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Käbschütztal knackt Rekordmarke

Kinderbetreuung ist in der Gemeinde so teuer wie noch nie. In der Krippe müssen monatlich bis zu 367 Euro gezahlt werden.

Viel Geld wird Eltern in der Gemeinde Käbschütztal für Kinderbetreuung aus der Tasche gezogen.
Viel Geld wird Eltern in der Gemeinde Käbschütztal für Kinderbetreuung aus der Tasche gezogen. © dpa/Robert Michael

Käbschütztal. Wenn Eltern nach den Ferien ihre Mädchen und Jungen in die Kinderkrippe, den Kindergarten oder den Schulhort bringen, werden sie eine böse Überraschung erleben.  Denn die Elternbeiträge werden ab dem 1. September drastisch erhöht. Die Gemeinde knackt diesmal sogar eine "Schallmauer".

 Erstmals müssen manche Eltern monatlich mehr als 300 Euro für die Betreuung eines Kindes bezahlen. Damit liegt Käbschütztal bei den Betreuungskosten im Landkreis in der Spitzengruppe. Betrieben werden die Kindereinrichtungen in Barnitz und Löthain von der Johanniter Unfallhilfe. 

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Besonders tief in die Tasche greifen müssen Eltern, die das erste Kind in der Kinderkrippe täglich neun Stunden betreuen lassen. Dies kostet dann monatlich 300,04 Euro. Bisher mussten sie dafür 242,15 Euro bezahlen, das ist eine Steigerung um 24 Prozent. 

Zum Vergleich: In Lommatzsch kostet die gleiche Leistung 225,18 Euro, in Diera-Zehren 218,20 Euro,  in Stauchitz gar nur 210 Euro. Elf Stunden in der Kinderkrippe schlagen in Käbschütztal künftig  mit bis zu 366,72 Euro ein Loch in die Familienkasse. Ein Rekordwert.

Etwas besser sieht es im Kindergarten aus. Neun Stunden kosten dort 163,07 Euro für das erste Kind, bisher sind es 153,28 Euro.  In Stauchitz zahlt man dafür 102 Euro, also 60 Prozent weniger. Am geringsten fällt die Steigerung im Hort der Grundschule aus, den die Gemeinde selbst betreibt. Fünf Stunden Betreuung kosten dann 73,38 Euro, bisher sind es 68,98 Euro. 

Die Höhe der Elternbeiträge bemisst sich an den jährlich anfallenden Betriebskosten. Diese werden zu je einem Drittel auf Freistaat, Gemeinde und die Eltern umgelegt. Steigen die Betriebskosten, erhöhen sich also auch die Elternbeiträge. Preistreiber sind vor allem die Personalkosten. Zum einen wegen Tariferhöhungen, zum anderen, weil der Betreuungsschlüssel geändert wurde.  Aber auch Strom wird ständig teurer.

"Das tut schon weh"

Die Abstimmung über die neuen Elternbeiträge fiel äußerst knapp aus. Fünf Räte stimmten dafür, vier dagegen. Zu den Befürwortern zählt Herbert Zapf, der für die CDU im Gemeinderat sitzt und stellvertretender Bürgermeister ist. Aus Überzeugung kam sein Ja nicht, eher aus Einsicht in die Notwendigkeit. 

"Ich bin der Letzte, der etwas gegen geringere Elternbeiträge hätte. Aber es wäre sinnlos, wenn sich der Gemeinderat querstellt. Wenn wir nicht zugestimmt hätten, wäre der Anteil der Gemeinde gestiegen. Das hätte das Landratsamt als Rechtsaufsichtsbehörde wegen unserer prekären Finanzsituation nie genehmigt", sagt der Jurist. 

Es nütze doch nichts, einen Beschluss zu fassen, von dem man genau wisse, dass dieser am nächsten Tag wieder aufgehoben werde, argumentiert er.  "Das tut schon weh. Aber wir müssen auf einem anderen Weg kommunizieren, dass die Zuschüsse des Landes steigen müssen,  um die Eltern zu entlasten", sagt er. Viele Eltern forderten, dass die Qualität der Betreuung steigen müsse. "Das gibt es aber nicht umsonst", so Herbert Zapf. 

Klasse Arbeit, aber zu hohe Kosten

Das sieht im Grunde auch Gemeinderat Markus Kunze (AfD) so. Dennoch stimmte er gegen die neuen Elternbeiträge. "Es ist nicht in Ordnung, Familien mit Kindern derart zu belasten. Wir müssen ein Signal an den Freistaat senden, dass so etwas unterbunden wird", sagt der Soppener.

 Auch die Meißner Stadträte hätten ja gegen eine Erhöhung gestimmt. Eine Familie mit zwei Kindern würde jetzt mit 500 bis 600 Euro für die Kinderbetreuung zur Kasse gebeten. "Da ist das Kindergeld ja gleich wieder weg", sagt er. "Wenn wir nichts dagegensetzen und immer nur Ja sagen, wird sich nie etwas ändern", so Kunze. 

Seiner Meinung nach müsste Kinderbetreuung für die Eltern kostenlos sein. Mindestens aber müsse der Freistaat Sachsen seine Zuschüsse erhöhen,  um Eltern zu entlasten, fordert er.

 Die Johanniter leisteten eine klasse Arbeit, aber die Kosten seien zu hoch.  Dass das Landratsamt einen anderen Beschluss wohl sofort wieder aufgehoben hätte, sieht er kritisch. "Ich bin zum ersten Mal im Gemeinderat und habe jetzt schon den Eindruck, dass wir in Wirklichkeit nichts zu entscheiden haben, der Rat ein zahnloser Tiger ist", sagt er. 

Warum die Kosten in Käbschütztal so hoch sind, wollte die SZ von der Johanniter Unfallhilfe wissen. Von dort heißt es, die Höhe der Elternbeiträge würde von der Gemeinde festgelegt. In die Betriebskosten flössen alle Einrichtungen ein, auch die Tagesmütter. Man suche schon nach Einsparmöglichkeiten, sei dabei aber auch von Dritten abhängig. 

Diskussionen über die hohen Elternbeiträge gibt es in Käbschütztal seit Jahren. 2016 war deswegen ein Vertreter der Johanniter in den Gemeinderat geladen worden. Den Verdacht, dass die Johanniter eine große Verwaltung mitfinanzieren würden, wies dieser zurück. 

Man habe keine aufgeblähte Verwaltung, werfe kein Geld zum Fenster raus, produziere keine Kosten, die nicht notwendig seien. Mit den Kindertagesstätten verdiene man kein Geld,  hieß es damals.  Allerdings beschäftigen die Johanniter Fachberater, die auch dann tätig werden, wenn es um Kindswohlgefährdung geht. Dies  ist aber Aufgabe der Jugendämter. 

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Seit 13 Jahren  werden die beiden Kindereinrichtungen in Löthain und Barnitz von der Johanniter Unfallhilfe betrieben. Ursprünglich hatte sich die Gemeinde dadurch Kosteneinsparungen durch geringere Personalkosten erhofft. Der Tarifvertrag der Johanniter  ist aber an den des öffentlichen Dienstes angelehnt. Im Grunde werden also die gleichen Gehälter gezahlt.

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