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Rummel trotz Corona: Kamenz zeigt, wie es geht

Das Forstfest fällt aus, die Schausteller sind trotzdem da. Für zehn Tage öffnet ein Freizeitpark seine Pforten. Sächsische.de hat den Patz getestet.

Mike Borowsky ist Vorsitzender des Schaustellerverbandes Dresden. Dessen Mitglieder sind sehr froh, dass sie in Kamenz einen Freizeitpark gestalten können. Ab Freitag ist er geöffnet.
Mike Borowsky ist Vorsitzender des Schaustellerverbandes Dresden. Dessen Mitglieder sind sehr froh, dass sie in Kamenz einen Freizeitpark gestalten können. Ab Freitag ist er geöffnet. © René Plaul

Kamenz. Auch wenn das Forstfest in diesem Jahr abgesagt werden musste: Der Rummel im Kamenzer Forst öffnet am Freitag um 15 Uhr trotzdem seine Pforten. Das sonst als Festplatz bekannte Gelände nennt sich auf den Werbeschildern allerdings Freizeitpark - und ist diesmal sogar bis zum 30. August geöffnet. 

Mit der Absage des Heimatfestes war der Verzicht auf den Festbetrieb verbunden, was für die Schausteller einen dramatischen Einschnitt bedeutet hätte. Sie stellten einen Antrag bei der Stadt, selbst aktiv werden zu dürfen. Die aktuelle sächsische Corona-Schutzverordnung sieht nämlich vor, dass Freizeitparks unter Beachtung von bestimmten Hygieneauflagen und mit Zugangsbeschränkungen öffnen dürfen. Volksfeste nicht. Andernorts wurden ähnliche Lösungen bereits mit Erfolg praktiziert, wie kürzlich in Dresden. Sächsische.de traf Mike Borowsky, den Vorsitzenden des Dresdner Schaustellerverbandes, vor Ort und schaute sich im Vorfeld im Forst um.

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Wie läuft es am Einlass?

"Grundsätzlich dürfen nur 1.000 Gäste gleichzeitig auf dem Gelände sein. Wir arbeiten mit einem Zählsystem, damit wir die Übersicht behalten. Das heißt auch, dass man zu Hochzeiten durchaus einmal am Ausgang warten muss, bis Gäste das Areal verlassen, ehe man selbst hinein darf", sagt Mike Borowsky. Eine dringende Bitte der Schausteller lautet deshalb: Besser nicht alle auf einmal am Wochenende kommen. "Wir sind zehn Tage in Kamenz, länger als sonst. Da bleibt Zeit für einen entspannten Bummel", sagt er. 

Außerdem muss man sich am Einlass mit Namen und Telefonnummer registrieren. Das ist bei Veranstaltungen bundesweit Pflicht. "Es reicht aber eine Kontaktperson bei Gruppen oder Familien aus", heißt es. Es gibt zwei Haupteingänge. 

Überall im Forst wird auf die Corona-Regeln hingewiesen. Ein Mund-Nase-Schutz wird nur an bestimmten Fahrgeschäften benötig.
Überall im Forst wird auf die Corona-Regeln hingewiesen. Ein Mund-Nase-Schutz wird nur an bestimmten Fahrgeschäften benötig. © René Plaul

Wofür wird Eintrittsgeld erhoben?

Der Einlass kostet pro Tag einen Euro. Das Geld kommt den Schaustellern für zusätzlichen Ausgaben zu Gute. "Das Hygienekonzept ist streng und wir übernehmen die komplette Umzäunung, Werbung, Betriebskosten sowie die Versorgung mit Toiletten", so Borowsky. Am WC selbst muss man an den Betreiber zwar dennoch einen kleinen Obolus entrichten, doch das war auch sonst gängige Praxis. "Allein die Wasser- und Stromkosten für den Platz gehen in die Tausende", weiß Mike Borowsky. Auch Ordner werden gestellt. 

Die Stadt Kamenz kam den Schaustellern entgegen, und fordert keine Miete für das riesige Areal. Die Kommunalen Dienste Kamenz sorgten für die Baupflege im Stadtforst, damit von dieser Seite alles sicher ist. "Auch die Marktleiterin der Stadt, Christine Fleischer,  hat uns mit Rat und Tat zur Seite gestanden", so Mike Borowsky. Insofern ähnelt das Gelände im Großen und Ganzen dem sonstigen Lageplan herkömmlicher Forstfeste. "Man spürte deutlich, dass auch dem Oberbürgermeister das Ganze am Herzen liegt. Wir fühlen uns hier willkommen."

Wird Alkohol angeboten?

Die am meisten gestellte Frage: Wird Alkohol ausgeschenkt im Forst? Die Antwort lautet: Ja. "Es wird natürlich keine Festzelte geben, auch keine abendlichen Partys. Da gibt es konkrete Auflagen. Wir müssen ebenso dafür sorgen, dass es zu keinen größeren Gruppenbildungen kommt", sagt Mike Borowsky. 

Aber für Speisen und Getränke ist gesorgt. Petra Schubert baute unter anderem ihren Biergarten an der gewohnten Stelle auf. "Viele Stammkunden haben gefragt, wie alles abläuft. Es kursiert ein Gerücht, dass es ein Alkoholverbot gibt auf dem Platz. Das stimmt nicht. Wir müssen uns nur alle ein bisschen benehmen", sagt sie mit Augenzwinkern. 

Petra Schubert hat ihren Biergarten an der gewohnten Stelle aufgebaut. Für Speisen und Getränke ist auf dem Festgelände gesorgt, wenn auch nicht in der sonst gewohnten Auswahl. Sämtliche Festzelte fehlen.
Petra Schubert hat ihren Biergarten an der gewohnten Stelle aufgebaut. Für Speisen und Getränke ist auf dem Festgelände gesorgt, wenn auch nicht in der sonst gewohnten Auswahl. Sämtliche Festzelte fehlen. © René Plaul

Sicherlich ist die Auswahl der Anbieter nicht so groß wie sonst. Die regionalen Zeltbetreiber fehlen, auch das Weingut Alzey reist nicht mit seinem Stand an. 

Die Erfahrungen von anderen  Veranstaltungen seien durchweg positiv, berichtet Mike Borowsky. "Die meisten Menschen haben Corona verinnerlicht, sie gehen automatisch auf Sicherheitsabstand und sind vernünftig. Wir hoffen in Kamenz auf eine gute Zeit."

Müssen Besucher Masken tragen?

Muss man auf dem Gelände generell Maske tragen? Nein. "Der Mund-Nasen-Schutz ist nur erforderlich an Stellen, wo man den Mindestabstand nicht einhalten kann", so Borowsky. Etwa im Autoscooter. Die einzelnen Fahrgeschäfte weisen extra darauf hin. Jedes hat sein eigenes Hygiene-Konzept entwickelt.  So gibt es überall Desinfektionsspender, werden Fahrchips nicht mehr per Hand eingesammelt, sondern in ein Behältnis geworfen. Auch der Zugang zu den Karussells geschieht geordnet.

"Wir setzen auf Eigenverantwortung. Und das funktioniert gut. Man sollte den Leuten etwas mehr davon zutrauen", sagt der Chef des Schaustellerverbandes. "Für uns sind solche Veranstaltungen überlebenswichtig. Es herrschte sieben Monate Funkstille. Nun muss es Lösungen geben. Wir haben dafür auch demonstriert. In Sachsen können wir froh sein. Unser Bundesland ist derzeit Vorreiter mit solchen Projekten."

Der Zugang zu den Fahrgeschäften wird von jedem einzelnen Betreiber selbst geregelt. Unkontrolliertes Aufspringen auf die Karussells wird nicht möglich sein.
Der Zugang zu den Fahrgeschäften wird von jedem einzelnen Betreiber selbst geregelt. Unkontrolliertes Aufspringen auf die Karussells wird nicht möglich sein. © René Plaul

Der Kamenzer Familien- und Freizeitpark ist  vom 21. bis zum 30. August geöffnet; Montag bis Freitag von  15 bis 22 Uhr, Sonnabend und Sonntag von 14 bis 23 Uhr. Der Eintritt kostet einen Euro.

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