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Meißen

Kur für Cöllner Kirche

Die Johanneskirche erhält ein neues Dach. Statt Zementplatten kommt richtiger Schiefer drauf – dann folgt die Innensanierung.

Männer der Dresdner Dachdeckerfirma Wagner bauen eine neue Schalung auf die Südseite des Kirchendaches. Dort werden später die Schindeln aus Naturschiefer aufgenagelt.
Männer der Dresdner Dachdeckerfirma Wagner bauen eine neue Schalung auf die Südseite des Kirchendaches. Dort werden später die Schindeln aus Naturschiefer aufgenagelt. © Claudia Hübschmann

Meißen. Auf der Nordseite ist das Dach unter grünen und blauen Planen verschwunden. Mit Latten sind sie auf die Sparren geschraubt, damit sie der Wind nicht abhebt und Feuchtigkeit in die Gewölbe des Kirchenschiffs gelangt. Jeden Tag, vor Arbeitsschluss, werden die Planen kontrolliert, erklärt Architekt Thomas Bretschneider, der die Sanierung der Johanneskirche in Cölln seit 2014 betreut.

Auf der gegenüberliegenden, der Südseite, sind die Planen heruntergezogen worden, denn dort nageln die Männer der Dresdner Dachdeckerei Thomas Wagner schon die Bretter der Dachschalung auf die Sparren. „Eine Kirche einzudecken ist nie Routine, dafür sind die Arbeiten zu vielfältig“, sagt Firmenchef Thomas Wagner. 

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Und Dachdeckermeister Stephan Pietsch, der die Arbeiten vor Ort in Cölln leitet, erklärt, dass die wirklich anspruchsvollen Arbeiten noch kommen. Denn nachdem die in den 1980er Jahren gebaute Dachdeckung aus Faserzementplatten abgenommen und die Dachschalung komplett ist, kommt eine Naturschieferdeckung auf die Johanneskirche. Dass sie in guten Händen ist, zeigt die Tatsache, dass die Firma Wagner 2014 schon die Frauenkirche am Markt neu gedeckt hat.

Altar aus Keramik, Kanzel aus Ton

Vom Gerüst aus sieht man, was von unten nicht zu erkennen ist: Teilweise ist der Mörtel zwischen den Sandsteinblöcken des Mauerwerks ausgewaschen. Ansonsten ist Architekt Bretschneider voll des Lobes für das Bauwerk, das 1898 in der Zeit des Übergangs von der Neugotik zum Jugendstil vom Baumeister Theodor Quentin errichtet worden war. „Nach 120 Jahren ist das die erste grundhafte Sanierung, da kann man nur den Hut ziehen.“

Theodor Quentin habe die Johanneskirche als Gesamtkunstwerk begriffen. Das heißt, dass sich vom Baukörper bis hin zur Kanzel alles einem gestalterischen Willen unterordnet – dem seinen. Allerdings folgte er im Innenraum den Vorgaben von Pfarrer Hugo Hickmann: „Typisch für den beginnenden Jugendstil ist die Bevorzugung einheimischer Materialien und das Einbeziehen industrieller Fertigung in die Kunst.

So wurden zum Bau Meißner Granit sowie sächsischer Porphyr und Sandstein verwendet. „Der Altar wurde von der Sächsischen Ofenfabrik Meißen, die Kanzel von der Firma Ernst Teichert aus Ton hergestellt“, ist beim Kirchenbezirk Meißen-Großenhain zu lesen.

Zu den Schätzen der Johanneskirche, deren Substanz zu 90 Prozent original erhalten ist, wie Thomas Bretschneider erklärt, zählen Sascha Schneiders Wandgemälde „Triumph des Kreuzes im Weltgericht“ sowie die mächtige Jehmlich-Orgel.

Im Oktober 2018 ist mit der Dachsanierung begonnen worden. Bis 2021 sollen der Innenraum und der kleine Park um die Kirche wiederhergestellt sein. Dafür werden knapp zwei Millionen Euro aufgewendet.

Besichtigungen: Von Mai bis September ist die Johanneskirche mittwochs von 15 bis 17 Uhr geöffnet, zu anderen Zeiten sind Besuche nach Absprache mit dem Pfarramt möglich. Die Gottesdienste finden sonntags 10 Uhr statt.