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Kirschau: Hoffnung für die Körse-Therme

Freistaat, Landkreis und Zweckverband wollen die drohende Schließung des Bades verhindern. Ein erster Schritt in diese Richtung ist jetzt getan.

Unbeschwertes Planschen ist in der Körse-Therme in Kirschau derzeit nicht möglich. Um die Schließung des Bades zu verhindern, beraten Land, Kreis Bautzen und der Zweckverband derzeit emsig. Am Freitag gab es einen ersten Erfolg.
Unbeschwertes Planschen ist in der Körse-Therme in Kirschau derzeit nicht möglich. Um die Schließung des Bades zu verhindern, beraten Land, Kreis Bautzen und der Zweckverband derzeit emsig. Am Freitag gab es einen ersten Erfolg. © Archivfoto: SZ/Uwe Soeder

Dresden/Schirgiswalde-Kirschau. Bei einem Treffen in der Landesdirektion haben sich am Freitag Vertreter von Freistaat, Landkreis Bautzen und Bäderzweckverband über den möglichen Weiterbetrieb der Körse-Therme in Kirschau verständigt. Wie Sven Gabriel (FDP) – Bürgermeister von Schirgiswalde Kirschau und Vorsitzender des Zweckverbandes – nach dem Termin mitteilte, sei die Schließung des Hallenbades politisch von keiner Seite gewollt – aber wirtschaftlich noch nicht vom Tisch.

Um das drohende Aus zu verhindern, hat der Freistaat dem Zweckverband Fördermittel in Höhe von bis zu 80 Prozent für die Sanierung des Bades in Aussicht gestellt. Konkrete Planungen zu entstehenden Kosten liegen bislang noch nicht vor. Nach ersten Schätzungen soll aber eine umfassende Erneuerung der Technik des 22 Jahre alten Hallenbades zwischen zehn und 20 Millionen Euro in Anspruch nehmen.

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Dennoch kämen auf Schirgiswalde-Kirschau, Sohland, Beiersdorf und Obergurig – jene Gemeinden, die im Verband Betrieb und Unterhalt des Bades finanzieren – allein für die notwendige Sanierung bestenfalls Kosten in Höhe von zwei Millionen Euro zu.

Diese Kosten würden auf die Verbandsmitglieder nach einem bestimmten Schlüssel aufgeteilt, der Einwohnerzahl und räumliche Nähe zur Einrichtung einbezieht. Diesem Schlüssel nach trägt Schirgiswalde-Kirschau allein 52 Prozent der Kosten an Unterhalt und Investitionen und müsste also eine reichliche Million zur Bad-Sanierung beisteuern.

Fördermittel lösen das Problem nicht

"Zu viel", sagt Sven Gabriel. Für ihn ist die Aussicht auf Fördermittel für die Sanierung zwar ein erster Schritt, aber noch nicht die Lösung. "Die Stadt macht die Sanierung davon abhängig, ob sie nachhaltig ist", sagt er auf Anfrage von Sächsische.de. Zu den Sanierungskosten hinzu kämen immerhin noch die Ausgaben für den laufenden Betrieb. Ein Zuschuss von insgesamt 400.000 Euro, je hälftig getragen von Landkreis und Verband, war allein für 2020 schon im Vorfeld der Corona-Pandemie kalkuliert worden.

Durch die Krise aber sind dem Verband in den üblicherweise besucherstarken Monaten März, April und Mai Einnahmen in Höhe von weiteren etwa 400.000 Euro weggebrochen. Bleibt es beim derzeitigen Betreibermodell, droht den beiden größten Trägergemeinden Schirgiswalde-Kirschau und Sohland die Haushaltskonsolidierung. 

Die Schließung des Bades sei deshalb noch nicht vom Tisch, solange nicht ein neues Betreibermodell für die Körse-Therme gefunden werde, hat Sven Gabriel wiederholt betont. Konkret werben die Verbandsmitglieder deshalb weiterhin bei den Umlandgemeinden und beim Landkreis um Unterstützung.

Klarer Appell aus dem Landkreis

Unterstützung signalisiert Bautzens Landrat Michael Harig (CDU) durchaus. Gleichzeitig stellt er aber klar: "Die Vorstellung, dass der Landkreis sämtliche defizitären öffentlichen Einrichtungen übernimmt, ist aus wirtschaftlicher und kommunalrechtlicher Sicht nicht zielführend."

Bäderbetrieb sei eine per se kommunale Aufgabe. Deshalb sei es zur Rettung der Körse-Therme geboten, die Auslastung des Bades durch kommunale Zusammenarbeit zu verbessern. Das sei etwa möglich, indem das Hallenbad um ein Außenbecken erweitert würde, welches den Charakter eines Freibades widerspiegelt.

Veraltete und sanierungsbedürftige Freibäder in den umliegenden Gemeinden könnten dann geschlossen, der aufzubringende Unterhalt in die Steigerung der Attraktivität der Körse-Therme investiert werden: "Die Bereitstellung kostenloser Bäderbusse in den Ferienzeiten wäre wesentlich wirtschaftlicher als ein wiederholtes Investieren in Bäder, welche zehn Monate eines Jahres als öffentliche Infrastruktur wetterbedingt keine Rolle spielen und permanent hohe Zuschüsse benötigen", wird Harig deutlich.

Kritik an Stimmen aus der AfD

Ein überlegtes und gemeinschaftliches Vorgehen ist auch für Landtagsabgeordnete Patricia Wissel (CDU) der richtige Weg, um das seit Jahren defizitäre Hallenbad noch zu retten. Im Hinblick auf das Treffen in der Staatskanzlei sagt sie: "Arbeitsgespräche dieser Art sind die richtige und solide Herangehensweise, um gemeinsam Probleme zu lösen." Die Aussicht auf Fördermittel für die Sanierung sei noch keine wasserfeste Lösung, aber immerhin ein Angebot, das der Verband annehmen könne.

Mit Verweis auf die Äußerungen des AfD-Landtagsabgeordneten Frank Peschel, wonach Mehreinnahmen und Kostensenkungen der richtige Weg zur Bad-Rettung seien, sagt sie: "Bürgermeister vorzuführen, mit denen man in der Sache noch nie persönlich gesprochen hat, und Parolen bringen uns nicht weiter und zeugen von keinem guten Stil."

Im nächsten Schritt solle es daher ein Arbeitsgespräch mit den Verantwortlichen des Landkreises geben.

Der Beitrag wurde am 19. Juni 2020, 18.45 Uhr, aktualisiert.

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