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Grünes Gewölbe: Was mit dem "Kopfgeld" passiert

Es war eines der spektakulärsten Verbrechen. Ein umstrittener Dresdner Anwalt wollte bei den Ermittlungen helfen. Jetzt wird dieses Geld anderweitig genutzt.

Mit diesem Wagen sind die Räuber geflüchtet, nachdem sie Juwelen aus dem Grünen Gewölbe geholt hatten.
Mit diesem Wagen sind die Räuber geflüchtet, nachdem sie Juwelen aus dem Grünen Gewölbe geholt hatten. © Polizeidirektion Dresden

Dresden. Der 25. November 2019 wird wohl für immer in die Dresdner Geschichte eingehen und eine Wunde hinterlassen. An dem Tag brachen Räuber in die Schatzkammer des Grünen Gewölbes ein und stahlen historische Schmuckstücke von unbezifferbarem Wert.

Die Reaktionen waren entsprechend schockiert. Ministerpräsident Michael Kretzschmer (CDU) fasste es so zusammen: "Nicht nur die Staatlichen Kunstsammlungen wurden bestohlen, sondern wir Sachsen! Man kann die Geschichte von Sachsen nicht verstehen, ohne das Grüne Gewölbe. Die Werte, die hier zu finden sind, wurden von den Menschen in unserem Freistaat über viele Jahrhunderte hart erarbeitet."

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Gemeinsam mit den Landkreisen und kreisfreien Städten hat die Staatsregierung weitere Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie beschlossen.

Noch bevor Polizei und Staatsanwaltschaft eine Belohnung für entscheidende Hinweise zur Ergreifung der Täter von 500.000 Euro ausgesetzt hat, rief der Dresdner Rechtsanwalt Frank Hannig dazu auf, für ein "Kopfgeld" zu Spenden. "Auf einem Spendenkonto soll ein Kopfgeld gesammelt werden, das zur Ergreifung der Täter im Grünen Gewölbe führen soll", postete Hannig am 26. November, also einen Tag nach dem Raub, via Facebook. 

„Es gibt vier Millionen Sachsen“, so Hannig. „Wenn jeder Sachse nur einen Euro spenden sollte, kommt ein gigantisches Kopfgeld in Höhe von vier Millionen Euro zusammen. Dieses Kopfgeld soll ausgesetzt werden für Hinweise, die zur Ergreifung der Täter und zur Rückführung des Kunstschatzes in den Besitz des Freistaates Sachsen führen.“

Zusammengekommen sind laut Hannig nicht die vier Millionen, sondern 820 Euro. „Der Einbruch in das Grüne Gewölbe hat mich, wie sicherlich alle Dresdner sehr betroffen gemacht", erklärt Hannig nun. "So entstand ein emotionaler Facebook- Post. Eine Belohnung auf die Ergreifung der Diebe hielt ich damals für sinnvoll. Kurze Zeit später wurde die Belohnung offiziell durch die Polizei ausgesetzt."

Deshalb sei auch nicht ganz so viel gespendet worden, wie gehofft. Aber das Geld soll einem guten Zweck zugeführt werden. "Die finanzielle Unterstützung der Facebook- Community kommt nun der Dresdner Bibliothek zum Ankauf von Kinderbüchern zugute“, sagt Hannig auf Nachfrage. Es werden aber nicht nur die 820 Euro, sondern 1.000 Euro.

Hannig, der Stadtrat für die Freien Wähler ist, hat das "Kopfgeld" mit seinen Fraktionskollegen auf 1.000 Euro aufgerundet.

Hannig steht immer wieder in der Öffentlichkeit, weil er der Stasi und Pegida half, den mutmaßlichen Mörder Stephan E. vertritt, der den Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke erschossen haben soll und auch Daniel Z. verteidigte. Der ehemalige Dresdner Justizbeamte hatte den Haftbefehl gegen einen Iraker veröffentlicht, der an einem Tötungsdelikt in Chemnitz beteiligt gewesen sein soll. Am Ende stellte sich heraus, dass der Mann unschuldig ist. Z. ist mittlerweile im Landesvorstand der AfD.

Arend Flemming, der Chef der Städtischen Bibliotheken, ist sich bewusst, dass Hannig umstritten ist. "Herr Hannig ist Stadtrat. Ich respektiere die Entscheidung der Dresdner, die ihn gewählt haben. Auch wenn ich seine Auffassungen nicht teile", so seine Erklärung.

Da die Bibliotheken von der Hauhaltssperre betroffen sind und seit diesem Monat gar kein Geld für neue Medien wie Bücher zur Verfügung haben, freue Flemming sich über die 1.000 Euro. "Ich bin nicht in der Luxussitiation, nach Ideologie zu entscheiden", so Flemming. Die Sperrung des Medienetats sei eine "sachsenweit einmalige Einschränkung unserer Arbeit", erklärt Flemming. Da sei diese Spende "ein kleiner Hoffnungsschimmer".

Der Bibliotheken-Chef hätte die Spende allerdings nicht angenommen, wenn daran Bedingungen geknüpft wären. Also etwa, welche Bücher dafür gekauft werden. "Das haben wir selber entschieden", so Flemming. Und der Stadtrat muss dem auch noch zustimmen, Flemming empfiehlt nur, diese Spende anzunehmen.

Von dem Geld sollen jeweils drei sonst nicht vorhandene und aktuelle Kinderbücher für die Zentralbibliothek und alle 19 Außenstellen in den Stadtteilen angeschafft werden. Die Titel lauten: "Die wunderbare Welt der Eiche" von Thomas Müller, "Du und ich sind gleich und anders – das große Buch des Lebens" von Mary Hoffman und Ros Asquith und "Ein Lächeln für dich" von Stephanie Polak und Larisa Lauber.

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In dem Zusammenhang appelliert Flemming an die anderen Stadträte, die Sperre für den Medienetat aufzuheben. "Vielleicht werden dadurch ja die Vertreter der Fraktionen und Parteien, deren Positionen ich eher teile, darauf aufmerksam." 

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