merken
PLUS Radebeul

Kuhmist soll Strom liefern

Die Agrargenossenschaft Radeburg will eine zweite Biogasanlage bauen. Die Energiegewinnung ist dafür nicht der alleinige Grund.

In den Reichenberger Ställen der Agrargenossenschaft Radeburg stehen rund 430 Jungrinder auf Tiefstreu. Bisher landete der Mist auf den Feldern. Das soll sich nun ändern (Symbolbild).
In den Reichenberger Ställen der Agrargenossenschaft Radeburg stehen rund 430 Jungrinder auf Tiefstreu. Bisher landete der Mist auf den Feldern. Das soll sich nun ändern (Symbolbild). © dpa

Reichenberg. In der vergangenen Woche herrschte auf den Feldern rund um Reichenberg wieder rege Geschäftigkeit. Vor der Neubestellung brachten Mitarbeiter der Agrargenossenschaft Radeburg Mist auf die Felder und arbeiten ihn dort in den Ackerboden ein. Steht der Wind günstig, ist das kein Problem. „Weht er aber aus Westen, laufen bei uns jedes Mal die Telefone heiß“, sagt Feldbauvorstand Heiko Hennersdorf. Denn die würzige Landluft, die dann über den Feldern liegt, ist nicht jedermanns Sache.

Geht es nach den Verantwortlichen der Genossenschaft, spielt die Windrichtung künftig aber keine Rolle mehr. Denn läuft alles wie geplant, soll der Mist aus den Ställen am Rand des Moritzburger Ortsteils bereits im nächsten Jahr nicht mehr auf den Feldern, sondern in einer neuen Biogasanlage landen. Diese will der Landwirtschaftsbetrieb direkt neben den beiden bereits seit ein paar Jahren vorhandenen Behältern bauen, in denen das ausgegaste Substrat der Drewag-Biogasanlage im Dresdner Norden bis zum Ausbringen auf den Feldern gelagert wird.

Anzeige
Trendsetter seit 1471: Museale Innovation
Trendsetter seit 1471: Museale Innovation

Der interaktive Tablet-Guide, das "HistoPad", als Neuheit in Deutschland. Mit Augmented Reality und 3D-Inszenierungen die Albrechtsburg Meissen entdecken.

Als die Behälter seinerzeit gebaut werden sollten, liefen viele Reichenberger dagegen Sturm, erinnert sich Genossenschaftsvorstand Dennis Thomas. Die Befürchtung der Leute war, dass der Verkehr im Dorf durch die notwendigen Transporte erheblich mehr werden würde. Eingetreten ist das nicht, denn wie Heiko Hennersdorf sagt, werden für die Fahrten vor allem die Wirtschaftswege außerhalb des Ortes genutzt. Zu den neuen Plänen scheint es dagegen kaum Diskussionsbedarf zu geben. Der Technische Ausschuss des Moritzburger Gemeinderates hat diese einstimmig gebilligt. Und auch der Ortschaftsrat Reichenberg hatte in der Vorberatung mehrheitlich zugestimmt.

Und tatsächlich sieht es so aus, als würde die neue Anlage für den Ort, die Genossenschaft und letztlich auch die Umwelt vor allem Vorteile mit sich bringen. Denn mit ihrer Inbetriebnahme braucht der Mist der in Reichenberg auf Tiefstreu in den Ställen stehenden etwa 430 Jungrinder nicht mehr gelagert werden, sondern kommt direkt in die Biogasanlage. Das hilft der Umwelt, werden doch so Emissionen verringert. Natürlich entfällt damit auch die Geruchsbelästigung. Denn das übrig bleibende Substrat stinkt nicht mehr, wie auch die Erfahrung zeigt.

Das Substrat hat zudem einen anderen wesentlichen Vorteil. „Den Stalldung können wir bisher nur dort einarbeiten, wo danach Mais und Raps hinkommen“, erklärt Heiko Hennersdorf. „Das Substrat können wir dagegen überall und ganz gezielt dann ausbringen, wenn es die Pflanzen brauchen. Wenn sie wachsen.“ Das entspräche auch der neuen Düngerverordnung. Obendrein muss so weniger Stickstoffdünger gekauft und eingesetzt werden. Heiko Hennersdorf: „Den organischen haben wir ja ohnehin da. Wir wollen ihn in Zukunft nur besser nutzen.“ In den vergangenen Jahren habe man schon einiges ausprobiert und spare so mittlerweile im Jahr zwischen 200 und 300 Tonnen Mineraldünger ein.

Auf den Feldern um Moritzburg und Friedewald werde es auch im nächsten Jahr nicht mehr als 25 Hektar Mais geben. „Für die Biogasanlage bauen wir nichts an“, so Dennis Thomas. Neben dem Stalldung soll diese mit Silo-Restabfällen und Hühnertrockenkot betrieben werden.

Vorgesehen ist, dass das Blockheizkraftwerk im Dauerbetrieb eine elektrische Leistung von 75 kW haben soll. Im Vergleich: Die Anlage in Großdittmannsdorf liefert 590 kW. „Einreichen mussten wir die Planungen aber mit 190 kW, damit Wartungen ausgeglichen werden können und bei Spitzenbedarf mehr Strom ins Netz eingespeist werden kann“, sagt Dennis Thomas. Der Fermenter, in dem das Gas entsteht und gesammelt wird, soll einen Durchmesser von 24 Metern und eine Höhe von sechs Metern haben. Die Hälfte davon verschwindet allerdings in der Erde.

Natürlich möchte Dennis Thomas auch in Reichenberg die entstehende Wärme nutzen. In Großdittmannsdorf werden neben den eigenen Gebäuden 44 Häuser mit Fernwärme versorgt. Erste Ideen für den neuen Standort gibt es schon.

Mehr lokale Nachrichten aus Radebeul lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Radebeul