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Kaufhalle statt Sparkasse

Die Obercunnersdorfer Gener-Kaufhalle übernimmt eine wichtige Funktion, weil die Sparkasse schließt. Das System ist simpel, doch es gibt einiges zu beachten.

Bei Markleiterin Grit Göhle in Obercunnersdorf können Kunden jetzt auch beim Einkauf Bargeld abheben.
Bei Markleiterin Grit Göhle in Obercunnersdorf können Kunden jetzt auch beim Einkauf Bargeld abheben. © Foto: Matthias Weber

Die Gener-Kaufhalle in Obercunnersdorf ist schon startklar. Ein bisschen vor der Zeit - denn die Sparkassenfiliale im Kottmarer Ortsteil hat noch bis zum letzten Juni-Freitag geöffnet, bevor sie endgültig schließt. In das Geschäft mit dem Geld ist das Kaufhallen-Personal allerdings eingestiegen: "Wir bieten unseren Kunden jetzt auch in Obercunnersdorf an, an der Kasse Bargeld abheben zu können", bestätigt Gener-Chefin Cindy Spantig. Seit Anfang des Monats läuft das Angebot nun schon, damit sich die Kunden auch ein bisschen daran gewöhnen können, schildert Frau Spantig.

Die Sache funktioniert an sich ganz einfach. Kunden können an der Kasse bis zu 200 Euro bar abheben. Dazu reicht es, der Kassiererin die EC-Karte zu überreichen. Möglich ist der neue Service prinzipiell für Kunden aller gängigen Banken, allerdings sollten sich die Kunden zuvor darüber informieren, welche Gebühren im Einzelfall für sie anfallen. "Das hängt ganz vom Kontomodell und den Modalitäten der Bank ab", betont Cindy Spantig.

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Wer Geld abheben will, muss allerdings etwas einkaufen. "Wir haben einen Mindestumsatz von zehn Euro festgelegt, weil uns ja im Zusammenhang mit diesem Service auch Kosten entstehen", erklärt Frau Spantig. Eine extra Geldreserve muss sich die Filiale deshalb aber nicht zulegen. Die ausgezahlten Scheine werden aus dem entnommen, was in der Kasse ist. Das heißt dann aber auch: "Früh gleich als erstes kommen und 200 Euro abheben wollen, wird nicht funktionieren", bittet Frau Spantig um Verständnis.

Generell macht sich die Händlerin um die Akzeptanz der Neuerung aber keine großen Sorgen, denn am Stammsitz von Gener in Kiesdorf läuft der Bargeld-Service schon seit Jahren reibungslos. Auch hier war der Grund eine fehlende Filiale in der Nähe - in diesem Fall war es vor Jahren der Verlust der Anlaufstelle der Volksbank. Genutzt wird der Service, den in der Region inzwischen mehrere, vor allem Inhaber geführte Märkte anbieten, insgesamt von allen Altersgruppen. "Aber sicherlich spielt das bei unserer älteren Kundschaft eine größere Rolle, weil sie generell häufiger auch mit Bargeld zahlt", beschreibt Cindy Spantig ihren bisherigen Eindruck.

Die Sparkasse selbst wird ihre Türen in Obercunnersdorf noch bis 28. Juni geöffnet haben. Dann bietet das Kreditinstitut hier künftig die rollende Sparkassenfiliale für die Kunden an. "Die fahrbare Filiale wird immer montags zwischen 13.30 und 14 Uhr in Obercunnersdorf sein", sagt Sparkassen-Sprecherin Bettina Richter-Kästner auf SZ-Nachfrage. Das Mobil stehe in erster Linie für die Bargeldversorgung der Kunden zur Verfügung, präzisiert die Sprecherin weiterhin. Für alles weitere - beispielsweise Beratungsgspräche - müssen die Kunden aus dem Einzugsbereich Kottmar künftig die nächstgelegenen Filialen in Herrnhut, Löbau oder Eibau nutzen.

Die Schließung der Obercunnersdorfer Filiale war schon seit Längerem bekannt: Bereits im Jahr 2015 hatte Sparkassenchef Michael Bräuer mehrere Schließungen angekündigt - darunter eben auch das Ende der Obercunnersdorfer Filiale. Proteste folgten an vielen Orten - auch in Obercunnersdorf - allerdings ohne großen Erfolg. Die Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien hielt trotzdem an der Schließung von sechs Filialen Mitte dieses Jahres fest. Betroffen sind demnach neben Obercunnersdorf auch die Filialen in Uhyst, in den Görlitzer Stadtteilen Hagenwerder und Südstadt, in Leutersdorf und Zittau-Süd. Nach einer Einschränkung der Öffnungszeiten im vergangenen Jahr folgt nun die angekündigte Schließung.

Immer wieder suchen Gemeinden nach Lösungen, wenn vor allem Volksbank oder Sparkasse sich aus den Orten zurückziehen. Beim Rückzug der Volksbank samt Automaten aus Großhennersdorf hat sich vor einigen Monaten eine andere Möglichkeit gefunden: Gemeinsam mit der Volksbank ist ein Automat eines selbstständigen Anbieters aufgestellt worden, an dem man jetzt Bargeld abheben kann. Für Volksbank-Kunden waren günstigere Konditionen ausgehandelt worden. Bei anderen Gemeinden hat die Sparkasse Lösungen zum Erhalt gefunden: Bernstadt und Ostritz sind seit einiger Zeit Tandem-Filialen, die an unterschiedlichen Tagen abwechselnd geöffnet haben.

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