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Kamenzer laden zum Blick in fremde Gärten ein

17 Hauseigentümer und Hobbygärtner sind bei der Aktion am 14. Juni dabei. Vieles ist schon vorbereitet - aber eine Frage bleibt.

Blütenpracht und noch viel mehr können Interessenten beim Tag der offenen Gartenpforte in Kamenz bewundern, der am 14. Juni stattfinden soll.
Blütenpracht und noch viel mehr können Interessenten beim Tag der offenen Gartenpforte in Kamenz bewundern, der am 14. Juni stattfinden soll. © Symbolfoto: dpa

Kamenz. Grün, grüner, am grünsten. Das tut momentan nicht nur den Augen gut, sondern der gesamten Psyche. Die letzten Wochen mit anfänglicher Ausgangs- und späterer Kontaktsperre haben an den Nerven gezehrt. Da würde die "Offene Gartenpforte" am 14. Juni gerade recht kommen. Das finden die Mitmacher der ersten Ausgabe in Kamenz und einigen Ortsteilen jedenfalls. Und planen fleißig an ihrem grünen Event weiter.

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Deutschland- und auch sachsenweit hagelt es aktuell zwar eine Absage nach der anderen für das Projekt. Viele verschieben es lieber in den September. Doch die Kamenzer haben immer noch Hoffnung, dass das Gesundheitsamt ihnen grünes Licht gibt. Zum einen ist es eine überschaubare Größe.  Zum anderen haben auch Botanische Gärten, Parks und Zoos längst wieder geöffnet. Selbst auf dem Hutberg sind an den Wochenenden Tausende Spaziergänger unterwegs.

 "Wir haben bereits den ursprünglichen Termin vom 17. Mai vier Wochen nach hinten verschoben. Wir würden uns freuen, wenn es doch noch am 14. Juni klappt", sagt Anne Hasselbach. Alle sind hoch motiviert. Und setzen auf einen verantwortungsvollen Umgang jedes Einzelnen. Alles  könne unter den bekannten Abstandsregeln und Hygienevorschriften funktionieren, sind sich alle sicher. "Die Akteure sprühen vor Lebensfreude und Engagement! Es kommt zur richtigen Zeit am richtigen Ort: nämlich an der frischen Luft", sagt Anne Hasselbach.  Man wartet nun auf die neue Corona-Verordnung, die am 6. Juni in Kraft treten wird. Und auf  weitere Lockerungen.

Bei der Aktion Offene Gartenpforte wollen auch Jutta (vorn) und Rüdiger Fessel in Zschornau Interessenten ihr ihre grüne Oase zeigen. Zur Vorbereitung trafen sich bei ihnen viele der Mitmacher zu einem ersten Kennenlernen.
Bei der Aktion Offene Gartenpforte wollen auch Jutta (vorn) und Rüdiger Fessel in Zschornau Interessenten ihr ihre grüne Oase zeigen. Zur Vorbereitung trafen sich bei ihnen viele der Mitmacher zu einem ersten Kennenlernen. © Anne Hasselbach

Anne Hasselbach ist nicht nur in ihrer Funktion als City-Managerin im Boot, sondern möchte mit ihrem Mann Jan Eickhoff auch die eigene Gartenbaustelle der "Alten Baderei" an der Schillerpromenade öffnen. Die einladenden Hobbygärtner sind so unterschiedlich wie ihre grünen Oasen.

Vom urigen Altstadt-Hinterhof, über den kunstvoll angelegten Lustgarten bis zum 3.000 Quadratmeter großem Traum ist alles vertreten. Kräuterhochbeete, Streuobstwiese, Imkerei,  Reihenhausgarten mit Fischteich, Landhausgarten mit Hang oder Permakultur samt Storchennest - Besucher müssen wahrscheinlich vorher eine Auswahl treffen.  Insgesamt sind es 17 Mitmacher, die Einblicke in ihre Refugien gewähren. Neben der Lessingstadt, kann man Gärten in Zschornau, Wiesa, Jesau, Lückersdorf, Hennersdorf, Biehla und Nebelschütz besichtigen. Ein Flyer ist in Arbeit.

Die Protagonisten eint der Gedanke, dem gemeinschaftlichem Gedanken in der Stadt Kamenz einen weiteren Impuls zu geben. Die Idee der "Offenen Gartenpforte" stammt hingegen  aus England und zieht sich seit Jahrzehnten durch Europa. Im Vordergrund des Tages stehen Atmosphäre und Austausch an einem schönen Ort. 

Entlang der alten Stadtmauer an der Bautzener- und Wallstraße gibt es einen breiteren grünen Gürtel zwischen den Häusern. Hier haben die Kamenzer wunderbare Gärten angelegt.
Entlang der alten Stadtmauer an der Bautzener- und Wallstraße gibt es einen breiteren grünen Gürtel zwischen den Häusern. Hier haben die Kamenzer wunderbare Gärten angelegt. © Ina Förster

„Genau dieser Gedanke ist es, der uns schon länger umtreibt“, sagt Sieglinde Tschentscher vom Verein Stadtwerkstatt-Bürgerwiese. Dieser sieht sich als Veranstalter der „1. Kamenzer Gartenpforte“, und viele Mitmacher sind parallel in ihm engagiert. Die rührige Seele und ihr Mann Günter sind immer dort anzutreffen, wo es um grüne Ideen in der Stadt geht - ob am Osterbrunnen am Markt, bei alternativer Schaufenstergestaltung  oder der Maibaum-Ranke. Auch am 14. Juni haben sie  zugesagt und wollen Interessierten ihren  seltenen Waldgarten auf dem Reinhardsberg nahebringen.

Auch Jutta und Rüdiger Fessel aus Zschornau nennen einen großen Garten ihr Eigen. Sie wohnen in der ehemaligen Poststelle des Ortes und haben sich dort gemeinsam mit ihrer Tochter und der Enkelin ein wundervolles Reich geschaffen. Im Mittelpunkt steht der alte Klinkerbau, im Hinterland eine Oase, die an Wellnesshotels erinnert – mit Badezuber, Baumterrasse, Kräutergarten, Außenküche und seltenen Sträuchern.  "Viel Arbeit sei so ein Garten, aber auch ein wunderbarer Ausgleich zur Schreibtischarbeit", findet Jutta Fessel.  

Bei Familie Schöne an der Pulsnitzer Straße in Kamenz gibt es sehr viel zu entdecken. Vor allem auch zahlreiche seltene Bäume und Sträucher.
Bei Familie Schöne an der Pulsnitzer Straße in Kamenz gibt es sehr viel zu entdecken. Vor allem auch zahlreiche seltene Bäume und Sträucher. © Ina Förster

Beim vorbereitenden Rundgang vor Kurzem in Kamenz kamen alle erst einmal miteinander ins Gespräch. Fast fünf Stunden war die Truppe unterwegs. Beim Garten-Hopping ging es um Austausch, um ein Kennenlernen und um das Fachwissen des jeweils anderen.  Und es gab erstaunte Blicke.

"Dass sich hinter den Fassaden solch ein tolles grünes Hinterland befindet, hätte man nicht gedacht", sagte auch Thomas  Zschornack begeistert. Der Nebelschützer Bürgermeister und seine Frau wären am 14. Juni mit von der Partie und öffnen ebenfalls ihren Garten daheim. Das grüne Netz ist weit gespannt, auch die Verbindung der Kamenzer Ortsteile  funktioniert. Jeder hat seine Aufgabe, wie Angelika Peters aus Lückersdorf, die beispielsweise das Logo für den Tag entwarf.

Zum internen Testlauf  gab  es Kuchen in der Alten Baderei, Quark mit Kräutern aus dem Garten am ehemaligen Tuchhaus Körner bei Familie Kutter. Ein Dekostand lockte bei Familie Schöne in ihrem grünen Paradies neben der Altertumsschänke.

Bei Stadtbüttel Lorenzo, alias Steffen Lorenz, an der Pulsnitzer Straße 23 in Kamenz, geht es im kleinen Hinterhof urig-gemütlich zu.
Bei Stadtbüttel Lorenzo, alias Steffen Lorenz, an der Pulsnitzer Straße 23 in Kamenz, geht es im kleinen Hinterhof urig-gemütlich zu. © Ina Förster

Und ein Weinchen wartete im Hinterhof an der Pulsnitzer 23. Steffen Lorenz, den man als Stadtbüttel Lorenzo kennt, kredenzte diesen mit markigen Sprüchen. "Es werden schon ein paar zur offenen Gartenpforte kommen. Die Neugierigen sterben ja nicht aus.  Und wenn es zu eng wird, sperren wir halt zu. Es passen eh nur Zwei in meinen Strandkorb", sagt er mit einem Augenzwinkern.

In den letzten Tagen ging die Tour der Mitmacher weiter. "Wir hoffen jetzt so sehr, dass wir  am 14. Juni hoffentlich auch die Öffentlichkeit zu uns allen einladen können", so Anne Hasselbach.  Vorsichtshalber hat man aber schon über Alternativ-Termine nachgedacht: zum Beispiel über die Sommersonnenwende am 21. Juni oder den Tag der Architektur  am 28. Juni.

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