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Großenhain rettet Dresden die Show

Das erste Dresdner Open-Air-Konzert nach Corona konnte am Dienstag am Flughafen stattfinden - weil das Großenhainer Schützenhaus in Windeseile half.

Die Band "NotenDealer" nahmen ihr Konzert im Schützenhaus Großenhain auf, bevor es im Dresdner Autokino-Konzert auf Leinwand gezeigt wurde.
Die Band "NotenDealer" nahmen ihr Konzert im Schützenhaus Großenhain auf, bevor es im Dresdner Autokino-Konzert auf Leinwand gezeigt wurde. © Kathrin Krüger-Mlaouhia

Großenhain. Auf dem Hof des noch geschlossenen Schützenhauses stehen ein großer Tour-Transporter der Band "NotenDealer" und Fahrzeuge des Mitteldeutschen Rundfunks. Im Saal ist Ton- und Lichttechnik aufgebaut, Kameraleute und vier Musiker in himmelblauen Anzügen bereiten sich auf eine Aufnahme vor. "Es muss alles relativ schnell gehen, wir haben erst 14 Uhr erfahren, dass wir nicht live spielen dürfen", sagt Stefan Brosig, der künstlerische Leiter der Band, geheimnisvoll. 

Im ersten Autokino Dresdens am Flughafen sollten die "NotenDealer" an diesem Dienstagabend auftreten, präsentiert vom Comedy und Theater Club im Kügelgenhaus. Schon seit 25. April ist das Autokino auf Parkplatz 4 an der Flughafenstraße in Betrieb. Aber nun war das erste Konzert nach den Corona-Beschränkungen angesagt. Alle waren mächtig aufgeregt.

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Doch am Nachmittag, wenige Stunden vor Konzertbeginn, hatte das Dresdner Gesundheitsamt die Show gestoppt. Nur Kinovorführungen seien erlaubt, hieß es. Dabei hätte es für die Zuhörer in ihren Fahrzeugen keinen Unterschied gemacht. Die Veranstalter sprechen von einer kleinlichen Entscheidung, zumal am selben Abend das zweite Dresdner Autokino in der Flutrinne an den Start ging - also Konkurrenz. 

Über den Techniker Kevin Krause, Sohn von Thomas Krause von der Schützenhaus Eventgroup, kam ein wahrer Husarenstreich als Rettungsgedanke auf. Man könnte doch das Konzert vorher aufnehmen und dann wie einen Film im Autokino abspielen! Damit wäre die Show und der bereits gelaufene Kartenverkauf gerettet.

Nur ein Versuch

Gesagt, getan. Alle machen sich nach Großenhain auf und zeichnen die Show im Schützenhaus-Saal auf. Die Musiker, die als Rock-Pop-Kabarett-Band angekündigt werden, singen nach kurzen Proben 90 Minuten durch und improvisieren professionell. "Stellt Euch vor, vor Euch sitzen 20.000 Zuhörer", hatte sie Stefan Brosig vorher noch instruiert. Lars Kessler, Felix Günther, Tim Gernitz und Paul Fröbel spielen als "Die NotenDealer" schon 16 Jahre zusammen. In den letzten Wochen konnte die Dresdner Band zwar nicht auftreten, wie sie bedauert. Doch eine frische, unterhaltsame und hochmusikalische Show können sie trotzdem abliefern. Aus „Griechischer Wein“ wird bei ihnen „Kriech nicht da rein“. Auf ihre ganz eigene Art interpretiert diese Boy-Band bekannte Hits aus den Charts und eigene Titel mit witzigen Texten.

Vor ihnen fährt eine kleine Kamera auf einer Tourbox mit Schiene hin und her. Auch per Handkamera werden die Sänger gefilmt, es gibt Bühnennebel und Laserlicht - wie beim Livekonzert. Tour-Assistentin Linda Drescher nimmt das Geschehen mit ihrem Handy für die Social Media Kanäle auf. Alle arbeiten hochkonzentriert, denn sie wissen: Es gibt nur einen Versuch. Und die Zeit sitzt ihnen im Nacken.

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Gegen 19.30 Uhr ist die Aufnahme im Kasten. Während die Musiker vor dem Bühneneingang eine rauchen, packen die Techniker zusammen. Dann fahren alle nach Dresden an den Flughafen. 21 Uhr soll das Experiment beginnen. Die "NotenDealer" werden sich auf der Bühne zeigen und den "Film" ansagen. Natürlich müssen sie ehrlich sein. Doch die Fans haben ein Einsehen und sind glücklich. Und geben den Künstlern Lichthupe. "Vielen lieben Dank für den etwas anderen schönen Abend mit euch. Wir hatten wieder viel Spaß", kommentiert Stefanie Wagenknecht. Und Manja Gerullis schreibt auf Facebook: "Schöner Abend, aber live wäre noch schöner gewesen. Klasse, was Ihr trotzdem auf die Beine gestellt habt."

Weitere Termine unter www.NotenDealer.de

Voraussichtlicher Sendetermin im MDR: Mittwoch ab 19 Uhr im Sachsenspiegel.

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