merken
PLUS

Niesky

Kollmer Hotelier geht in den Ruhestand

Joachim Frinker schließt am Sonntag nach 33 Jahren sein Landhotel. Damit verliert der Stausee eine beliebte Einkehrstätte. Aber es gibt eine Zukunft für das Objekt.

Petra und Joachim Frinker führen seit 1986 die Gaststätte und später das Landhotel in Kollm. Nun gehen sie in Rente.
Petra und Joachim Frinker führen seit 1986 die Gaststätte und später das Landhotel in Kollm. Nun gehen sie in Rente. ©  André Schulze

Joachim Frinker hat nachgezählt: „Es sind genau 33 Jahre und 60 Tage, in denen ich mit meiner Frau das Landhotel in Kollm betreibe“, sagt der Inhaber dieser beliebten Einkehrstätte am Quitzdorfer Stausee. Aber am Sonntag ist Schluss, definitiv, betont der 62-Jährige. Bis zum Sonnabend hat er noch Gäste im Restaurant, auch einige Übernachtungen stehen noch an. „Wir haben das Alter erreicht, wo man loslassen soll“, betont der gelernte Küchenmeister. Schließlich gibt es noch ein Leben nach dem Berufsleben. „Das werden wir nutzen, um das nachzuholen, wofür wir über die vielen Jahre keine Zeit hatten: das Reisen.“ Joachim Frinker hat sich mit seiner Frau in den drei Jahrzehnten gerade mal zwei Sommerurlaube gegönnt. Und das auch nur, „weil wir personell gut besetzt waren“.

Aber die Zeiten sind schon lange vorbei. „Es fehlt an gutem Personal, das nach der Ausbildung bleibt“, erzählt die gelernte Bürokauffrau Petra Frinker. In den besten Jahren hatten Frinkers ein Dutzend Angestellte für Gaststätte und Hotel. Dazu kam noch die Lehrlingsausbildung für Küche, Restaurant und Hotel. Ihr Mann ergänzt: „Von allen unseren Lehrlingen sind heute nur noch drei in der Gastronomie beschäftigt.“ Selbst haben Frinkers noch eine Vollzeitkraft und drei Teilzeitbeschäftigte bei sich angestellt. Ab dem neuen Monat müssen die vier Frauen sich um neue Jobs kümmern, denn die Küche im Landhotel bleibt ab dann kalt.

Gesicherte Nahversorgung in der Elbgalerie
Gesicherte Nahversorgung in der Elbgalerie

Die Apotheke, Drogerie und der Lebensmittelhandel haben in der Elbgalerie weiterhin für Sie geöffnet und freuen sich auf Ihren Besuch.

Dass das Landhotel über die Jahre fast immer gut dastand, das freut Frinkers besonders. Zu verdanken haben sie es vor allem ihren Gästen. Besonders die Stammgäste, die dem Haus über die Jahre die Treue hielten, und ihre Geburtstage, Hochzeiten und weitere Familienfeiern im Landhotel begingen. Nur das Jahr 2012 sorgte für einen Einbruch in der Bilanz. „Das Augusthochwasser hielt viele ab, bei uns anzureisen. Teils, weil sie selbst davon betroffen waren, aber auch, weil wir als Hochwasserregion in den Medien präsent waren, obwohl es am Stausee kein Hochwasser gab“, erinnert sich Joachim Frinker.

Angefangen hat alles 1986, als Frinkers die Konsum-Gaststätte samt ehemaliger Fleischerei in Kollm kauften. „Eigentlich waren wir auf Wohnungssuche, denn unsere Zittauer Wohnung mit zwei Zimmern war für eine vierköpfige Familie zu klein geworden.“ Joachim Frinker wurde daraufhin in Kollm fündig. Aber was die junge Familie hier vorfand, glich mehr einer Bruchbude als einem Haus, in das man einziehen kann. Trotzdem griff sie zu. Was folgte waren zehn Jahre Leben auf der Baustelle. Joachim Frinker hat alles dokumentiert und für seine Gäste als Bilder im Haus aufgehängt. Den Anfang machte 1988 der Saal. Und da waren schon die ersten Hürden zu nehmen. Das Parkett musste zweimal verlegt werden, weil ein Frostschaden den Fußboden unter Wasser gesetzt hatte. „Man brauchte schon großes Organisationstalent und Wissen, wo es was gibt“, erzählt Frinker rückblickend. Aber letztendlich habe er immer das an Baumaterial und Inventar bekommen, was er wollte, sagt er mit einem verschmitzten Lächeln.

Dem Gastwirt war von Anfang an klar, dass sich eine Gaststätte allein nicht trägt, auch wenn Kollm Ende der 1980er Jahre rund 48 000 Urlauber jährlich beherbergte. Im November 1993 wurde neben dem Gasthaus der Grundstein für ein Hotel mit 25 Doppelzimmern gelegt, das neun Monate später bereits öffnete. Vorwiegend Busreisende organisierte Joachim Frinker in den 1990er Jahren für sein Haus. Dazu fuhr er auf große Messen deutschlandweit oder annoncierte in Zeitungen. Denn Internet gab es in seiner heutigen Form noch nicht und erreichte Kollm auch erst in den jüngsten Jahren. „Dadurch hatten wir nicht wenige Abbestellungen, weil die Leute bei uns kein Internet nutzen konnten. Das war schon geschäftsschädigend für uns“ , so der Hotelier heute. Mit einer Kegelbahn, einem Tennisplatz und einer Sauna werteten Frinkers Ende der 1990er Jahre ihr Haus weiter auf. Zur Jahrtausendwende kam noch ein größerer Biergarten dazu.

Ab Montag wird das alles Geschichte sein, denn die Familie Frinker hat ihr Objekt zum 1. Juli verkauft. Ihre beiden Kinder sind in die Gastronomie nicht eingestiegen und ein Nachfolger fand sich auch nicht. „Einen Käufer haben wir drei Jahre lang gesucht, aber jetzt haben wir ihn“, sagt Petra Frinker. Am 8. Juli wird an den neuen Besitzer die Schlüsselübergabe erfolgen. Er wird sich vorstellen und berichten, was er mit dem Objekt künftig vor hat.

Mehr lokale Themen:

www.saechsische.de/niesky

Mehr zum Thema Niesky