merken
PLUS Görlitz

Glutofen Görlitz: Das zeigen spektakuläre Wärmebildfotos

Die Hitze in der Stadt macht den Menschen zu schaffen. Eine Görlitzerin hat jetzt beispielhaft ermittelt, wo sich die Stadt besonders aufheizt.

Beispiel Marienplatz: Die wärmste Fassade misst 56 Grad, der Brunnen hingegen nur 23,3 Grad.
Beispiel Marienplatz: Die wärmste Fassade misst 56 Grad, der Brunnen hingegen nur 23,3 Grad. © Janet Conrad

Die extreme Hitze dieser Tage lässt sich für so manchen am Berzdorfer See ganz gut aushalten, sagt Janet Conrad: „Auf dem Weg in die Stadt fühlt es sich an einigen Stellen aber an wie ein Glutofen.“ Die 47-Jährige ist Geschäftsführerin der Evangelischen Kulturstiftung Görlitz, außerdem Landschaftsarchitektin, Gemeindepädagogin, Gerontologin – und seit Herbst 2019 Mitglied bei Bündnis 90/ Die Grünen.

Janet Conrad (47) ist Geschäftsführerin der Evangelischen Kulturstiftung Görlitz.
Janet Conrad (47) ist Geschäftsführerin der Evangelischen Kulturstiftung Görlitz. © nikolaischmidt.de

Kein Wunder also, dass sie sich für Klimathemen interessiert. „Mich bewegen die rasanten Umweltveränderungen der vergangenen Jahre sehr und ich weiß um mögliche Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit“, erklärt Janet Conrad. Ihr sei es wichtig geworden, die Veränderungen nicht nur passiv zu ertragen, sondern aktiv zu gestalten. Die großen Herausforderungen unserer Zeit bräuchten breite gesellschaftliche Bündnisse, um wirkungsvoll positive und der Vielfalt des Lebens dienende Veränderungen anzustoßen.

Anzeige
Kompetenz in der Vermögensbetreuung
Kompetenz in der Vermögensbetreuung

Geld sicher und gut anlegen? Das ist in Zeiten der Nullzinspolitik nicht einfach. Deshalb sollte man sich gerade jetzt gut beraten lassen.

Um herauszufinden, was Görlitz so aufheizt, ist sie vorigen Sonnabend in der Mittagszeit bei Außentemperaturen von bis zu 32,5 Grad im Schatten mit der Wärmebildkamera durch die Alt- und Innenstadt gelaufen. „Dabei habe ich besondere Hitzetreiber ausgemacht, aber auch gesehen, an welchen Stellen heute schon eine effektive Kühlung der Stadt gegeben ist“, sagt sie.

Beispiel Elisabethstraße: Die Autos sind um die 60 Grad heiß, im Schatten der Bäume herrschen „nur“ 34 Grad.
Beispiel Elisabethstraße: Die Autos sind um die 60 Grad heiß, im Schatten der Bäume herrschen „nur“ 34 Grad. © Janet Conrad

Die Ergebnisse ihrer Tour sind in den Bildern festgehalten, die diesen Text illustrieren. „Auf dem Obermarkt ist es an heißen Tagen besonders unerträglich“, sagt Janet Conrad. Hier gebe es viele Hitzetreiber. Die Gebäude auf der Südseite und die Pflasterflächen, die den ganzen Tag Sonne abbekommen, weisen Oberflächentemperaturen von bis zu 50 Grad Celsius auf, die sie dann in den Straßenraum abgeben. Besondere Hitzetreiber überall in der Stadt sind mitten in der Sonne parkende Autos, sagt die dreifache Mutter: „Jeder weiß, wie unangenehm es ist, in ein etwas länger in der Sonne abgestelltes Auto zu steigen.“ Je nach Farbgebung heizen sie sich mal mehr und mal weniger bis zu 70 Grad Celsius auf und geben die Wärme ab. „Sie wirken wie von der Sonne betriebene Flächenheizkörper, die die Strahlung besonders gut in den Straßenraum bringen“, sagt Janet Conrad.

Je nach Hausfassaden und Begrünung hat sie große Wärmeunterschiede festgestellt. Dort, wo Bäume stehen und Grünflächen angelegt sind oder – wie auf dem Marienplatz und auf dem Postplatz – sogar Wasser fließt und verdunstet, ist die sommerliche Hitze in der Stadt deutlich besser zu ertragen. Am Obermarkt tragen der Brunnen, die beiden begrünten Fassaden, die Linde an der Dreifaltigkeitskirche und die Trauerweide am Reichenbacher Turm zur Kühlung bei. Eines der Fotos zeigt den Durchgang durch den Reichenbacher Turm, wo die Trauerweide zusätzlich Schatten spendet. Nur 28,4 Grad warm ist es dort. Ein wenige Meter entfernt stehendes Auto hingegen hat sich auf 67,4 Grad aufgeheizt. Besonders markant sind auch die Unterschiede zwischen den Schattenflächen unter den Bäumen und den Sonnenflächen in der Elisabethstraße.

Beispiel Obermarkt: Hier gibt es kaum Schatten. Der heißeste Punkt auf diesem Foto ist 64,9 Grad warm.
Beispiel Obermarkt: Hier gibt es kaum Schatten. Der heißeste Punkt auf diesem Foto ist 64,9 Grad warm. © Janet Conrad

„Allerdings leiden die für das städtische Klima so wichtigen Bäume und Grünflächen genauso wie unsere Wälder unter der gestiegenen Anzahl an Sonnentagen mit höheren Temperaturen und weniger Niederschlägen“, sagt Janet Conrad. Schon durch die bisherigen Klimaveränderungen seien in den vergangenen Jahren zahlreiche Bäume verlorengegangen: „Jeder tote Baum mahnt, den Klimaschutz ernst zu nehmen.“ Bisher nehme der Ausstoß an Treibhausgasen trotz aller internationalen Bemühungen immer noch weiter zu, weltweit sterben immer mehr Kohlendioxid speichernde Wälder bei Dürrestress, Schädlingsbefall und Bränden: „Daher wird es zukünftig auch hier bei uns immer häufigere und längere Hitzeperioden geben.“

Insofern gelte es, OB Octavian Ursu bei seinem sehr ambitionierten Ziel der klimaneutralen Stadt 2030 so gut wie möglich zu unterstützen. Gleichzeitig werde Görlitz um städtebauliche Maßnahmen gegen die Hitze nicht herumkommen, wenn die Lebensqualität in der Innenstadt an heißen Tagen erhalten oder sogar verbessert werden soll. Auch wenn es auf dem Obermarkt historisch nie viele schattenspendende Bäume gegeben hat, wäre es nach Ansicht von Janet Conrad doch sinnvoll, den Platz konsequent zukunftsweisend zu gestalten.

Mehr Nachrichten aus Görlitz lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Niesky lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Görlitz