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Pirna

Wenn der Arzt nur noch privat behandelt

Die Heidenauer HNO-Praxis von Andreas Haupt ist gefragt. Künftig aber müssen sich viele Patienten eine andere suchen.

Künftig nur noch für Privatpatienten: die HNO-Praxis auf der Heidenauer Thälmannstraße.
Künftig nur noch für Privatpatienten: die HNO-Praxis auf der Heidenauer Thälmannstraße. © Daniel Schäfer

Die Heidenauer Ernst-Thälmann-Straße als Gesundheitsmeile: So kam auch HNO-Arzt Dr. Andreas Haupt hierher. Er ist der einzige HNO-Arzt in Heidenau, Dohna und dem Müglitztal. Oft stehen kurz vor Öffnung Patienten Schlange. Einer von ihnen ist der Heidenauer Herr Kaczmirczak. Doch er wird künftig hier nicht mehr stehen. Ab 2. Juni wird aus der Praxis nämlich eine Privatpraxis. Das heißt, es werden zwar auch weiter neben privat Versicherten Kassenpatienten behandelt, doch die bekommen wie die anderen eine  Rechnung, die ihre Kasse nicht bezahlt. Für die Entscheidung, künftig als Privatpraxis zu arbeiten, führt Haupt private Gründe an. 

Rein zahlenmäßig gar nicht so schlecht

Für Kassenpatienten ist es eine Entscheidung mit Folgen sprich weiteren Wegen und dem Suchen eines neuen Arztes. Rein zahlenmäßig sieht es dabei gar nicht so schlecht aus. Für die kassenärztliche Vereinigung ist die Sächsische Schweiz bei HNO-Ärzten derzeit sogar überversorgt. Geht man von Heidenau aus, befinden sich im Umkreis von fünf Kilometern drei HNO-Ärzte, einer in Pirna und zwei in Dresden. Nimmt man zehn Kilometer in Kauf hat man 19 Ärzte, sechs davon in Pirna zur Auswahl. Bei 20 Kilometern kommen dann auch die Dippoldiswalder und Freitaler infrage und bei 25 Kilometern zudem die drei Neustädter.

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Im Bereich Weißeritzkreis sieht es nicht so gut aus. Weil der Bereich aktuell nicht als überversorgt gilt, gibt es hier seit Mai keine Zulassungsbeschränkung mehr für HNO-Ärzte. Es steht aber auch nur eine halbe Stelle zur Verfügung. 

Wer behandelt mehr Patienten

Die Zahl der Praxen ist das Eine, die Intensität der Versorgung das Andere. Bei der nimmt die kassenärztliche Vereinigung Sachsen erhebliche Unterschiede zwischen den Praxen niedergelassener Ärzte und den medizinischen Versorgungszentren mit angestellten Ärzten wahr. Das heißt: "Ein niedergelassener Arzt in eigener Praxis versorgt - wenn auch zu einem gewissen Teil durch Selbstausbeutung - wesentlich mehr Patienten im Vergleich zu angestellten Ärzten", sagt Katharina Bachmann-Bux. "Dies ist allerdings keinesfalls ein Vorwurf diesen gegenüber, denn es ist sicher von niemandem zu erwarten mit einem Arbeitsvertrag von zum Beispiel 40 Wochenstunden über 50 Stunden zu arbeiten." 

Doch eine Auswertung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland mit Daten von 2014 habe ergeben, angestellte Ärzte versorgen im Vergleich zu den niedergelassenen Ärzten im Schnitt nur  61 bis 89 Prozent an Patienten. Die Zahlen schwanken zwischen den Fachbereichen.  Die Kritik der kassenärztlichen Vereinigung geht noch weiter. "Die zentralisierte Versorgung ganzer Landstriche durch Polikliniken bzw. medizinische Versorgungszentren kann zudem für Patienten  zu deutlich längeren Wegen zum Arzt führen." 

Sie sind aber auch eine Chance. So hat das Versorgungszentrum am Pirnaer Klinikum gleich mehrere HNO-Ärzte, die nun für die Heidenauer ein Anlaufpunkt sind.  Oft sind durch die mehreren Ärzte auch längere Öffnungszeiten möglich. Der HNO-Bereich am Pirnaer Zentrum kommt zum Beispiel auf 36 Stunden in der Woche. 

Privatpraxis als Chance

Privatpraxen sind in unserer Region noch nicht so häufig. Oft häufen sie sich dort, wo es viele Ärzte gibt und eine Zulassungsbeschränkung besteht. Bis 2008 war das Führen einer Privatpraxis auch eine Möglichkeit, der Altersgrenze von 68 Jahren für Vertragsärzte zu umgehen. Ein Grund als Privatpraxis zu arbeiten ist auch die Chance, ohne die Bindung an die Vorschriften der gesetzlichen Krankenkassen zu arbeiten. Viele Praxen arbeiten als sogenannte Mischpraxen, behandeln also Privat- als auch Kassenpatienten. 

Haupt führt wie gesagt private Gründe für seine Entscheidung an. Egal, was ihn zu dieser Entscheidung führte, Herr Kaczmirczak und viele andere, die immer zufrieden waren, bedauern es und müssen sich nun eben anders kümmern. 

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