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Gefährliches Bad in der Kiesgrube Leuben

Schwimmen ist dort verboten und doch halten sich viele Dresdner nicht daran. Ob im See bald legal gebadet werden darf, ist umstritten.

Schwimmen ist dort verboten und doch halten sich viele Dresdner nicht daran. Ob im See bald legal gebadet werden darf, ist umstritten.
Schwimmen ist dort verboten und doch halten sich viele Dresdner nicht daran. Ob im See bald legal gebadet werden darf, ist umstritten. © René Meinig

Dresden. Endlich ist der Sommer in Dresden, ein bisschen unbeständiger als in den vergangenen Jahren, aber Badewetter gibt es durchaus an dem einen oder anderen Tag. Sobald die Temperaturen klettern, werden aber auch manche Dresdner unvorsichtig und baden in Seen, in denen das nicht erlaubt ist. Wie in der Kiesgrube in Leuben.

Wie ist die Situation in diesem Sommer?

Der Chef Wasserskianlage Martin Riedel beobachtet die warmen Tagen mit großer Sorge. Die Kiesgrube wird massiv frequentiert,  sobald es warm ist. In diesem Jahr sehe er große Jugendgruppen mit mehr als 100 Leuten, es werde viel Alkohol getrunken. Kürzlich war erst ein Krankenwagen für vier Jugendliche gleichzeitig da. "Im Wasser wird es oft schnell gefährlich, wir haben erst kürzlich einen Schwimmer mit dem Boot herausgeholt, weil er nicht zurück schwimmen konnte", so Riedel. 

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Warum ist das Baden verboten?

Generell bestehen beim Baden in Kiesseen gesundheitliche Risiken, so das Umweltamt. Die Wasserqualität wird nicht, wie bei einem Badegewässer, überwacht. Daher gebe es auch keine Warnungen vor möglichen gesundheitlichen Gefahren zum Beispiel durch Algen. "Die Böschungen über und unter der Wasseroberfläche sind nicht für eine Badenutzung angelegt", so die Stadt. Der Untergrund könne schnell und steil abfallen. Das ist besonders für Kinder und Nichtschwimmer sehr gefährlich. "Insbesondere sehr riskant für Schwimmer ist im südlichen Kiessee Leuben die Wasserskianlage. Diese kann für sie lebensgefährlich werden", warnt die Stadt. Laut DRK-Wasserwacht sind in der Kiesgrube durchschnittlich ein bis zwei tödliche Badeunfällen pro Jahr zu beklagen.

Die Kiesseen in Leuben gehören zu den künstlichen Gewässern. Daher gilt dort per Gesetz ein Verbot für das Baden, auch an Stellen, wo vermeintlich ein Badestrand sein könnte. Das stellt das Umweltamt klar. Vor Ort gut sichtbare angebrachte Schilder weisen auf das Badeverbot hin. Die Kiesgrube ist keine offizielle Badestelle wie etwa in Weißig oder Weixdorf.

Auch Ulrike Peter vom Roten Kreuz in Dresden, das die Wasserwacht betreibt, sieht in der Wasserskianlage eine Gefahrenquelle. Zwar sei der Bereich abgegrenzt, jedoch werde dies nicht von allen Schwimmern beachtet. Komme es zur Kollisionen zwischen Wassersportlern und Schwimmern, könne dies auf Grund der hohen Geschwindigkeit tödliche Verletzungen zur Folge haben oder Ertrinken durch eine mögliche Bewusstlosigkeit nach sich ziehen. Darüber hinaus ist kein expliziter Nichtschwimmerbereich ausgewiesen. 

Könnte die Kiesgrube Badestelle werden?

Schon lange gibt es Bestrebungen, das Baden in der Kiesgrube zu erlauben. Dagegen sträubte sich die Stadt stets mit dem Hinweis auf die Sicherheit. Der Stadtrat hatte dann in seiner Sitzung im Dezember 2019 die Stadtverwaltung mit der Erstellung eines Fachgutachtens zu der Problematik beauftragt. "Corona-bedingt hat sich die Erstellung dieses Gutachtens bisher leider verzögert. Wir gehen von einer Fertigstellung im zweiten Halbjahr aus", schreibt die Stadt auf SZ-Anfrage. 

In seiner Antwort auf eine Anfrage von SPD-Stadträtin Kristin Sturm erklärte Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) im Sommer 2019, dass die Stadt dem Wunsch nach legalem Baden endlich nachkommen wolle, das aber aus rechtlicher Perspektive derzeit nicht möglich wäre. Es geht um mehrere Aspekte, die das Baden gefährlich machen.  Aber Hilbert macht Hoffnung: Es soll ein neuer Ansatz verfolgt werden und zwar mit eben jenem Gutachten, das die Gefahrenstellen im See ermittelt und aufzeigt, wie sie beseitigt werden können. Mit diesem Gutachten solle der seit Jahren bestehende Konflikt gelöst werden, so Hilbert. Damit will er den Geschäftsbereich für Umwelt und Kommunalwirtschaft beauftragen.

Wie müsste die Kiesgrube umgestaltet werden, damit es sicherer wird?

Es fehle ein organisierter Wasserrettungsdienst mit ausgebildeten Rettungsschwimmern und Einsatzmaterial vor Ort, die im Notfall schnell eingreifen können, so DRK-Sprecherin Peter. Bei Badeunfällen zähle jede Minute. Sei keine Hilfe vor Ort, dauere es meist zu lange, bis der Rettungsdienst eintrifft, um noch effektiv helfen zu können. Vor Ort sollten mindestens Rettungsringe und Notrufeinrichtungen sein, so dass zumindest ein Rettungsversuch durch Badegäste erfolgen kann. Die DRK-Wasserwacht empfiehlt deshalb das Baden und Schwimmen nur an bewachten Badestellen.

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Grundlage für einen Badebetrieb ist laut DRK eine Bewirtschaftung der Kiesgrube. Dazu zählen Dinge wie die Möglichkeit zur Abfallentsorgung, Sanitäreinrichtungen, regelmäßige Kontrollen der Wasserqualität, Kontrolle und Beseitigung von Gefahrenstellen, das Schaffen von Rettungswegen und Rettungspunkten. 

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