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Italienische Musik auf Görlitzer Plätzen

Straßenmusiker bereichern das Stadtbild, oft sind es ausländische. Doch bleiben die wenigsten Passanten tatsächlich stehen.

Berufsmusiker Stani Dumanski spielt oft in Görlitz.
Berufsmusiker Stani Dumanski spielt oft in Görlitz. © SZ/dan

Von Patricia Serve

Es ist Montag, 11.55 Uhr. Wer auf der Berliner Straße unterwegs ist, hört in der Ferne Glocken klingen. An der Kreuzung Hospitalstraße schallt lautstark ein Titel der Sängerin Sia aus einem älteren Fiat. Nicht ganz die Art Straßenmusik, die man sich wünscht. Auch der Rest der Stadt liegt heute in Stille. Doch wo sind die Straßenmusiker, die sonst das kulturelle Bild von Görlitz bereichern? Sind die Vorschriften zu streng? Eher nicht. Zwar hat Görlitz im Gegensatz zu Bautzen strengere Bestimmungen, wo es nur eine Regel gibt: Das Instrument darf nicht zu laut sein und niemanden stören.

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In Görlitz gilt das auch, aber prinzipiell darf jeder spielen, wo er möchte. Eine Genehmigung aus dem Rathaus müssen sich Musikergruppen mit mehr als vier Künstlern sowie Nutzer lautstarker Instrumente, oder elektrischer Geräte, wie Verstärker sowie CD-Player besorgen. Auch für den Verkauf von Musikdatenträgern oder den Anspruch einer Fläche von mehr als zwei mal einem Meter ist eine Erlaubnis nötig. Weiterhin sollen Musiker aller 30 Minuten ihren Spielort wechseln und diesen um mindestens 200 Meter verlegen, damit Anwohner und Händler nicht gestört werden.

Ein paar Tage später. Kurz vor dem Wochenende klingt es in der Altstadt dann plötzlich doch musikalisch. Auf dem Untermarkt packt Stanislaw „Stani“ Dumanski jedoch seinen Gitarrenkoffer. Heute war kein guter Tag für ihn. Gerade einmal vier Euro hat der 82-Jährige in der letzten Stunde einnehmen können. Nun möchte er sein Glück auf der Altstadtbrücke versuchen. In seinem Leben hat er schon viel gesehen. Seine Mutter war Italienerin, doch nach Kriegsende zogen sie nach Polen. Hier lebt er noch heute, in einem Dorf etwa 70 Kilometer von der Grenze entfernt. Er ist professioneller Musiker und macht seit 15 Jahren Straßenmusik. Als sein Lieblingsinstrument bezeichnet er die Trompete, doch in Görlitz begleitet er seinen Gesang oft mit der Gitarre. Dabei spielt er verschiedenste Stücke aus dem Repertoire, das er sich in seinem Leben angeeignet hat – von italienischen Volksliedern über Operetten bis hin zu deutscher Folklore.

Berlin, Hamburg und Dresden sind nur einige der Städte, in denen er auch spielt. Als er von Berlin erzählt, kommt er ins Schwärmen. Das Publikum ist größer, er hat dort viel bessere Einnahmen. Einmal lagen am Ende des Tages ganze 187 Euro in seinem Koffer. Das sind immerhin 72 Euro mehr als sein Tages-Rekord für Görlitz. Zugtickets nach Berlin sind aber kaum erschwinglich bei der winzigen Rente, die er bekommt.

Auch von der Brüderstraße und dem Marienplatz tönen am Freitag Akkordeonklänge. Zwei ausländische Musiker versuchen, ein wenig Geld zu verdienen. Zwar haben sie mehr Münzen in ihrem Hut als Stani, doch bleibt trotzdem kaum jemand stehen. Görlitz ist wohl nicht das beste Pflaster für Straßenmusiker, dem Flair der Stadt tun sie aber unheimlich gut.

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