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Power-Mama nach Oma-Opa-Entzug

Wie eine Kodersdorferin sich in der Corona-Krise anders organisiert und völlig neue Seiten an sich entdeckt.

Jenny Meseberg arbeitet in der Notaufnahme des Krankenhauses Emmaus in Niesky.
Jenny Meseberg arbeitet in der Notaufnahme des Krankenhauses Emmaus in Niesky. © André Schulze

Mit Krankheiten hatte Jenny Meseberg (27) beruflich schon immer zu tun. Doch das Corona-Virus stellt die Kodersdorferin vor völlig neue Herausforderungen. Hier erzählt sie, wie es klappen kann, Job und Familie unter einen Hut zu bringen.

Als medizinische Fachangestellte in der Notaufnahme des Krankenhauses Emmaus in Niesky weiß ich natürlich, was Stress bedeutet. Der hat in der Corona-Krise noch um einiges zugenommen. Was aber nicht allein an meinem Beruf liegt, sondern auch an den Einschränkungen, mit denen wir alle zurecht kommen müssen.

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Unsere Tochter wird im Mai drei Jahre alt. Wie und ob wir den Geburtstag feiern können, weiß heute noch niemand. Für die Kleine ist die aktuelle Situation schon jetzt ein großer Einschnitt, denn in der Kita gibt es nur noch Notbetreuung. Die meisten ihrer Spielgefährten sind nicht da. Mein Mann und ich haben versucht, ihr das zu erklären: Weil viele Leute krank werden könnten, müssen wir uns jetzt aus dem Wege gehen.

Kleine Tochter steht jetzt viel mehr im Fokus

Das einzuhalten ist nicht immer leicht. Am meisten vermissen wir Drei den Kontakt zu Oma und Opa. Die Großeltern haben sich bisher viel um unsere Tochter gekümmert. Das fällt nun komplett weg. Der Kontakt ist bis auf Weiteres tabu - schon weil ich durch meinen Beruf nie garantieren kann, dass ich nicht doch irgendwann angesteckt werde. Deshalb sind wir aktuell noch mehr als Eltern gefordert.

Das ist nicht immer leicht. Denn wenn ich nach Hause komme, ist der Kopf noch voll mit anderen Dingen. Da heißt es dann: Alles abschalten und auf die Kleine konzentrieren. Dann stehen spielen, puzzlen und basteln im Vordergrund. Wir gehen auch viel raus, fahren Rad oder spazieren - mit dem nötigen Abstand natürlich - durch den Ort. Ostern wird sicher nochmal eine Herausforderung. Aber wir wissen ja, wofür wir das machen. Die Oma ist über 80 Jahre, da dürfen wir nichts riskieren.

Situation wird oft noch verharmlost

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Um so unverständlicher sind für mich manchmal die Gespräche, die ich im Supermarkt mitbekomme. Die Situation wird oft verharmlost. Aber ich arbeite im Gesundheitswesen und weiß: Das Virus geht an unserer Region nicht vorbei, nur weil das Umfeld ein bisschen ländlicher ist. Natürlich wünsche ich mir auch, dass sich alles so schnell wie möglich normalisiert. Aber das wird noch sehr lange dauern - eher Monate statt Wochen. An meinem Optimismus ändert das nichts, denn die Zeit nach der Krise kommt ganz bestimmt!

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