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Keine Schüler, keine Arbeit

Einige Unternehmen haben sich auf die Schulküche spezialisiert. Nun kochen sie auf Sparflamme - und können kaum noch planen.

Jörg Daubner kocht wieder selbst - eine Umstellung für den Inhaber der Görlitzer Obermühle.
Jörg Daubner kocht wieder selbst - eine Umstellung für den Inhaber der Görlitzer Obermühle. © Nikolai Schmidt

Noch ist nicht klar, wie und wann die Schulen in Deutschland wieder geöffnet werden. Doch nicht nur Schüler, Lehrer und Eltern warten darauf. Im Hintergrund gibt es ganze Industriezweige, die nun schlicht viel weniger zu tun haben. Ein Beispiel sind Catering-Services, die nun ihren ganzen Betrieb auf ein Minimum herunterfahren müssen.

Einer der größten Lieferanten von Schulessen im Landkreis ist das französische Unternehmen Sodexo. Allein in Görlitz werden rund 200 Schüler mit Mittagessen versorgt - normalerweise. Nun gibt es nur noch Essen in einigen Asietten für Schüler in der Notversorgung. Doch auch wenn Sodexo nicht nur Schulen, sondern auch Krankenhäuser und Altenheime versorgt, gibt es erhebliche Einbußen.

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"Wir mussten uns entschließen, in einigen Betrieben Kurzarbeit einzuführen, darunter auch der Küchenstandort Löbau", sagt Unternehmenssprecher Alexander Weiß. Zwar stockt Sodexo nach eigenen Angaben auf 80 bis 90 Prozent auf, das ist jedoch bis Ende Mai begrenzt. Danach wird neu verhandelt.

Im Falle einer kurzfristigen Schulöffnung werde laut Sprecher kein großer Vorlauf benötigt. Engpässe bei Lieferanten gäbe es zudem keine. Eine größere Herausforderung seien jedoch die Einhaltung der Hygienestandards. Mit Abstandsregelung und Maskenpflicht sind diese eher streng.

Osterüberraschung in Niesky

Ein wichtiger Zweig ist die Schülerversorgung auch für das Bürgerhaus in Niesky. Es beliefert mehrere Schulen und Kindergärten in der Region, gibt aber derzeit nur zehn Prozent der sonst üblichen Portionen aus. "So richtig lohnt sich das nicht", sagt Geschäftsführer Jörg Kalbas. 

Die Küche läuft mittags aber ohnehin, weil das Bürgerhaus einen Abholservice anbietet. Doch auch der sei eher "durchwachsen." Eine Ausnahme war Ostern: Genau 218 Essen habe man an diesem Tag ausgeliefert. Da seien auch die Mitarbeiter froh gewesen, wieder einmal richtig zu tun zu haben. Sonst ist auch hier seit dem 1. April Kurzarbeit angesagt. 

Jörg Kalbas ist Geschäftsführer des Nieskyer Bürgerhauses.
Jörg Kalbas ist Geschäftsführer des Nieskyer Bürgerhauses. © André Schulze

Wie sich in der derzeitigen Unsicherheit planen lässt? "Wir wären froh, wenn wir überhaupt was zu planen hätten", sagt Kalbas. Vor allem die Absage von Veranstaltungen trifft das Lokal. Sonst finden hier Bälle, Karneval, Kabarett oder Vereinsfeiern statt. Einige sollen zwar nachgeholt werden. Im Moment bleibt das Defizit: "Den Stand von vor der Krise werden wir lange nicht erreichen", sagt Kalbas. Große Lust wieder voll an den Start zu gehen, habe man aber.

Doch selbst wenn die Schulen wieder öffnen, heißt das noch lange nicht, dass auch die Mittagsversorgung wieder voll startet. "Angenommen die Schüler kommen in zwei Gruppen, eine bis zwölf Uhr und eine ab zwölf", sagt Kalbas, "dann geht möglicherweise die eine Hälfte nach Hause essen und die andere hat bereits." 

Zurück zum Kochlöffel

In Görlitz ist die Obermühle einer der wichtigsten Lieferanten, vor allem wenn Eltern auf gemüselastige Kost Wert legen. Auch hier ist die Belieferung von Schulen und Kindergärten ein wichtiges Geschäft. Normalerweise werden rund 500 Kinder beliefert, das sei um 75 Prozent zurückgegangen.

Doch gleichzeitig gibt es Kurzarbeit. Chef Jörg Daubner blieb nur eine Möglichkeit: "Mir ist eingefallen, dass ich ja Koch bin, und dann habe ich selbst angefangen." Da hatte er schon mehrere Jahre "den Kochlöffel beiseite gelegt", wie er sagt. 

Für Daubner, der die klassische französische Küche gelernt hat, ist das eine Herausforderung. "So ein Schulgericht besteht meist aus zwei, höchsten drei Komponenten, das ist für mich eine Umstellung", sagt er. Doch es sei sehr interessant, etwas Neues auszuprobieren. Und er hat gemerkt: "Es ist gerade jetzt gut, ein Handwerk gelernt zu haben."

Insgesamt sei sein Angebot fleischlastiger geworden. Schließlich bietet Daubner nun auch Mittagsgerichte zum Abholen an, er muss sich dem Markt anpassen. "Vor allem Klassiker sind beliebt, wie Spätzle oder Bouletten." Versuch und Irrtum sei die Devise. 

Doch eine dauerhafte Änderung gebe es schon: Normalerweise werden die Essenspläne monatlich geschrieben, nun hat Daubner gemerkt, dass es wöchentlich besser funktioniert. "Wir bauen viel Gemüse selbst an, und wenn plötzlich der Spinat rauskommt, können wir kurzfristig reagieren."

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Kurzfristig ist die Devise: Im Falle einer Schulöffnung könnte Daubner innerhalb eines Tages Mittagessen anbieten, sagt er. Doch wann das passieren wird, kann niemand einschätzen. "Es ist schwer für meine Mitarbeiter, dass ich derzeit keine verbindlichen Zusagen machen kann." 


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