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Jetzt ist der Weg frei für Edeka 

Löbau hat eine Neuauflage des Einzelhandelskonzepts verabschiedet. Das sagt, wie die Zukunft in Sachen Handel aussehen soll. Die Stadt war schon einen Schritt voraus.

Bald auch in Löbau? Wenn es nach der Stadt und dem Einzelhandelskonzept geht, soll Edeka ins Zentrum kommen.
Bald auch in Löbau? Wenn es nach der Stadt und dem Einzelhandelskonzept geht, soll Edeka ins Zentrum kommen. © dpa/Symbolfoto

Die Stadt hatte ja im Vorfeld viel Kritik einstecken müssen - immer wieder beklagten Stadträte, dass sich die Stadt nicht an ihre selbst gesetzten Vorgaben in Sachen Handel hält. Vor allem Vertreter der Bürgerliste hatten immer wieder kritisiert, dass nicht genügend darauf geachtet würde, die Ziele voranzutreiben, die festgehalten sind. Sie stehen im Einzelhandelskonzept, dass die Stadt vor zehn Jahren hatte erstellen lassen. Das Papier soll aufzeigen, wie sich eine Stadt weiter entwickeln kann in Sachen Handel. 

Immer wieder gab es in Löbau in der Zwischenzeit Anfragen und Bemühungen von Handelsunternehmen, sich zu vergrößern oder neu zu bauen. So meldete zum Beispiel Norma Bedarf an, sich im Einkaufszentrum an der Breitscheidstraße erweitern zu wollen. Die Stadt sprach sich dafür aus - auch das ein Widerspruch zum Einzelhandelskonzept, kritisierten Ratsmitglieder. Sie plädierten dafür, neue Festlegungen zu treffen und das Papier zu aktualisieren. Denn die Betrachtungen aus dem alten Papier von 2009 reichten nur bis zum Jahr 2015. 

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Wichtigste Erkenntnis: die Innenstadt stärken

Nun hat die Stadt ihr Einzelhandelskonzept überarbeiten lassen. Rausgeschmissenes Geld, wie es Stadtrat Klaus Werner (AfD-Fraktion) bezeichnete, ist das für Oberbürgermeister Dietmar Buchholz (parteilos) nicht. Werner hatte sich vom Einzelhandelskonzept mehr Hinweise erhofft, wie es weitergehen könne. Aus seiner Sicht enthalte das Papier zu wenig neue Erkenntnisse. 

Ein Hamburger Planungsbüro hat das Einzelhandelskonzept überarbeitet. Dazu kamen Mitarbeiter des Unternehmens auch vor Ort, nahmen den Bestand auf, besichtigten alle Löbauer Geschäfte. Jonas Hoffmann vom Planungsbüro stellte es jetzt vor. Das Konzept würde künftig Planungen erleichtern, erklärt Hoffmann den Sinn eines solchen Einzelhandelskonzepts. Damit könne man zum Beispiel geplante Standorte besser begründen. 

Oberbürgermeister Dietmar Buchholz sieht mit der Einschätzung der Experten die bisherige Sicht und die Entscheidungen von Stadt und Stadtrat bestätigt. Denn die Neuauflage des Einzelhandelskonzepts kommt zu dem Ergebnis, dass mehr Handel in die Innenstadt muss. Und das nicht nur in Form von kleinen Einzelhändlern, wie Jonas Hoffmann sagt. Wichtig sei im Zentrum auch ein Vollsortimenter mit Frischemarkt - wie es Rewe oder Edeka sind. Als Markt mit sogenanntem Vollsortiment gibt es bisher nur Kaufland - und der liegt etwas außerhalb. Die anderen Lebensmittelmärkte sind Discounter.

Und genau in diese Kerbe hat die Stadt bereits geschlagen: sie brachte einen Bebauungsplan auf den Weg, der es möglich machen soll, am Promenadenring einen Edeka-Markt zu errichten. Genutzt werden soll das Areal zwischen Promenadenring, Hartmannstraße und Pestalozzistraße. Dort stehen bisher die Brachen eines ehemaligen Möbelhauses. Ein Teil der Gebäude stürzt bereits ein. Eine Ansiedlung des Handelsriesen werde daher auch einen Missstand in der Innenstadt beseitigen, so Planer Hoffmann. Das mache die Stadt wiederum attraktiver für weitere Neuansiedlungen von Geschäften. 

Die Gebäude des ehemaligen Möbelhauses sind teilweise eingestürzt. Sie sollen einem Edeka-Markt weichen. 
Die Gebäude des ehemaligen Möbelhauses sind teilweise eingestürzt. Sie sollen einem Edeka-Markt weichen.  © R. Altmann-Kühr

Ziemlich genaue Vorstellungen zum künftigen Standort in Löbau äußerte Edeka bereits vor über einem Jahr gegenüber SZ. So sagte Edeka-Regionalleiter Jan Hasek, man plane einen "Markt der Generationen". Das ist ein besonderes Markt-Konzept von Edeka zum Beispiel mit breiteren Gängen und niedrigeren Regalen. Einen "Markt der Generationen" gibt es in der Region bereits in Oppach. 1.900 Quadratmeter Einkaufsfläche solle der künftige Markt in Löbau haben, so Hasek.

Die Aussagen von Löbaus Oberbürgermeister Dietmar Buchholz im jüngsten Stadtrat dazu klingen ebenfalls schon nach recht konkreten Plänen. So betonte der OB: "Das wird ja dann ein Unternehmer von hier betreiben. Das heißt, die Gewerbesteuern bleiben bei uns." Er spielt damit auf den Umstand an, dass die anderen großen Märkte und Discounter ihren Sitz anderswo haben und die Gewerbesteuer an die Gemeinde fließt, wo die Konzern-Zentrale ansässig ist.  

Norma wichtig für Wohngebiete

Positive Zeichen gibt das überarbeitete Einzelhandelskonzept für die Erweiterungswünsche von Norma in der Breitscheidstraße. Das Gebiet sei wichtig für die Versorgung der Wohngebiete und auch der Ortsteile, so Jonas Hoffmann. Als sogenanntes Mittelzentrum hat Löbau eine wichtige Funktion: von hier aus müssen die Umlandorte versorgt werden. In den kleinen Orten rund um Löbau gibt es kaum noch Einkaufsmöglichkeiten. Rund 67.000 Menschen leben im Mittelbereich - also im Einzugsgebiet der Stadt, so Hoffmann. 

Löbau braucht mehr Bekleidungsläden

Nur 27 Prozent der gesamten Verkaufsfläche von Gewerbetreibenden sind in der Innenstadt, stellt die jüngste Analyse fest. "Das ist solide, aber noch ausbaufähig", sagt Jonas Hoffmann. Insgesamt sei die Innenstadt gut aufgestellt, auch im Vergleich mit anderen Städten. Hoffmann und seine Kollegen betreuen als Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung viele andere Städte und Gemeinden und können das gut einordnen. Dennoch, sagt Hoffmann: Löbau hat Nachholebedarf im Bekleidungssektor. Defizite gebe es auch in den Branchen, die klassischerweise viel Konkurrenz im Onlinegeschäft haben. Das seien Spielwaren, Sportartikel und Bücher. 

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Das Ladensterben in der Innenstadt mache ihm natürlich Sorgen, so OB Buchholz zur Lage. Er regte aber an, dass hier ein Umdenken erfolgen müsse - auch vonseiten der Hauseigentümer. In der Inneren Zittauer Straße - das Löbauer Sorgenkind in Sachen Handel - gebe es viele sehr kleine Ladengeschäfte. "Damit lässt sich heute nicht mehr genug Umsatz machen", so Buchholz. Eine Chance sieht er darin, Läden zum Beispiel zusammenzulegen und baulich zu vergrößern. Er weist auch darauf hin, dass der sächsische Handelsverband den Gewerbetreibenden mit Tipps und Hinweisen beratend zur Seite stehe. 

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