung entgegengebracht haben. Danke, Dynamo!“

"Die Lust und die Power sind zurückgekommen"

„Fielo“ war im August 2010 mit wenig Lust auf die 3. Liga nach Dresden gekommen, hatte sich aber schnell mit dem Verein und seiner Rolle identifiziert. Er war ein Schlüsselspieler beim Aufstieg 2011 und am zweimaligen Klassenerhalt danach entscheidend beteiligt. Nach dem Abstieg 2014 ließ er sich für den Neustart überzeugen und beendete seine Karriere als Profi-Fußballer nach insgesamt 118 Pflichtspielen für die SGD.

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Dynamo war auch seine erste Station als Trainer - und bislang die letzte. Das soll natürlich nicht so bleiben. Es habe "schon eine Zeit gedauert, das zu verdauen", sagt er jetzt bei Sky über die Trennung im Dezember. "Man fängt an zu reflektieren: Was war gut und was nicht?“ Inzwischen ist er wieder bereit, eine neue Aufgabe zu übernehmen. „Die Lust und die Power sind wieder zurückgekommen“, erklärt der Sohn spanischer Einwanderer, der in der Nähe von Stuttgart aufgewachsen und dort bei den Kickers zum Profi geworden ist. Er sei "Schwabe durch und durch", meint Fiel.

Wann und wo er wieder als Trainer arbeitet, „das entscheiden auch andere“. Sein Auftritt bei Sky ist zumindest ein Zeichen: Ich bin wieder da.

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