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Mehrwertsteuer fließt ins Tierheim

Die Zoohandlung Zwahr durfte im Corona-Lockdown offen bleiben. Der Geschäftsinhaber hatte die Idee, nun die Steuerersparnis abzugeben.

Zwahr-Mitarbeiterin Katrin Wunder zeigt einen Kassenzettel, auf dem die Mehrwertsteuerermäßigung dem Görlitzer Tierheim als Spende zugewiesen wird.
Zwahr-Mitarbeiterin Katrin Wunder zeigt einen Kassenzettel, auf dem die Mehrwertsteuerermäßigung dem Görlitzer Tierheim als Spende zugewiesen wird. © André Schulze

Katrin Wunder bekommt öfter eine Gänsehaut. "Schuld" daran sind Kunden, die bei Zookauf Zwahr in Görlitz einkaufen. Die Mitarbeiterin stellt jedem Kunden beim Abkassieren eine Frage. Die Antworten und Reaktionen darauf sind die Ursache für die Hautveränderung.

Seit Monatsbeginn werden die Kunden in dem Zoofachhandel gefragt, ob sie die Ersparnis der Mehrwertsteuer erstattet haben oder ob sie das Geld spenden möchten. Seit dem 1. Juli gilt eine reduzierte Mehrwertsteuer. "Die meisten Kunden sind regelrecht begeistert, wenn sie hören, dass wir die Steuerersparnis an das Görlitzer Tierheim weitergeben", berichtet Frau Wunder. Und diese Begeisterung über die Spenden-Idee wiederum verursacht bei der Mitarbeiterin die Gänsehaut.

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Tierheim braucht gerade jeden Cent

Roland Hegenbart ist der Inhaber des Fachgeschäftes in der Jakobstraße. Er hatte die Spenden-Idee. "Wir sind relativ gut durch die Corona-Zeit gekommen", sagt er. Das Geschäft durfte geöffnet bleiben, weil es zu 80 Prozent eine Zoohandlung ist.  Seit Langem arbeitet Hegenbart mit dem Görlitzer Tierheim eng zusammen. Da lag es nahe, dieser Einrichtung zu helfen. "Sie hat es nötig", betont der Geschäftsinhaber. 

Peter Vater, der Leiter des Tierheims, kann das nur bestätigen. "Wir sind wirklich auf jeden Cent und jede Futterspende angewiesen", sagt er. "Diese Hilfe kommt gerade recht, es ist ein tolles Miteinander mit der Zoohandlung", erläutert Peter Vater.

Zwahr-Inhaber Roland Hegenbart hatte die Idee, die Steuerersparnis dem Tierheim zu spenden. 80 Prozent der Kunden machen mit.
Zwahr-Inhaber Roland Hegenbart hatte die Idee, die Steuerersparnis dem Tierheim zu spenden. 80 Prozent der Kunden machen mit. © André Schulze

80 Prozent sagen Ja zum Tierheim

Doch so einfach, wie es sich anhört, ist es gar nicht, die Ersparnis der Mehrwertsteuer zu spenden. Roland Hegenbart erklärt: "Wir haben die technischen Voraussetzungen dafür mit einem speziellen Kassensystem. Das hat nicht jedes Geschäft. Die Ersparnis wird extra auf einem Bon ausgewiesen, ist also sowohl für den Kunden als auch für das Geschäft nachvollziehbar. Vor allem aber für das Finanzamt." Alles müsse genauestens nachprüfbar sein. "Nicht, dass man wegen einer guten Tat am Ende noch Ärger mit dem Finanzamt hat", meint der Geschäftsinhaber. Auch das Steuerbüro war involviert, damit alles richtig abläuft.

Etwa 80 Prozent der Zwahr-Kunden spenden die Mehrwertsteuer-Ersparnis für das Tierheim. Zum einen sind es selbst Tierliebhaber, zum anderen hätten sie einen bestimmten Betrag für den Kauf ohnehin eingeplant. "Die meisten Kunden sagen, dass sie wegen der geringeren Mehrwertsteuer nicht viel reicher werden und geben die Ersparnis gern weiter", erläutert Hegenbart. Oft seien es nur Cent-Beträge, aber bei größeren Einkäufen geben die Kunden schon mal mehr als drei Euro als Spende. 

Roland Hegenbart rechnet mit mindestens 3.000 Euro, die am Jahresende für das Tierheim bereitstehen. "Wenn das Herbst- und Weihnachtsgeschäft gut läuft, sind es vielleicht sogar 5.000 Euro", sagt er.

Meerschweinchen im Görlitzer Tierheim "Krambambuli".
Meerschweinchen im Görlitzer Tierheim "Krambambuli". © nikolaischmidt.de

Immer mehr Wechselgeld geht in die Box

Die Spendenbereitschaft seiner Kunden habe ohnehin zugenommen, erklärt Hegenbart. Im Laden steht schon lange eine Bargeld-Spendenbox für das Tierheim. "Hier sehe ich, dass immer öfter Wechselgeld in diese Box wandert", erzählt er und freut sich darüber. 

Quartalsweise und bei dringendem Bedarf will er die Spenden in Form von Tierfutter oder Zubehör dem Tierheim übergeben. Auch von besonderen Aktionen, die Hegenbarts Lieferanten anbieten, soll das Tierheim profitieren. Peter Vater hat sich überlegt, diese Chance zu nutzen, um Futter speziell für ältere  und ganz junge Hunde zu bekommen. Insgesamt leben im Görlitzer Tierheim derzeit rund 70 Hunde und 115 Katzen sowie einige Vögel, Kaninchen und Meerschweine.

Mit seiner Spendenaktion ist die Zoohandlung offenbar in Görlitz das einzige Geschäft, das die Steuerersparnis für soziale Zwecke einsetzt. Die Bäckerei Schwerdtner mit Sitz in Löbau und mehreren Filialen in Görlitz und Reichenbach verwendet einen Teil der Steuerersparnis für die Tilgung eines Kredits, den die Firma coronabedingt aufnehmen musste. Der andere Teil kommt den Mitarbeitern zugute.

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