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Hoyerswerda

Immerwährender Kampf und ein Jubiläum

Seit 25 Jahren engagiert sich der Verein „Katzenhilfe“ für den Tierschutz. Keine leichte Aufgabe.

Schichtleiterin Simone Kühn mit einer der fünf Katzen, die vor ein paar Wochen in Ralbitz-Rosenthal ausgesetzt wurden.
Schichtleiterin Simone Kühn mit einer der fünf Katzen, die vor ein paar Wochen in Ralbitz-Rosenthal ausgesetzt wurden. © Foto: Silke Richter

Hoyerswerda. Christina Koch huscht ein Lächeln übers Gesicht, als sie von den fünf Katzenbabys berichtet, die sich glücklicherweise sehr gut entwickeln. Sie wurden vor einigen Wochen in einem Waldstück bei Ralbitz-Rosenthal in einer Kiste ausgesetzt. Als ein Spaziergänger die Kiste mit den unterkühlten und stark geschwächten Tieren fand und öffnete, huschte das verängstigte Muttertier heraus und suchte Schutz im Dickicht. Trotz mehrtägigen Suchaktionen und bereitgestelltem Futter tauchte die Mutterkatze am Fundort nicht mehr auf. „Andere Tierheime in der Umgebung haben es abgelehnt, die Katzenbabys aufzunehmen. Wir hätten es aus wirtschaftlichen Gründen eigentlich auch nicht tun dürfen. Aber das haben wir nicht übers Herz gebracht. Ich überlasse doch Katzenbabys nicht einfach ihrem Schicksal in der Wildnis da draußen“, meint Christina Koch etwas aufgebracht.

Ob die Jungtiere in ihrem Zustand überleben würden, war bis vor Kurzem noch völlig unklar. Schaut man sich die Tiere aber heute an, ist ganz offensichtlich, dass ihnen durch das Engagement der Mitarbeiter aus dem Katzentierheim Hoyerswerda das Leben gerettet werden konnte. Hoffentlich finden sie bald ein schönes Zuhause und verantwortungsvolle Besitzer. Wenn es so weit ist und Christina Koch langfristig darauf hoffen kann, dass es den Tieren dort gut geht, wird wieder ein zufriedenes Lächeln über ihr Gesicht huschen.

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Doch diese schönen und glücklichen Momente, von denen die Tiere im Heim und letztlich auch die Mitarbeiter lange zehren können, werden wohl immer weniger. Das Team um Christina Koch hat zwar gelernt zu kämpfen, doch die ständigen Herausforderungen, die es im Alltag zu bewältigen gibt, fordern irgendwann ihren Tribut. Es ist ein ständiges Hin-und-her zwischen Besorgnis, enormen Druck, Hoffnung, Mut, begleitet von Existenzängsten.

Momentan kümmern sich sieben Tierpfleger im Zweischichtsystem um mehr als 150 Katzen, die gefüttert, gepflegt und tierärztlich versorgt sein wollen. Das bedeutet unter anderem, zig Futter- und Trinknäpfe sowie Katzentoiletten zu reinigen und zu desinfizierten. Und das mehrmals täglich. Die Quarantänestation erfordert besonders hohe hygienische Maßnahmen, um den Ausbruch von Infektionskrankheiten eindämmen zu können.

Es handelt sich bei den zu pflegenden Heimkatzen um Abgabe- oder Fundtiere. Einige Katzen werden in der Nacht auch einfach über den Zaun des Tierheimes gesetzt, um sich ihrer zu entledigen. So ist es auch im Dezember 2019 passiert, kurz nachdem bekannt wurde, dass sich zu Jahresbeginn die tierärztlichen Behandlungskosten im Notdienst drastisch erhöhen werden. Christina Koch vermutet, dass sich deshalb einige Katzenbesitzer aus Angst vor zu hohen finanziellen Kosten von ihren Tieren trennten. Eine offizielle Abgabe hätte freilich Geld gekostet. Denn die Unterhaltungskosten können nämlich nicht aus den eh schon sehr eng bemessenen Vereinsgeldern finanziert werden. Was viele nicht wissen: Die Tierschutzarbeit der Mitarbeiter geht außerhalb des Heimes weiter. Um die Population von wildlebenden Katzen einzugrenzen, wird mit Unterstützung von ehrenamtlichen Vereinsmitgliedern versucht, diese Tiere behutsam einzufangen, um sie kastrieren/sterilisieren zu können. Nach ihrer Genesung werden sie wieder in die Freiheit entlassen. Eigentlich, so Christina Koch, brauche das Tierheim bei diesem hohen Arbeitspensum mindestens noch drei weitere Mitarbeiter. Aber das kann sich der Verein „Katzenhilfe“ nicht leisten. „Das vorhandene Personal und die ehrenamtlichen Helfer tun ihr Bestes. Besonderer Dank geht dabei an das Ehepaar Eulert. Aber auch hier ist die Grenze irgendwann erreicht“, meint Christina Koch traurig.

Die Tierheimleiterin und ihr Team freuen sich deshalb über jegliche Art von Unterstützung. Manuela Knoll kümmert sich um die Facebook-Seite der Hoyerswerdaer Katzenhilfe und ist ständig auf der Suche nach neuen Ideen, um Hilfsangebote zu organisieren. Mit der neu gegründeten Teaming-Gruppe können deren Mitglieder pro Monat 1 Euro spenden, um die monatliche Versorgung von Katzen zu sichern. Vielleicht, so hofft Manuela Knoll, reicht das Geld irgendwann sogar für eine weitere Arbeitskraft. Eine weitere Aktion ist „Platz schaffen mit Herz“. Nicht mehr gebrauchte Kleidungsstücke können kostenfrei an die Initiatoren geschickt werden, damit alte Kleidung neue Wege gehen kann und der Umwelt zuliebe nicht vernichtet werden muss. Die Erlöse kommen gemeinnützigen Zwecken zugute und jeder Kleiderspender darf selbst entscheiden, wohin die Spende geht. Am 17. März begeht der Verein „Katzenhilfe“ übrigens sein 25-jähriges Jubiläum. Es soll aber ein stilles Fest werden. „Wir kümmern uns lieber um die Katzen. Das ist viel wichtiger“, so Christina Koch.