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Kamenz: Aus für die Alternativschule

Nach monatelangen Debatten um den Standort ist das Projekt gescheitert. Der Verein erhebt Vorwürfe gegen Rathausspitze und Stadtrat.

Keine freie Schule im Schloss: Die Pläne für eine Freie Alternativschule in Kamenz sind gescheitert. Das bedauert Frank Jank, einer der Initiatoren.
Keine freie Schule im Schloss: Die Pläne für eine Freie Alternativschule in Kamenz sind gescheitert. Das bedauert Frank Jank, einer der Initiatoren. © René Plaul

Kamenz. Die Freie Alternativschule (FAS) zieht sich von ihrem in Kamenz geplanten Projekt zurück. Dies teilte der Verein jetzt mit. Am Dienstag hatte es nochmals ein Treffen mit dem Ältestenrat des Kamenzer Stadtrates gegeben. Doch die verhärteten Fronten um den Wunsch-Standort Brauna blieben.

"Wir unterbreiteten nochmals unser Kompromiss-Angebot, den Standort Brauna nur als Interimsobjekt für drei Jahre zu nutzen", so Frank Jank vom FAS-Vorstand.  "Damit wären wir ein ungeheures Risiko eingegangen, aber hätten dieses Jahr an den Start gehen können."

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Auch die Stadt hatte kurzfristig einen Kompromissvorschlag eingebracht - nämlich Räume in der Kreisvolkshochschule an der Macherstraße. Nach Ansicht der Stadtverwaltung wäre das ein  guter Vorschlag für den Übergang gewesen - und vor allem bis zum Schuljahresbeginn umsetzbar. Die Stadt hatte dazu beim Landkreis vorgefühlt, der Träger der Volkshochschule ist.

Keinen Kompromiss gefunden

Die FAS signalisierte jedoch schnell, dass das Objekt keinesfalls den Ideen und Planungen entspreche. "Obwohl wir klargestellt hatten, dass das vor einer Woche von Stadt und Landkreis ins Spiel gebrachte Haus keine Alternative darstellt,  weil es allein aufgrund des fortgeschrittenen Zeitpunkts nicht genehmigungsfähig ist, wurde uns  erneut vom Oberbürgermeister suggeriert, dass es sich um ein geeignetes Objekt handele und wir nur nicht wollen", so Frank Jank.

"Eine für beide Seiten annehmbare Lösung ließ sich am Dienstag leider nicht herbeiführen. Dazu waren die Auffassungen wohl zu verschieden", lautet die Einschätzung aus dem Rathaus. "Wir bedauern es, dass das Angebot des Landkreises ausgeschlagen wurde. Im Areal waren infrastrukturelle Voraussetzungen, wie Parkplätze und der Außenbereich für den Schulsport, gegeben." 

Das sieht der Verein anders. "Im Ergebnis müssen wir feststellen, dass das Projekt letztlich am Widerstand der Stadtspitze und Teilen des Stadtrates gescheitert ist. Das ist bedauerlich für die Kinder und Eltern, die auf diese Schule gesetzt haben, und schade um zehn Monate ehrenamtliche Arbeit", so Frank Jank.

Ein Imageverlust für die Stadt

Das wollen einige Stadträte nicht so stehenlassen. "Wir sind hier in Kamenz keine Verhinderer", betont Alex Theile von den Linken. "Wir haben durch die schwierigen Debatten, die leider zu oft nichtöffentlich geführt wurden, für die Stadt einen Imageschaden erlitten", sagt der Stadtrat. "Und wir haben eine Chance vertan, müssen zukünftig anders mit solchen Projekten umgehen. Es mag sein, dass es auf beiden Seiten auch an den Protagonisten lag. Hier haben sich Leute versteift, die für ihre Sache jeweils das Beste wollten", so Theile.

Hintergrund des Streits zwischen FAS und der Stadt ist die Standortfrage: Der Verein wollte das Schloss Brauna nutzen, um die freie Schule zu etablieren. Die Stadt hat mit Schloss und Ortskern Brauna aber andere Pläne. Eine zukunftsorientierte Lösung wolle man gemeinsam mit Einwohnern entwickeln, so OB Dantz. "Selbstverständlich werden wir die Interessen von Grundstückseigentümern und Nutzern berücksichtigen. Ein wichtiges Ziel ist, den vorhandenen Grundschulstandort nicht nur zu erhalten, sondern zu entwickeln und die Infrastruktur in dahingehende Überlegungen einzubeziehen", erklärt der OB.  Zu den Zielsetzungen gehöre, dass das Areal des Schlosses für die Öffentlichkeit erschlossen wird. 

"Der Stadtrat wird in den kommenden Monaten entscheiden, wie es in Brauna weitergeht", sagt Stadtrat Thomas Uslaub (CDU). "Egal aber, was dort angedacht wird: Eine Freie Schule in Kamenz würde das bestehende Bildungsangebot sinnvoll erweitern." Doch vorerst wird daraus nichts.

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