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Hygiene-Manko auf dem Bahnhofs-Klo?

Ein SZ-Leser beschwert sich über die Bahnhofstoilette - gerade in Corona-Zeiten. Anderswo stimmt die Ausstattung, doch dort es gibt andere Probleme.

Die Herrentoilette im Görlitzer Bahnhof macht auf den ersten Blick einen gepflegten Eindruck. Allerdings sind vier von sechs Urinalen und eine von vier Toiletten verschlossen und somit nicht nutzbar.
Die Herrentoilette im Görlitzer Bahnhof macht auf den ersten Blick einen gepflegten Eindruck. Allerdings sind vier von sechs Urinalen und eine von vier Toiletten verschlossen und somit nicht nutzbar. © Nikolai Schmidt

Mike Harmuth ist entsetzt. „Am 12. Mai musste ich in Görlitz auf das WC im Bahnhof“, berichtet der SZ-Leser. Auf der Toilette habe es keine Möglichkeit zum Händewaschen und Desinfizieren nach dem Toilettengang gegeben – und das in der derzeitigen Situation. Die Benutzung sei gebührenpflichtig. „Für Reisende ist das eine Zumutung“, sagt er. Nun will er wissen: „Gelten für den Betreiber der WC-Anlage keine Hygiene- und Corona-Regeln?“

Beim Amt niemanden erreicht

Beim Ordnungsamt der Stadt habe er keinen erreicht, also habe er sich stattdessen an das Gesundheitsamt des Landkreises gewandt. „Nach kurzem Hin und Her wollte man der Sache doch nachgehen“, sagt Harmuth. Der Sachbearbeiter sei aber anderer Auffassung über die Hygiene nach einem Toilettengang gewesen.

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Julia Bjar, Pressesprecherin im Landratsamt Görlitz, teilt auf SZ-Nachfrage mit, dass das Gesundheitsamt des Landkreises für diesen Vorfall nicht der richtige Ansprechpartner sei, sondern die Deutsche Bahn. „Die Beschwerde wurde bereits zuständigkeitshalber mit der Bitte um Prüfung an die Deutsche Bahn weitergeleitet“, sagt Julia Bjar. Ähnlich sieht das auch die Görlitzer Stadtverwaltung. „Wir haben weder die Kapazitäten noch die Aufgabe, solchen Hinweisen nachzugehen“, sagt Sprecherin Sylvia Otto. Hier seien die Deutsche Bahn beziehungsweise deren Tochterfirmen der richtige Ansprechpartner.

Die Bahn hat es geprüft

Bei der Bahn kümmert sich Pressesprecher Jörg Bönisch um das Anliegen. „Wir haben den vom Reisenden geschilderten Sachverhalt geprüft und festgestellt, dass die Waschbecken in der Toilette in Ordnung sind“, erklärt er. Dort sei es möglich, sich die Hände zu waschen – und zwar so, wie es das Robert-Koch-Institut (RKI) in seinen Hygiene-Tipps empfiehlt. Das RKI gebe dem Händewaschen gegenüber der Desinfektion den Vorzug, sagt Bönisch: „Dennoch werden in Kürze Spender für Desinfektionsmittel angeboten, der Auftrag ist ausgelöst.“ Damit steht zwischen Harmuth und Bönisch jetzt Aussage gegen Aussage. Beim Vor-Ort-Termin der SZ in dieser Woche war Händewaschen ebenfalls möglich.

Aus anderen öffentlichen Toiletten in Görlitz sind seit Beginn der Corona-Pandemie keine Probleme bekannt geworden. Die Stadt betreibt eine ganze Reihe WC-Anlagen, unter anderem in der Apothekergasse, am Stadtpark, in der Brückenstraße, am Busbahnhof und am Nordoststrand des Berzdorfer Sees. „In den öffentlichen städtischen Toiletten werden die Hygiene-Regeln in Zeiten der Corona-Pandemie umgesetzt“, sagt Sylvia Otto. Das bedeutet zum Beispiel, dass bei Anlagen, die durch mehrere Personen gleichzeitig betreten werden können, Schilder angebracht wurden, dass ein Mund- und Nasen-Schutz zu tragen ist. „Grundsätzlich besteht auch bei allen Anlagen die Möglichkeit, sich nach dem Toilettengang die Hände gründlich mit Seife zu waschen“, erklärt Sylvia Otto. Die Toiletten werden mehrmals täglich durch die Reinigungsfirma mit Desinfektion gereinigt. Dabei werden auch die Seifenspender aufgefüllt.

Desinfektionsmittel wird geklaut

Ein Problem: Zwar hat die Stadt auf allen ihren öffentlichen Toiletten Desinfektionsmittel für die Hände bereitgestellt. Allerdings sei es bereits mehrmals zum Diebstahl der Desinfektionsmittel gekommen, erklärt die Sprecherin.

Sehr ruhig ist es hingegen seit Beginn der Corona-Pandemie in einer weiteren privaten Toilette: Der scharfen Ecke am Demianiplatz/Ecke Teichstraße. Betrieben wird sie von der Stadtleben Görlitz GmbH. „Wir haben die Zeit für eine Renovierung genutzt“, sagt Geschäftsführer Andreas Lauer. Aktuell fehlen die Reisebusse mit Touristen: „Zu uns kommen nur sehr wenige Kunden.“ Trotzdem weisen Schilder auf die Abstandsregeln hin, es gibt Desinfektionsmittelspender und die Toiletten werden regelmäßig gereinigt. „Die Türgriffe beispielsweise werden jetzt noch öfter gereinigt als sonst“, sagt der Geschäftsführer.

Toiletten verursachen Defizit

Im Stadtrat am Donnerstag regte Jens Jäschke (AfD) an, auch die frühere Toilette am Durchgang zwischen Elisabethstraße und Fischmarkt zu reaktivieren. Bürgermeister Michael Wieler lehnt das mit Blick auf die Kosten ab: „Pro Toilettenstandort haben wir im Jahr 12.000 bis 13.000 Euro Defizit.“ Zudem sei es schwer, Eintritt zu verlangen, um das Defizit zu verringern: „Wenn wir Geld nehmen, kommt es vor, dass die Leute an die Tür pinkeln“, sagt Wieler. So schlimm war es auf der Bahnhofstoilette nicht, als Mike Harmuth dort war. „Aber in puncto Sauberkeit war das trotzdem ein Negativ-Beispiel“, sagt er.

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