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Riesa

Lange Schlangen vorm Blutspende-Bus

Das DRK lockte jetzt mit Leckereien und Gutscheinen. Der Zeitpunkt kommt nicht von ungefähr.

Vor dem Blutspendemobil des DRK standen die Leute am Freitag in Riesa Schlange. DRK-Mitarbeiterin Olivia Köcher (Foto) hofft, dass mancher von ihnen zum regelmäßigen Spender wird.
Vor dem Blutspendemobil des DRK standen die Leute am Freitag in Riesa Schlange. DRK-Mitarbeiterin Olivia Köcher (Foto) hofft, dass mancher von ihnen zum regelmäßigen Spender wird. ©  Sebastian Schultz

Riesa. Die ersten zehn Spender sind schon eine Viertelstunde vor der Zeit da. Die eine Hälfte hat sich in den Schatten unter den Pavillon des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) geflüchtet, eine Helferin schenkt dort Kaffee und kalte Getränke aus. Die übrigen Spender bilden schon eine Schlange vor der hinteren Tür des Busses. Das Gefährt, das direkt vor dem Mannheimer Platz auf der Hauptstraße parkt, zieht die Blicke der Passanten mindestens so sehr auf sich, wie das Maskottchen des Blutspendedienstes, der rote Blutstropfen „Tröpfli“. Vor dem Bus weist ein Aufsteller noch einmal auf die Sonderaktion hin, mit der das DRK heute wirbt: Wer spendet, bekommt einen 30-Euro-Gutschein für Mediamarkt, außerdem einen Verpflegungsbeutel von Kaufland und ein Eis vom Eiscafé Roma.

Süßigkeiten und Gutscheine als Lockmittel für Spender – das ist nicht gang und gäbe beim Blutspendedienst des DRK, stellt Sprecherin Kerstin Schweiger klar. In der Regel bekommen die Spender lediglich einen Imbiss zur Stärkung, auch in Riesa. Den gibt es am Mannheimer Platz auch. „Aber es kommt vor, dass sich Sponsoren finden, wie jetzt in Riesa. Wir finden das natürlich ganz toll, weil es noch einmal eine besondere Form der Wertschätzung ist.“

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Anreiz für Erstspender

Tatsächlich sind solche zusätzlichen Anreize aber auch eine Motivation für solche Menschen, die noch nie zuvor gespendet haben, sagt die Referentin vor Ort, Olivia Köcher. „Wir haben generell eine angenehm hohe Spendenbereitschaft. Aber wir sagen nie: Danke, es reicht.“ Sie und ihre Kollegen arbeiteten im Grunde ständig daran, Partner für Sonderaktionen zu gewinnen. Denn die seien ein besonders gutes Mittel, um neue Spender zu akquirieren. Manchmal genüge eben ein solcher Anreiz, um den Leuten vor Augen zu führen: Die Nadel tut nicht weh, und der zeitliche Aufwand hält sich doch in Grenzen. Man habe deshalb Glück, dass sich Mediamarkt und die anderen Unternehmen beteiligen, sagt Olivia Köcher.

Die lange Schlange vor dem Bus gibt der DRK-Referentin recht. Mittlerweile stehengut zwei Dutzend Menschen in der Reihe, vom Mittzwanziger bis zum Senior. Patrick Höhne ist einer von ihnen. Er sei das erste Mal zum Blutspenden, sagt der junge Mann mit dem Dreitagebart und der Sonnenbrille. Er hat nicht etwa über die ausgelegten Flyer oder die Zeitung von der Aktion erfahren – sondern direkt über den Mediamarkt-Newsletter per E-Mail. „Ich bin tatsächlich wegen des Gutscheins hier“, sagt Patrick Höhne und lächelt. Zumindest in seinem Fall hat das Lockmittel schon einmal funktioniert.

700 Spender pro Tag benötigt

Dass ausgerechnet am Freitag vor Pfingsten eine solche Aktion stattfindet, hat einen guten Grund. „Wir benötigen allein in Sachsen rund 700 Blutspenden pro Werktag“, erklärt DRK-Sprecherin Kerstin Schweiger. Einfach größere Mengen aufzuheben, das sei schlichtweg nicht nötig, weil die drei aus dem Spenderblut gewonnen Präparate nicht unbegrenzt haltbar sind. Am frühesten erreichen die roten Blutplättchen ihr Verfallsdatum: „Sie sind nur fünf Tage lang einsetzbar.“ 

Daraus folgt, dass ein stetiger Nachschub gewährleistet sein muss. Und den gefährden wiederum Wochen mit Feiertag, wie jüngst zu Himmelfahrt oder das jetzige Pfingstwochenende. „Deshalb haben wir zum Beispiel am Pfingstmontag schon Sondertermine eingerichtet“, sagt Kerstin Schweiger.

Der Aderlass selbst ist schnell erledigt, innerhalb von fünf Minuten ist laut Olivia Köcher ein halber Liter Blut abgezapft. „Mit dem ärztlichen Vorgespräch und dem Imbiss im Nachgang dauert es insgesamt 30 Minuten.“ Am Freitag wird der eine oder andere wohl auch etwas länger anstehen, einfach wegen des Andrangs. „Wir hatten eigentlich auch ein Anmeldeformular im Internet“, sagt die DRK-Referentin, „aber das haben nicht alle wahrgenommen.“ 

Wer seinen Namen auf die Liste gesetzt hatte, kommt an diesem Tag früher dran. Weggeschickt werde aber niemand, versichert Olivia Köcher. „Wir brauchen jede Konserve, deshalb machen wir bis zum Schluss.“ Zur Anwendung kommen die Blutkonserven übrigens zum größten Teil in der Onkologie: Krebskranke, die mittels Chemotherapie behandelt werden, benötigen fast täglich Blutpräparate. Zur Versorgung von Verletzten, etwa nach schweren Unfällen, werden nur etwa zwölf Prozent der Konserven eingesetzt.

Die Hoffnung der Ärzte, Schwestern und Helfer des DRK ist, dass es bei dem einen oder anderen nicht bei der einen Spende bleibt, sondern sie regelmäßig zur Spende gehen. So wie etwa Martin Sawallisch. Das letzte Mal sei schon wieder einige Zeit her, sagt er. „Aber bei der Haema war ich schon etwa 20 Mal zum Blutspenden.“ Er wäre deshalb auch ohne den Zusatz-Anreiz gekommen, sagt er. „Ich mach’s einfach, weil es wichtig ist.“ Man wisse ja schließlich nie, ob man selbst einmal auf eine Blutspende angewiesen sein wird.

Der nächste reguläre Blutspendetermin des DRK in Riesa ist Dienstag, 2. Juli, 15.30 bis 19 Uhr, im Städtischen Gymnasium, Lessingstraße 8.

www.drk-blutspende.de/blutspendetermine/termine