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Instagram-Stars im Nationalpark

In Bayern löste Influencerin Yvonne Pferrer mit einem strittigen Foto einen Shitstorm aus. Jetzt war sie in der Sächsischen Schweiz unterwegs.

Tolles Foto, ganz legal: die Kleinsteinhöhle in der Sächsischen Schweiz.
Tolles Foto, ganz legal: die Kleinsteinhöhle in der Sächsischen Schweiz. © Steffen Unger

Es ist ein paradiesisches Motiv: Eine junge Frau sonnt sich in einem wassergefüllten Felsbecken, im Tal ist ein türkisblauer See zu sehen, dahinter steil aufragende Berge. Über 85.000 Likes hat die Influencerin Yvonne Pferrer für dieses Foto auf Instagram eingesammelt und mehr als 5.000 Kommentare - von denen viele allerdings äußerst kritisch ausfielen. Zahlreiche Nutzer forderten die Influencerin auf, das Bild zu löschen. 

Zu den Kritikern gehörte der Nationalpark Berchtesgaden. Dort entstanden die Aufnahmen.  "Lösche Deinen Post", schrieb die dortige Nationalparkverwaltung und bat die Instagrammerin dringend darum, auf eine Wegbeschreibung zu dem Fotospot zu verzichten. Vor Ort sei bereits alles zertrampelt, die Natur werde durch die Instagram-Posts zerstört, da sie unzählige Nachahmer anlocken.  

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Das Felsbecken und der Steilhang sind zudem gefährlich. Erst im vergangenen Frühjahr waren in der Nähe zwei junge Männer ums Leben gekommen. Zum Posting gehört auch ein per Drohne gefilmtes Video, das den Naturpool und den Wasserfall, der sich von dort eine steile Felswand hinunter ergießt, aus der Luft zeigt. Drohnenflüge sind in dem Nationalpark nicht gestattet. 

Gelöscht hat Yvonne Pferrer die Anfang Juni geposteten Aufnahmen nicht. Sie fügte lediglich einen Hinweis auf die Gefahren und die negativen Folgen für die Natur hinzu.

Die 25-Jährige hat über 1,2 Millionen Follower auf Instagram. Gemeinsam mit ihrem Partner Jeremy Grube (365.000 Abonnenten) ist sie im ausgebauten Van auf Reisen. Von unterwegs versorgen die Zwei, die beide durch die RTL2-Vorabend-Soap "Köln 50667" bekannt wurden, ihre Fans regelmäßig mit Fotos, Videos und Insta-Storys. 

Lob vom Nationalpark Sächsische Schweiz

Vor gut einer Woche erreichten die beiden auf ihrer Deutschland-Rundreise die Sächsische Schweiz. Ein erstes Selfie zeigt das Paar küssend vor der Basteibrücke. Es folgen Bilder auf denen sie am Kleinen Winterberg, der Idagrotte oder den Herkulessäulen posieren. 

Die Nachricht von dem zweifelhaften Foto in Bayern ist auch in der Sächsischen Schweiz angekommen. Es gab durchaus die Befürchtung, dass sich ähnliches im hiesigen Nationalpark wiederholen könnte. Das blieb aber aus. Die Nationalparkverwaltung lobt den mittlerweile wieder abgereisten Instagram-Star sogar. 

"Es geht also doch", schreibt Nationalparksprecher Hanspeter Mayr. Bei Regen und Gewitter habe Yvonne Pferrer intensive Naturerlebnisse im Elbsandsteingebirge gehabt - und diese ihren 1,2 Millionen Followern präsentiert, ohne dabei mit den Regeln des Nationalparks in Konflikt zu geraten. "Die Nationalparkverwaltung begrüßt dies ausdrücklich." 

Die spektakuläre Felslandschaft der Sächsischen Schweiz habe schon immer "Bildermenschen" inspiriert, erklärt Mayr. Die Maler der Romantik waren die Ersten. Diese Faszination werde heute auf Plattformen wie Instagram auf die Spitze getrieben. Weniger bedacht werde dabei, was passiert, wenn zahlreiche Follower dann ebenfalls dorthin pilgern, sich an der gleichen Stelle fotografieren und dies wieder posten. Für Vegetation und Tierwelt könne ein fatales Schneeballsystem entstehen. 

An immer mehr Stellen, die früher kein Wanderer betreten hat, entdeckt die Nationalparkwacht heute Erosion und zertretene Felsvegetation. Mithilfe von GPS-Koordinaten finden auch gebietsfremde Fotografen problemlos die abgelegensten Orte. Gerade bei steigenden Besucherzahlen sei es aber wichtig, dass alle auf den markierten Wegen bleiben, kein Feuer anzünden, ihren Müll mitnehmen und nicht mit der Drohne filmen, erklärt Mayr.

Tourismusverband spricht Fotografen gezielt an

Dass keine kritikwürdigen Bilder entstanden sind, könnte auch mit der richtigen Reaktion zu tun haben. In Absprache mit dem Nationalpark hat der Tourismusverband Sächsischen Schweiz die Influencerin Yvonne Pferrer auf Instagram angeschrieben, sie in der Sächsischen Schweiz willkommen geheißen und sie freundlich auf die Regeln im Nationalpark - Wegegebot, keine Drohnen - hingewiesen. Es sei eine ebenso freundliche und verständnisvolle Antwort zurückgekommen, erklärt Yvonne Brückner vom Tourismusverband. 

Für die Touristiker sind Reiseblogger und Fotografen willkommene Gäste. "Jedes schöne Foto ist Gratiswerbung für die Region", sagt Yvonne Brückner. Natürlich müsse alles im Einklang mit dem Naturschutz stehen, das sei ein großer Balanceakt. Auf seiner Website spricht der Tourismusverband Fotografen deshalb gezielt an, gibt Hinweise zu Fotospots und Regeln und veranstaltet sogar eigene Fotospaziergänge. 

In verbotener Boofe geschlafen?

Im Netz gibt es allerdings Zweifel, ob sich die beiden Influencer wirklich zu hundert Prozent an die Regeln gehalten haben. Auf einer lokalen Facebookseite sind Screenshots einer Instagram-Story von Jeremy Gruber aufgetaucht, die Boofer mit Schlafsäcken in der Idagrotte zeigen und einen jungen Mann, der sich offenbar in der Kirnitzsch wäscht. Beides ist nicht gestattet.

Für die Idagrotte kann Nationalparksprecher Hanspeter Mayr Entwarnung geben. Das Boofen ist dort nicht erlaubt, bei den fotografierten Übernachtungsgästen handele es sich aber nicht um Yvonne Pferrer und Jeremy Grube. Die beiden seien frühmorgens aus dem Kirnitzschtal zur Idagrotte hinaufgewandert und dort auf die Boofer getroffen. Das sei aus der Instagram-Story hervorgegangen.

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Die Kirnitzsch allerdings hätte Jeremy Grube im Nationalparkgebiet nicht betreten dürfen. Nach einem Hinweis des Tourismusverbands hat Yvonne Grube die betreffende Szene aus der ohnehin nur 24 Stunden sichtbaren Instagram-Story gelöscht. Der Nationalpark freut sich, dass sich dieses Bild damit nicht an 1,2 Millionen Follower verbreitet hat. Gegenüber dem Negativ-Vorbild aus dem Nationalpark Berchtesgaden sei dies aber vergleichsweise harmlos gewesen.     

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