merken
PLUS

Görlitz

Görlitz hilft bei Rätsel um Berzdorfs Chronik

Schönaus Heimatverein sucht Spender, um die Annalen des einstigen Ortes zu kaufen. Dabei gibt es in Görlitz ein Exemplar.

Karin Stichel blättert in der Oberlausitzischen Bibliothek der Wissenschaften in der vorhandenen Berzdorfer Chronik.
Karin Stichel blättert in der Oberlausitzischen Bibliothek der Wissenschaften in der vorhandenen Berzdorfer Chronik. © Nikolai Schmidt

Einige Verwirrung hat die Suche des Schönauer Heimatvereins nach Spendern für die Berzdorfer Chronik gestiftet. So klingelte in der Oberlausitzischen Bibliothek der Wissenschaften das Telefon von Bibliothekarin Karin Stichel: „Eine Leserin fragte ziemlich aufgeregt nach, ob die sogenannte Krische-Chronik bei uns denn nicht mehr vorhanden wäre“, erzählt Frau Stichel.

Sie konnte die Leserin beruhigen – die Berzdorfer Chronik, die einst der Oberlausitzischen Gesellschaft geschenkt und in den 1980er Jahren in den Bestand eingearbeitet worden war, befindet sich natürlich nach wie vor im sicheren Magazin der Bibliothek in Görlitz.

Anzeige
Starkes Team sucht neue Kollegen

SKAN in Hagenwerder bei Görlitz sucht neue Mitarbeiter. Werden Sie Teil eines starken Teams!

Was wollen die Schönauer dann aber für 3 000 Euro kaufen? Ist das vielleicht eine Fälschung oder nur eine Kopie? „Nein, die Chronik, die wir erwerben wollen, besteht aus mindestens drei Bänden und ist mit den Originaldokumenten und Siegeln bestückt“, erklärt Heinz-Hennig Obenland, der die Aktion angestoßen hat. Er hat die gesuchte Krische-Chronik, die nun im Nachlass eines Sammlers in Hamburg ist, bereits vor Jahren einmal in der Hand gehabt und anschauen können. Das Görlitzer Exemplar könnte eher eine Abschrift sein, vermutet Obenland, der aber auch eingesteht, dass er dieses Buch noch nicht genau gesehen hat.

Prächtig ist aber auch sie – und groß. Der Umfang an Seiten scheint aber derselbe zu sein. „Das haben wir ganz oft auch bei alten Drucken, wo mancher Druck in einem Band zusammengebunden, manche in zwei oder mehr Einheiten gebunden wurden“, erklärt Bibliothekarin Stichel.

Dass es deswegen keinesfalls vergebene Liebesmüh ist, die Berzdorfer Chronik nun aus dem Nachlass zu erstehen, darin sind sich übrigens sowohl Heinz-Henning Obenland als auch Karin Stichel einig: „Dann könnte man auch gut vergleichen, wo es Unterschiede gibt oder wo welche Dokumente enthalten sind“, sagt die Bibliothekarin. Ernst Krische genoss ohnehin ein hohes Ansehen unter den Heimatforschern und war Nutzer der Oberlausitzischen Bibliothek. In einem Nachruf der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften – bei der er selbst gar nicht Mitglied war – rühmt man seine Arbeit: „Seine liebevolle, genaue und hervorragende Chronik von Berzdorf (in Handschrift) hat er der Gesellschaft letztwillig vermacht. Ein rechter, echter Bauersmann, der treu an der Oberlausitzer Scholle und Eigenart und an seinem Königshaus in Dresden hing.“

Auch deshalb will Heinz-Henning Obenland auf alle Fälle – wenn das Krische-Werk tatsächlich gekauft werden kann – beide Chroniken vergleichen. Eine erste wichtige Etappe ist dabei schon geschafft: „Wir haben nach der Veröffentlichung unserer Bitte bereits erste Zusagen und Überweisungen erhalten – sowohl aus Oppach als auch aus Ostritz – und auch Ministerpräsident Michael Kretschmer hat gespendet“, zählt Obenland auf. „Mindestens 500 Euro haben wir sicher“, freut er sich.

Wer sich die bereits vorhandene Berzdorfer Chronik ansehen möchte, muss übrigens nicht mehr nach Görlitz gehen: „Da es sich um ein so wichtiges Zeugnis der Oberlausitzischen Geschichte handelt, wurde es im Rahmen eines Landesprojektes durch uns digitalisiert und somit dauerhaft gesichert und archiviert“, erklärt Karin Stichel. Dadurch ist die Chronik online für jeden Forscher, Liebhaber und Bürger kostenlos zugänglich.

Mehr lokale Artikel:

www.sächsische.de/ort/goerlitz