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Hier gibts T-Shirts ohne Ausbeutung

Die fairen Shops in Sachsen - und was es mit dem neuen Siegel „Grüner Knopf“ auf sich hat. Teil 4 der Serie "Anders einkaufen".

Steve Kupke, Inhaber von Unipolar in Dresden, zeigt eines der bio-fairen T-Shirts. Die Hersteller sind entweder Mitglieder der Fair Wear Foundation oder Gots-zertifiziert. Das kommt bei den Käufern gut an.
Steve Kupke, Inhaber von Unipolar in Dresden, zeigt eines der bio-fairen T-Shirts. Die Hersteller sind entweder Mitglieder der Fair Wear Foundation oder Gots-zertifiziert. Das kommt bei den Käufern gut an. © Arvid Müller

Miese Löhne, erschöpfte Arbeiter, von Färbemitteln verseuchte Flüsse oder Kinderarbeit – die Missstände in der Textilproduktion sind bekannt. Die Modebranche hat angesichts negativer Schlagzeilen reagiert – allerdings nur halbherzig, kritisiert die Kampagne für Saubere Kleidung. Manche Händler versuchen zwar, ihr Ausbeuter-Image loszuwerden und hängen eine einzelne sozial „saubere“ Kollektion auf die Stange – H&M etwa unter der Linie Conscious oder C&A unter Wear the change. Doch das Hauptsortiment wird weiterhin unfair hergestellt.

Wie schwer das zu ändern ist, zeigt die Diskussion um ein Lieferkettengesetz und das staatliche Kleidungssiegel „Grüner Knopf“ für nachhaltige Mode, das Bundesentwicklungsminister Gerd Müller einführen will. Unternehmen müssten endlich soziale und ökologische Mindeststandards bei der Produktion auch im Ausland einhalten, fordert er. Das sei unmöglich, sagt Ingeborg Neumann, Chefin des Gesamtverbands textil+mode: „Ein einfaches weißes Hemd wird in 140 Schritten hergestellt.“ Die Unternehmen könnten nicht „jedes Baumwollfeld, jede Knopffabrik und jede Reißverschlussproduktion bis ins kleinste Glied kontrollieren.“ 

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Der Plan des Ministers „gefährdet unsere Existenz. Wir können nicht alleine als deutsche Unternehmen die Welt retten.“ Ihr Argument, „unsere globalen Konkurrenten werden uns aus dem Markt fegen“, lässt Martin Müller, Professor am Institut für Nachhaltige Unternehmensführung an der Uni Ulm, jedoch nicht gelten. „Denn es heißt im Umkehrschluss: Wir sind nur wettbewerbsfähig, weil wir Menschenrechte missachten.“ Wie Mode in Billiglohnländern erzeugt wird und unter welchen Bedingungen sie von Primark, H&M, C&A & Co. eingekauft wird, zeigt die Studie „Fast Fashion – Eine Bilanz in 3 Teilen“ der Menschenrechtsorganisation Christliche Initiative Romero.

Diese Alternativen gibt es:

Verbraucher haben aber Kauf-Alternativen. „Es gibt unzählige Labels, die wirklich fair produzieren – und schöne Mode machen.

In Sachsen gibt es fair erzeugte Mode in allen Weltläden, in Dresden bei Unipolar und Populi, in Chemnitz bei Kult-Design-Unikate, in Leipzig im Grünschnabel.

© PR

Fair Wear Foundation: Ihr Arbeitskodex gilt als einer der strengsten in der Textilbranche. Mitglieder lassen sich unabhängig überprüfen, müssen alle Lieferanten offenlegen – auch Preisgestaltung und Lieferanforderungen. Mitgliederliste auf www.fairwear.org

Fairtrade Cotton: Das Siegel garantiert, dass die Baumwollbauern einen festgelegten Mindestpreis für die Ernte sowie eine Fairtrade-Prämie für soziale Projekte erhalten haben. Die Anbieter und Läden, die Textilien aus fair erzeugter Baumwolle anbieten und siegeln, finden sich auf: www.fairtrade-deutschland.de

Cotton made for Africa: Die Initiative verbietet beim Anbau der Baumwolle Kinderarbeit, viele Pestizide und schult Bauern. Ein garantierter Mindestpreis ist nicht vorgesehen. Liste der Partner unter: www.cottonmadeinafrica.org


© BMZ

Der Grüne Knopf kommt

Viele haben bezweifelt, dass Entwicklungsminister Gerd Müller es schafft. Nun kommt das staatliche Textilsiegel Grüner Knopf tatsächlich. Am 9. September will der CSU-Politiker das Zertifikat offiziell vorstellen. Es soll Verbraucher animieren, Kleidung zu kaufen, die nach höheren sozialen und ökologischen Standards gefertigt wurde. Der Grüne Knopf wird in den Geschäften an einzelnen Produkten zu finden sein.

„Er kann ab sofort von Unternehmen beantragt werden“, heißt es in einem Schreiben des Entwicklungsministeriums. Mehrere Dutzend Firmen hätten das Zertifikat inzwischen angefordert – große und kleine Textilhändler. Wesentlich mehr, auch ausländische, sollen Interesse haben. In der Vergangenheit hat unter anderem Tchibo Sympathie bekundet.

Das Ministerium hat den Grünen Knopf beim Deutschen Patent- und Markenamt samt Satzung und Kriterienraster eintragen lassen. Er ist damit ein „globales Siegel mit staatlicher Überwachung“. Prüfstellen wie der Tüv kontrollieren Firmen, die mitmachen. Nicht nur Kleidung wie Jeans, T-Shirts oder Sakkos können das Zeichen erhalten, sondern viele weitere Textilprodukte wie Teppiche, Gardinen, Campingmatratzen, Taschen, Decken oder OP-Kittel.

In der Einführungsphase, die bis Ende Juni 2021 reicht, müssen die Unternehmen erstmal nur höhere Standards für die beiden letzten Produktionsschritte nachweisen: das Nähen und Färben der Stoffe. Später will man die Anforderungen ausdehnen bis zum Anbau der Baumwolle. Um mitzumachen, sollen die Firmen jeweils 20 Kriterien erfüllen. Ein in Deutschland ansässiger Händler müsste beispielsweise einen Beschwerdemechanismus einrichten, damit auch die Arbeiterinnen und Arbeiter der Zulieferfabriken in Kambodscha ihre Sorgen so vorbringen können, dass die Zentrale sie wahrnimmt. Damit sollen international gültige Menschenrechte wie die Gewerkschaftsfreiheit vorangetrieben werden. Zusätzlich sind 26 Produktkriterien zu erfüllen. In der asiatischen Zulieferfabrik müssen zum Beispiel ausreichend Feuerlöscher hängen, bestimmte gesundheitsschädliche Chemikalien sind verboten. Gewerkschaftsfreiheit, gesetzmäßige Arbeitszeiten und Mindestlohn sind zu gewährleisten. Diese Kriterien weisen die Firmen nach, indem sie bereits über private Sozial- und Öko-Siegel verfügen, etwa Gots, IVN Best, Blauer Engel, Oekotex, Fairtrade oder Fair Wear Foundation.

Der Gesamtverband der deutschen Textil- und Modeindustrie lehnt das Vorhaben ab: „Es bleibt unausgegoren und schafft jede Menge Bürokratie“, so Geschäftsführer Uwe Mazura.


Bereits erschienen:

Teil 1: Wie funktioniert eigentlich der Faire Handel in Sachsen? 

Wo man hier Faires bekommt, weiß Jana Felber von F.A.I.R.E Warenhandel Dresden. Sie erklärt auch, wie die Preise entstehen und was die Erzeuger davon haben. (SZ+)

Teil 2: Nicht überall wo fair drauf steht, ist auch fair drin 

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