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Wie Bad Muskau sicher versorgt wird

Die VEW liefert in Bad Muskau Gas und Trinkwasser und entsorgt das Abwasser. Doch das Geschäft wird immer härter.

Das Wasserwerk Bad Muskau versorgt die Stadt mit Trinkwasser. Ob es in Zukunft wirtschaftlicher ist, Wasser aus dem Wasserwerk Boxberg zu beziehen, wird aber geprüft.
Das Wasserwerk Bad Muskau versorgt die Stadt mit Trinkwasser. Ob es in Zukunft wirtschaftlicher ist, Wasser aus dem Wasserwerk Boxberg zu beziehen, wird aber geprüft. © Sabine Larbig

Wer am Hotel Schlossbrunnen in Richtung Räderschnitza wandert, kommt am Wasserwerk Bad Muskau vorbei. Der in Wald und viel Grün stehende Flachbau mit vier Behältern ist relativ unscheinbar. Umso bedeutsamer ist das Wasserwerk für die Versorgung der Stadt mit Trinkwasser.

Allein in den Jahren 2018/19 wurden durchschnittlich 1.000 Kubikmeter Trinkwasser gefördert. Doppelt so viel wie in den Jahren zuvor. Und dies bei einer jährlichen Regenwassermenge von nur etwa 450 Litern pro Quadratmeter. Unter solchen Bedingungen stellten besonders die Sommermonate die sechs Mitarbeiter der 1993 gegründeten Ver- und Entsorgungswerke Bad Muskau (VEW) vor enorme Herausforderung. Immerhin ist Trinkwasser ein Lebensmittel im wahrsten Sinne des Wortes. Seine Lieferung in ausreichender Menge und Qualität muss stetig sichergestellt sein. Das ist nicht einfach, wenn Trockenphasen dazu führen, dass Bürger das kostbare Nass auch zur Gartenbewässerung oder zur Befüllung privater Gartenpools nutzen.

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Keine längeren Ausfallzeiten

„Dafür ist Trinkwasser eigentlich nicht da. Doch wir haben die trockenen Sommermonate gemeistert. Versorgungsausfälle konnten in der Regel unmittelbar behoben werden, so dass es keine längeren Ausfallzeiten gab“, erklärt Stephan Kaiser, Geschäftsführer der VEW, stolz. Dass gesellschaftliche und rechtliche Rahmenbedingungen immer härter und Aufgaben der Ver- und Entsorgung komplexer werden, macht es nicht leichter für das kleine Unternehmen, das in Bad Muskau und umliegenden Gemeinden für Trinkwasser-, Gas- und Wärmeversorgung sowie Abwasserentsorgung zuständig ist. Preisdiskussionen, regulierende Vorgaben, steigender Verwaltungsaufwand bis hin zur wöchentlichen Anpassung von Software für automatisierte Prozesse wirken sich auf das Alltagsgeschäft ebenso erschwerend aus wie die aus den Jahren 1994-96 stammenden Anlagen, erklärte Stephan Kaiser jüngst bei seinem Bericht im Stadtrat Bad Muskau.

Abwasserpumpwerk, Kläranlage oder Steuerkabelnetz sind zwar teilerneuert. Nun aber würden erneut erhebliche Investitionen nötig, die in der Regel nur über Kredite möglich werden. „Das Problem dabei ist, dass es uns so aber nicht möglich ist, für ungeplante Arbeiten kurzfristig eine Finanzierung, Ausschreibung und Realisierung hinzubekommen. Das betrifft auch Baumaßnahmen der Stadt“, kennzeichnet der Geschäftsführer die wirtschaftlich angespannte Unternehmenslage.

Investitionen unumgänglich

Trotzdem wird und muss investiert werden. Beispielsweise in den Austausch von Trinkwasserleitungen mit hoher Bedeutung für die Kundenversorgung. In einem ersten Bauabschnitt erfolgt daher diesen Sommer der Austausch von Asbestleitungen aus den 1970er-Jahren zwischen Wasserwerk und Brücke Räderschnitza. Danach geht es in Richtung Uferweg/ Köbelner Straße weiter. Teilsaniert wird ebenfalls das Abwasser- und Regenwassernetz in Bad Muskau. Arbeiten am Behälter der Druckerhöhungsstation im Ortsteil Berg, die Sanierung von Wasserfassungsbrunnen und die Überarbeitung der Technologie der Wasseraufbereitung im Wasserwerk Bad Muskau sind weitere Vorhaben.

Noch kein belastbares Angebot

Letzteres, sagt Stephan Kaiser, sei allerdings abhängig von einer möglichen künftigen Wasserlieferung in das Versorgungsgebiet Bad Muskau durch den Wasserzweckverband „Mittlere Neiße-Schöps“. Der ist schon jetzt für Bad Muskau vertraglich gebundener Notversorger. So wie Bad Muskau andersherum für Jämlitz und Weißwasser. „Wir sind offen für das Vorhaben, haben unseren Wasserbedarf schon angemeldet. Dennoch müssen wir zuvor wissen, ob und wie ökonomisch das ist. Da uns bislang kein belastbares Angebot vorliegt und somit eine Wirtschaftlichkeitsberechnung noch aussteht, werden wir in jedem Fall die Brunnen der Rohwasserfassung reinigen, da sich dort ausfallendes Eisen angesetzt hat“,erklärt der VEW-Geschäftsführer.

Stolz ist Stephan Kaiser darauf, dass die VEW Bad Muskau bei Trinkwasser, Abwasser und Gas deutlich geringere Preise als umliegende Stadtwerke bieten kann. „Selbst bei vielen Vergleichsportalen, wo oft Äpfel mit Birnen verglichen werden, schneiden wir gut ab.“Offen ist dagegen, wie lange dies und die Einhaltung der Planzahlen für die Jahre 2020 bis 2022 möglich bleibt. 

Denn Fakt ist, dass durch Corona der Trinkwasser- und Gasabsatz und somit auch der Umsatz der VEW zurückgingen, weil Hotels, Arztpraxen oder Firmen nicht arbeiteten. Klar ist ebenfalls, so Kaiser, dass sich die Erdgaspreise durch die Einführung der CO2-Steuer je Kilowattstunde (kWh) um 0,505 Cent zuzüglich Umsatzsteuer bei einem Anfangspreis von 25 Euro pro Tonne CO2 erhöhen. Dies bedeute, dass bei einem Jahresverbrauch von 20.000 kWh rund 120 Euro Mehrkosten für den Kunden anfallen. Für die Kunden der VEW Bad Muskau, die erst zum 1. Januar 2020 mit einer Gaspreissenkung überrascht wurden, eine ärgerliche Entwicklung. Erschwerend hinzu kommt, so Stephan Kaiser weiter, dass für Klärschlammentsorgung – die bei der Kläranlage Bad Muskau seit 2017 vertraglich durch die Stadtwerke Weißwasser erfolgt – und Strom ebenfalls bereits Preiserhöhungen angezeigt worden seien. Und dann gibt es noch die zeitlich begrenzte Änderung der Umsatzsteuer, die sich auf das Unternehmen und seine Kunden auswirkt. Stephan Kaiser rechnet intern aus all diesen Gründen bereits mit geringeren Überschüssen als in den Vorjahren.

Trotz allem wolle die VEW, so ihr Geschäftsführer im Stadtrat Bad Muskau, an der Unterstützung örtlicher Vereine und öffentlicher Veranstaltungen durch Sachleistungen, Kostenübernahmen oder Spenden festhalten. Dies gelte auch für die enge Zusammenarbeit mit der Grundschule Bad Muskau, bei der die VEW „das vierte Mal, also seit 13 Jahren, Pate einer Klasse“, sei. Dies, meint Kaiser, komme gut an, obgleich es heutzutage „keinesfalls mehr alltäglich“ sei.

Applaus für ehrlichen Bericht

Fazit: Als kleiner regionaler Ver- und Entsorger meistert die VEW große Aufgaben. Dies sahen auch die Muskauer Stadträte so, die sich zum Unternehmen bekennen und Stephan Kaiser für seinen ehrlichen Bericht applaudierten.

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