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Ärger im Badeparadies

Der Inselsee zwischen Biehain und Kaltwasser zieht seit Jahren Besucher an. Doch hinter der Idylle gibt es Streit.

Marcel Jentho hat den Inselsee zu einem Badeparadies entwickelt. Doch mit Reitern und ihren Pferden steht der Pächter auf Kriegsfuß.
Marcel Jentho hat den Inselsee zu einem Badeparadies entwickelt. Doch mit Reitern und ihren Pferden steht der Pächter auf Kriegsfuß. ©  Archiv/André Schulze

Seit 2016 geht es aufwärts mit dem Inselsee. Damals hatte der Nieskyer Marcel Jentho das Areal gepachtet - zusammen mit dem Badesee auch zwei kleineren Seen in unmittelbarer Nähe. 

Gäste äußern sich seitdem lobend über die Veränderungen. Feinkörniger Sandstrand, ordentliches Ambiente, kein umherliegender Müll. Verbesserungen bei Sanitäreinrichtungen und Versorgung sind in Sicht. Zudem bietet der See mit das sauberste Wasser, das es in den Badegewässern des Kreises Görlitz gibt. Konflikte passen da eigentlich nicht ins Bild vom sorgenfreien Badeparadies.

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Und doch gibt es sie. Vor allem der Besuch von Reitern, die mit ihren Pferden ins Wasser wollen, hat die Wellen schon so manches Mal hochschlagen lassen. Erst jüngst gab es wieder einen solchen Fall, der nun sogar die Polizei beschäftigt. Was genau passiert ist, lässt sich nur schwer nachvollziehen, denn die Schilderungen der Beteiligten gehen weit auseinander. Mitte Juli hatten drei Frauen, die namentlich nicht genannt werden wollen,  beim Reit- und Fahrverein Horka ihre Pferde gesattelt und sich auf den Weg in Richtung Kaltwasser gemacht.

Dort wollten sie mit den Tieren ins Wasser - nicht in den Inselsee, sondern in eines der beiden kleineren Gewässer nebenan. "Bevor wir den See erreichten, kam ein dunkelgraues Quad, stark verschmutzt, Kennzeichen nicht erkennbar, mit einem Mann, blonde Haare, etwa Ende 30 und 1,80 Meter groß auf uns zu", schildert eine der Reiterinnen das Geschehen. Er habe den Frauen "in strengem Ton" klar gemacht, dass er der Pächter sei, der See ihm gehöre "und wir hier unerwünscht sind". 

Daraufhin nahmen die Reiterinnen Kurs auf den zweiten kleinen See. "Menschenleer, sehr zugewachsen", beschreibt eine der Frauen das Ambiente. Und: "Es gab keine Schilder oder Absperrungen auf dem Weg dahin." Was die Drei nicht ahnten: Auch der Quad-Fahrer erschien wieder - und fing nach Darstellung der Reiterinnen an zu brüllen: Er wolle den Schaden bezahlt haben, den die Pferde verursacht hätten.

Pferd scheut, Reiterin hat Angst um ihr Leben

Nach einigem Hin und Her habe sich der Mann mit seinem Quad zwischen die Pferde gedrängt, so die Frauen. Eins davon scheute. Seine Reiterin bekam Angst, fing an zu schreien. Auch ein zweites Pferd stellte sich auf die Hinterbeine, ging durch und kam erst am Waldrand zum Stehen. Als sie nach langen 45 Minuten endlich wegreiten konnten, habe ihnen der Mann Folgendes mit auf den Weg gegeben: "Wir sollten allen sagen, dass sie weder mit Pferd noch Hund herkommen sollen."

Matthias Barth hat zwar Kenntnis von dem Zwischenfall, dazu öffentlich äußern will sich der Vorsitzende des Reit- und Fahrvereins "Wehrkirch" aber nicht. Auch Mario Jakob fällt das schwer. Zumindest berichtet der Biehainer, der gleich neben dem Inselsee-Grundstück eine Landwirtschaft betreibt, von einem ähnlichen Vorfall im vergangenen Jahr. "Eine Frau, die bei uns ihr Pferd eingestellt hatte, ging mit dem Tier und ihren beiden Kindern in der Nähe der kleinen Seen spazieren. Da ist Herr Jentho laut geworden." So könne man nicht mit anderen Menschen umgehen, kritisiert Jakob. Er selbst wolle mit seinem Nachbarn deshalb nichts zu tun haben.

Auf den Wegen des Geländes rund um den Inselsee hat Pächter Marcel Jentho Verbotsschilder für Reiter aufgehängt. Drei Frauen, mit denen er kürzlich aneinander geriet, wollen das nicht gesehen haben.
Auf den Wegen des Geländes rund um den Inselsee hat Pächter Marcel Jentho Verbotsschilder für Reiter aufgehängt. Drei Frauen, mit denen er kürzlich aneinander geriet, wollen das nicht gesehen haben. © André Schulze

Jentho selbst bestätigt zwar das Aufeinandertreffen mit den drei Frauen und ihren Pferden, "würde auch gern erzählen", was sich aus seiner Sicht zugetragen hat. Aber: "Ich darf nicht. Das ist ein offenes Verfahren." Allerdings könne er beweisen, dass es nicht so war wie von den Reiterinnen dargestellt. Denn: Er habe das Geschehen mit seinem Handy aufgenommen. "Die Polizei hat die Beweise auf dem Tisch."

In den vergangenen Jahren, so Jentho, habe er sich am Inselsee etwas aufgebaut. Dies lasse er sich von den Reitern nicht kaputt machen. Dass er sie von seinem gepachteten Grundstück gejagt habe, sei sein gutes Recht gewesen. Gegen Hunde habe er im Übrigen nichts einzuwenden. "Die machen nicht ins Wasser. Aber Pferde lassen ihre Kacke fallen, wo sie wollen." Er müsse das Gelände schließlich sauberhalten.

See-Besitzer wollen sich für Lösungen einsetzen

Für Horkas Bürgermeister Christian Nitschke ist die Situation rund um den Inselsee ein zweischneidiges Schwert. "Ehe Herr Jentho das Areal übernommen hat, war hier wildes Baden angesagt. Entsprechend wüst sah es oft aus." Der Pächter habe dann für Ordnung gesorgt und einen Sandstrand angelegt. Dass es zwischen ihm und den Reitern zuweilen zu Konflikten kommt, findet der Bürgermeister schade. Er stellt aber auch klar: Außerhalb ausgewiesener Reitwege dürfen Reiter das öffentliche Straßen- und Wegenetz nutzen. Entsprechende Strecken gebe es auch am Inselsee.

Besitzer des Geländes sind zwei Herren aus dem Breisgau im Südwesten Deutschlands: Nikolaus von Gayling und Paul Lübbers. Dem einen gehört der Inselsee samt umliegender Flächen, dem anderen die beiden kleineren Seen. "Herr Jentho schießt manchmal übers Ziel hinaus", räumt von Gayling ein. Unter anderem deshalb sei er im Moment auch vor Ort - "um die Leute wieder ein bisschen runterzuholen." Grundsätzlich aber ist er angetan von dem, was sich am Inselsee entwickelt hat. Genauso sieht es Paul Lübbers: "Herr Jentho hat das Areal hier auf Vordermann gebracht." Für die Reibungspunkte müssten natürlich Lösungen gefunden werden. "Es bringt ja nichts, wenn es hier ständig Ärger gibt."

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