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Wie aus einem Betrieb eine Ruine wurde

Je weniger Schandflecke es gibt, umso mehr fallen die übrigen auf. Der auf der Heidenauer August-Bebel-Straße ist so einer.

Mal Produktionsstätte, nun Ruine - und künftig?
Mal Produktionsstätte, nun Ruine - und künftig? © Norbert Millauer

Es sind mehrere Gebäude, die an der August-Bebel-Straße in Heidenau vor sich hin verfallen. Dass sie mal zum gut laufenden Bohrwerkzeuge-Betrieb gehörten, weiß nur noch, wer mal hier gearbeitet hat. Wilfried Büttner zum Beispiel. Er hatte dort 1984 als Kontrollingenieur begonnen, heute ist er Geschäftsführer der Geologische Ausrüstungen & Bohrservice GmbH. Dazwischen liegt eine Geschichte, die von Aufstieg und Fall erzählt, von Neubeginn und Hoffnung. 

Der Heidenauer Betrieb war in der DDR Betriebsteil des in Doberlug-Kirchhain angesiedelten Betriebes für geologische Ausrüstungen und Reparaturen. Die Ursprünge des Standortes gehen bis zum Ende des 19. Jahrhunderts zurück. Damals war es die Lange, Lorcke & Co GmbH Heidenau. In der Wendezeit Ende der 1980-er Jahre löste sich Heidenau von Doberlug-Kirchhain und lief unter der Treuhand als „Geologische Bohrwerkzeuge GmbH“. Etwa 30 bis 40 Leute arbeiteten damals im Betrieb. In besten Zeiten waren es um die 70. 

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Vom "Guten Tag" bis zur Insolvenz

1994 schließlich kauften Wilfried Büttner, der ehemalige technische Leiter und der westdeutsche Investor Ulrich Bech das Unternehmen. Büttner erinnert sich an die erste Begegnung mit Bech. "Da steht einer vor der Tür, sagt guten Tag und ich bringe euch Arbeit, wer sagte da nicht nein." Dass es am Ende mehr Ärger und Sorgen als Arbeit und Erfolg sein sollte, ahnte Büttner nicht. Es ging ja auch einige Zeit gut.

2002/03 muss es gewesen sein, da saß  Büttner in seinem Büro und sieht zwei Fremde über den Hof laufen. Als er sie fragte, was sie wollten, sagten sie, sie würden den Standort für einen Lidl-Neubau prüfen. Der Lidl wurde an der Gabelsbergerstraße gebaut, doch damit waren die Unklarheiten auf der August-Bebel-Straße nicht beendet. Am Ende aber wurde immer mehr auf Kante genäht, wie es Büttner sagt. Der West-Investor habe Firmen-Vermögen ohne seine beiden Mitgesellschafter verkauft. Schließlich musste sich Büttner selbst kündigen. Im Sommer 2004 ist nur noch Ulrich Bech Geschäftsführer und verkauft Reste der Firma, bis diese im Jahr 2005 insolvent war.

Leer, kaputt und zu vermieten: Die zum Grundstück gehörende Halle an der August-Bebel-Straße.
Leer, kaputt und zu vermieten: Die zum Grundstück gehörende Halle an der August-Bebel-Straße. © Daniel Schäfer

Büttner macht seit 2004 mit seinem Ost-Mitgesellschafter als Geologische Bohrwerkzeuge und Bohrservice Sachsen GmbH das was sie früher schon am besten konnten, nämlich Werkzeuge für die Bohrindustrie zu fertigen, damit zum Beispiel Baugrund-Bohrung erfolgen können. Auch Brunnenbauer und in der Geothermine tätige Firmen sind die Kunden. So ist es gelungen, die Tradition fortzuführen und Arbeitsplätze zu sichern. Seit 2005 hat die Firma ihren Sitz auf der Gabelsbergerstraße. 

Beispiel Platz der Freiheit

Viel soll schon für die Bebelstraße angedacht gewesen sein, bis hin zu einer Fahrstrecke für Panzermodelle. Inzwischen steht das Grundstück im Internet zur Vermietung, einmal die einstürzende Halle und einmal die anderen Gebäude. Doch der Anbieter meldet sich auf Anfrage nicht zurück. Unter der schon verblichenen Telefonnummer an der Halle geht nie jemand ans Telefon. Wer mietet Ruinen, die eigentlich nur einen Abriss zulassen? In der an der Straße stehenden Villa und dem flachen Gebäude dahinter sind einige Fenster gemauert, andere sind eingeschlagen. Überall schießt das Unkraut in die Höhe. Baulich wären hier am ehesten Wohnungen machbar, sagt die Stadt. Der Bedarf dafür ist da.

Eingeworfene Fenster vorn, an der Seite und hinten sind einige Fenster des ehemaligen Wohnhauses zugemauert.
Eingeworfene Fenster vorn, an der Seite und hinten sind einige Fenster des ehemaligen Wohnhauses zugemauert. © Norbert Millauer

Ulrich Bech sei später mal in Berlin aufgetaucht, jetzt soll er unter anderem auf Malta sein, sagt Büttner. Er hat mit der Vergangenheit abgeschlossen. Die Stadt noch nicht. Sie hofft, irgendwann auf ein glückliches Ende wie am Platz der Freiheit. Die Ruine dort stand jahrelang. Als man schon fast die Hoffnung gab, wurde sie verkauft und saniert. Jetzt ist das Haus gut anzusehen, die Wohnungen sind gefragt. 

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