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Bautzen

Hochstimmung am neuen Senioren-Wohnhaus

Die Arbeiten am Bautzener Burglehn gehen zügig voran. Der Betreiber ist sich sicher, dass er für die Räume viele Mieter findet.

Zimmermann Olaf Mauermann feiert mit Sekt das Richtfest am Bautzener Burglehn. Auf der Fläche, die einst als Parkplatz genutzt wurde, entsteht ein großes Wohnhaus – für Senioren und Menschen mit Demenz.
Zimmermann Olaf Mauermann feiert mit Sekt das Richtfest am Bautzener Burglehn. Auf der Fläche, die einst als Parkplatz genutzt wurde, entsteht ein großes Wohnhaus – für Senioren und Menschen mit Demenz. © Steffen Unger

Bautzen. Gleich viermal lässt sich Zimmermann Olaf Mauermann das Sektglas nachfüllen. In schwindelerregender Höhe trinkt er – auf die Bauherren, die Bewohner, die Nachbarn, auf seine eigene Zunft. Die Richtkrone baumelt noch in der Luft, während sich die Gäste weiter unten, im Innenhof des Neubaus, schon an den Häppchen bedienen. Das Haus am Bautzener Burglehn, dessen Baufortschritt sie an diesem Tag feiern, ist noch längst nicht fertig. Das Dach muss gedeckt, die Außenfassade gestrichen werden. Auch im Inneren des Hauses gibt es viel zu tun. Zwar stehen die Treppen und Wände schon. Doch um die einzelnen Wohnungen vor Augen zu sehen, braucht man noch viel Fantasie.

Bauherr Jörg Drews weiß, dass noch viel Arbeit auf ihn wartet. Doch er sagt auch: „Die Fertigstellung 2020 ist möglich.“ In den vergangenen Monaten habe man viele Herausforderungen meistern müssen, so Drews weiter. Vor allem die beengten Verhältnisse in der Bautzener Altstadt hätten den Bau schwierig gemacht, sagt er. Schon allein der Aufbau des Krans sei eine komplizierte Sache gewesen. Der Chef der Firma Hentschke Bau erzählt, wie aufwendig die Medien umverlegt werden mussten. Auch der harte Fels habe es den Bauleuten nicht immer leicht gemacht.

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Eine der letzten Altstadt-Lücken

Mit dem Neubau wird eine der letzten Lücken der Altstadt geschlossen. Das Haus besteht aus vier Teilen. Direkt am Burglehn reiht sich das viergeschossige Gebäude in den Straßenzug ein. Die anderen Gebäudeteile in Richtung Brüder- und Mönchsgasse sind kleinteiliger. Damit sie an dieser Seite besser ins Stadtbild passen, haben sie nur zwei oder maximal drei Etagen.

Die Firma Hentschke Bau wird das Haus nicht behalten. Man habe bereits einen Käufer gefunden, erklärt Drews und benennt die Volksbank Dresden-Bautzen als neuen Eigentümer. Klar ist auch schon, wer das Haus einmal betreiben soll – das Pflegeunternehmen Advita. Matthias Faensen, Advita-Gesellschafter, hofft, dass das Haus im Februar bezugsfertig ist. In die untere Etage wird dann eine Tagespflege ziehen, erklärt er. Faensen spricht von einem offenen Treff, der auch von den Bewohnern des Hauses genutzt werden kann. Außerdem entstehen in dem Gebäude zwei Wohngemeinschaften für Menschen mit Demenz. Solche Plätze seien sehr begehrt, erklärt Matthias Faensen. Sie ermöglichen den betroffenen Menschen ein Leben jenseits eines großen Pflegeheimes.

Auch um die restlichen 34 Wohnungen sorgt sich der Betreiber nicht. Man werde nach Fertigstellung des Hauses nach Interessenten suchen und sicherlich schnell neue Mieter finden, erklärt er weiter. Die Wohnungen sind vor allem für Senioren gedacht, die zwar noch selbstständig leben können, aber vielleicht an der einen oder anderen Stelle Hilfe im Haushalt benötigen. Einen Pflegegrad können die neuen Bewohner haben, Pflicht sei der aber nicht.

So soll das Haus am Burglehn einmal aussehen.
So soll das Haus am Burglehn einmal aussehen. © Visualisierung: www.archlab.de

Dank für gute Zusammenarbeit mit der Stadt

Für den Finanzbürgermeister Robert Böhmer ist mit dem Bau des Hauses ein langes Kapitel abgeschlossen. Über Jahre habe sich die Stadt bemüht, die Baulücke zu schließen. Doch diese Bemühungen blieben lange erfolglos. Ein Investor fand sich für die zuletzt als Parkplatz genutzte Fläche nicht. Später war das Areal auch als Standort für ein neues Parkhaus im Gespräch. Doch dieser Vorschlag wurde verworfen. Im Jahr 2017 bot die Firma Hentschke Bau schließlich an, die Fläche von der Stadt abzukaufen. Die Mehrheit im Stadtrat stimmte diesem Vorhaben zu.

Beim Richtfest bedankte sich Jörg Drews bei der Stadt für die gute Zusammenarbeit. Doch so freudig wie am Freitag ging es während der Bauzeit nicht immer zu. Während sich Bagger im Juni 2018 in die Erde wühlten, traten am Nachbarhaus plötzlich in der Fassade einzelne Risse auf. Obwohl die Statiker betonten, dass das Haus nicht einstürzen wird, ging der Vermieter auf Nummer sicher. Die Bautzener Wohnungsbaugesellschaft (BWB) forderte alle Mieter des Haues auf, ihre Wohnung vorübergehend zu verlassen. Natürlich sei das keine einfache Situation gewesen, erklärt BWB-Chefin Kirsten Schönherr. „Niemand ist begeistert, wenn er seine Wohnung verlassen muss“, sagt sie. Man habe aber für alle eine gute Lösung gefunden. Sind die Arbeiten am Neubau abgeschlossen, werde man die Schäden am Nachbargebäude beheben. Dann können auch die Mieter wieder einziehen, so Schönherr.

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