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Kulti kriegt Knete

Viel zu renovieren gibt's an dem Treffpunkt in Dittersbach. Mit einem Gewinn von 200.000 Euro geht es nun doch voran. Für einen kommt die gute Nachricht zu spät.

Von Anja Beutler
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Hier rücken demnächst die Handwerker an: im Sport- und Kulturzentrum Dittersbach.
Hier rücken demnächst die Handwerker an: im Sport- und Kulturzentrum Dittersbach. ©  Archivfoto: Rafael Sampedro

Wie die Überraschung über einen Sechser im Lotto überrollte Bernstadt vor Kurzem ein Gewinn von 200.000 Euro. Beim Wettbewerb "Ideen für den ländlichen Raum" hatte das Glück für die Idee der Bernstädter zugeschlagen - und damit eine neue Zeit für Dittersbachs Sport- und Kulturzentrum eingeläutet. Seit 2018 ist das kurz Kulti genannte Gebäude eher ein Sorgenkind als der Stolz der Ortschaft. Denn seit der letzte Wirt das Licht ausgemacht hatte, zog sich die Suche nach einer neuen Idee für die alte Hülle quälend lang hin - zumal immer auch die Frage nach dem nötigen Geld mitschwang.

Diese Frage ist nun - wenigstens in Teilen - geklärt. Eigentlich kosten die Vorstellungen für die Zukunft des Kultis insgesamt 500.000 Euro. Mit den nun gewonnenen 200.000 Euro aber kann die Stadt "die minimale Zielsetzung" umsetzen: "Die technische Einrichtung der Halle - Elektrik, Sanitär, Brandschutz und Heizung - werden wir nun erneuern können", freute sich Bernstadts Bürgermeister Markus Weise (Kemnitzer Liste) über den unverhofften Gewinn. Ortschaftsrat, Stadträte und die Dittersbacher selbst hatten an der Projektidee mitgearbeitet und sollen das auch weiterhin tun - das war auch ein ausschlaggebender Punkt für die Bewerbung.

Begründer des Kultis vor Kurzem verstorben

Traurig ist bei all der Freude über den Geldsegen nur, dass der Mann, dem der Ort das Kulti verdankt, von der positiven Entwicklung nichts mehr erfahren hat: Hans Nerger, der frühere LPG-Vorsitzende und spätere Begründer der Gener-Getränkemärkte, ist vor einigen Wochen mit 85 Jahren gestorben. Ortschronist Klaus Wappler bedauert das sehr, denn ohne Nerger, so ist er sicher, gäbe es weder das Kulti selbst, noch all die Extras, die das Haus im Laufe der Jahre erhalten hat. Immerhin sei es tröstlich, dass Nerger noch dabei sein und geehrt werden konnte, als voriges Jahr 40 Jahre Kulti gefeiert wurde.

Hans Nerger ist es zu verdanken, dass Dittersbach ein Sport- und Kulturzentrum hat.
Hans Nerger ist es zu verdanken, dass Dittersbach ein Sport- und Kulturzentrum hat. © Foto: Archiv Klaus Wappler

Tatsächlich war es ein genialer, bauernschlauer Clou , den der damalige LPG-Vorsitzende Mitte der 1970er eingefädelt hatte. Als die DDR ein Förderprogramm für Turnhallen auflegte, reagierte er rasch und sorgte dafür, dass Dittersbach mit der 1972 als Lager für Düngemittel errichteten Halle in ein Fördermittelprogramm rutschte. Und so hatten die Dittersbacher schließlich nicht nur ein Sportzentrum, sondern auch eine Großküche samt Speiseraum, eine Bauernstube samt Bühne und einen Luftgewehrraum, der rasch zur Bar ausgebaut wurde.

Vieles, was heute dazu gehört, baute oder schaffte die LPG an, sie finanzierte beispielsweise auch Stühle und Tische für die Inneneinrichtung und baute eben auch die Bar ein. Mit Frank Sieber, der ab 1978 im Kulti den Hut aufhatte und nicht nur die LPG-Arbeiter verköstigte, stellte sich die Frage nach der Nutzung bis 2012 nicht - erst da gab er aus Altersgründen das Kulti ab. Seit 1994 ist ohnehin die Stadt Bernstadt Besitzer des Objektes und als 2018 auch der Nachfolger von Sieber - Jens Leistner - nicht mehr weitermachte, begann die Diskussion, wo es mit dem Kulti hingehen soll - bei all den nötigen Investitionen. Hier gibt es nun mit den 200.000 Euro einen Lichtblick.

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