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Hoyerswerda

Ines Lenke räumt auf

Die stadtbekannte Hoyerswerdaer Kunst-Lehrerin quittiert den Schuldienst.

Ines Lenke hat
rein formal die Rente erreicht, wird aber weiter künstlerisch tätig sein. Doch zunächst muss im Atelier im
Gymnasium das Lager aufgeräumt werden.
Ines Lenke hat rein formal die Rente erreicht, wird aber weiter künstlerisch tätig sein. Doch zunächst muss im Atelier im Gymnasium das Lager aufgeräumt werden. © Foto: Mirko Kolodziej

Hoyerswerda.  Peter Müller ist 1976 in Hoyerswerda geboren und lebt heute als Künstler in Berlin. „Er war grundlegend für mein weiteres Leben“, sagt er über den Kunstunterricht am Léon-Foucault-Gymnasium bei Lehrerin Ines Lenke: „Sie hat einem die Scheu genommen, sich an künstlerische Arbeiten heranzutrauen. Von ihr habe ich meine ganze Haltung zur Arbeit.“ Direkt nach dem Zivildienst hat Peter Müller sich zum Bildhauer ausbilden lassen und anschließend ein Kunststudium absolviert.

Eine seiner Mitschülerinnen ist Maskenbildnerin geworden, eine andere als Restauratorin tätig. „Ich habe immer große Freude daran gehabt, mit Schülern zu arbeiten“, sagt ihre Lehrerin. Ines Lenke räumt dieser Tage das Atelier im Gymnasium auf. Die 63-Jährige hängt den Schuldienst an den Nagel, geht in den (Un)Ruhestand. Für Kunst hat sie sich schon immer interessiert. Ihre Mutter, erzählt sie, sei da ein Vorbild gewesen. Kein Wunder also, dass sie als Schülerin an der POS 7 „German Titow“ im WK III in der Kunst-AG von Lehrerin Irene Clauß mitmachte.

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Nach dem Studium fing Ines Lenke 1981 zunächst in der POS 9 „Handrij Zejler“ im WK V an, wechselte dann zu Beginn der 1990er ins Stadtzentrum. Seit gut einem Vierteljahrhundert verbindet sich ihr Name nun mit der künstlerischen Ausbildung am Foucault-Gymnasium. Das, was die Pädagogin dort versucht hat, beschreibt sie selbst als einen „persönlichen Unterricht von Auge zu Auge. Jeder sollte seine Kreativität leben und seinen Stil entwickeln können und ich habe mich gern darauf eingelassen.“ Generationen von Leistungskurs-Schülern hat Ines Lenke die Freiräume eröffnet, auch über ihr Gymnasium hinaus künstlerisch aktiv werden zu können.

So gab es Ausstellungen nicht nur im Schloss, im Bergbaumuseum in Knappenrode, in der Landesfeuerwehrschule in Nardt, in Autohäusern oder im damaligen Lesecafé am Haag, sondern dreimal auch im Kultus- sowie einmal im Finanzministerium in Dresden. Schülerinnen und Schüler gestalteten in Knappenrode in einem ehemaligen Luftschutzbunker „Kunst unter der Erde“ oder stellten Skulpturen am Barbarakanal zwischen Geierswalder See und Partwitzer See auf. Und am Gebäude des Labors für Mikrobiologie und Hygiene in Kühnicht findet sich die großformatige Wandgestaltung „Kleines ganz groß unterm Mikroskop“.

Das eigene Atelier wartet

Für Aufmerksamkeit in der Stadt sorgten auch verschiedene Tanztheater-Performances. Unter Ines Lenkes Ägide beteiligte sich das Gymnasium an den KunstLandStrichen der KuFa, und wenn in den Jahren dazwischen Kunstmarkt war, schickte sie ihre Leistungskursler zum Sammeln von Inspirationen hin. Mit einem Jahrgang fuhr sie zum Bronzegießen nach Welzow, mit einem anderen nahm sie gerade am Bildhauersymposium im Zoo teil. Stadtbekannt sind zudem die bunten Fotos, die beim Bodypainting am Ostseestrand in Trassenheide entstanden sind. Allein diese Studienwochen im Norden gibt es nun seit sage und schreibe 19 Jahren.

Sie gehe nun mit einem weinenden und einem lachenden Auge, hat Ines Lenke ihrem Elfer-Leistungskurs am Ende der Bildhauerei-Projektwoche gesagt. Während der intensiven Arbeit mit den Mädchen und Jungen ist eine Art Vertrautheit entstanden. Andererseits würden sie auch mit ihrem Kollegen Tino Jehnichen sicher gut klarkommen. Und: „Ich sage immer, ich gehe nicht in Vorrente, sondern in mein eigenes Atelier.“ Die Arbeit für die Schule und mit den Schülern stand bisher immer an erster Stelle. Nun will sich Ines Lenke verstärkt wieder eigenem künstlerischem Schaffen widmen. Sie bewohnt seit 2002 eine ehemalige Scheune in Tätzschwitz, in der auch ihr Atelier untergebracht ist. Dieses, sagt sie, müsse nun erst einmal auf Vordermann gebracht werden.

Wie‘s scheint, fängt das neue Leben genauso an, wie das alte aufgehört hat – mit Sortier- und Aufräumarbeiten.