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500 Gramm Hackfleisch für 7,62 Euro

Wissenschaftler haben ausgerechnet, wie teuer Lebensmittel sein müssten, wenn man Umweltschäden einberechnen würde. In einem Penny-Markt wird das umgesetzt.

Viele Lebensmittel sind eigentlich zu billig. Wissenschaftler haben ausgerechnet, was die "wahren Kosten" wären, würde man Umweltschäden in der Herstellung mit einberechnen.
Viele Lebensmittel sind eigentlich zu billig. Wissenschaftler haben ausgerechnet, was die "wahren Kosten" wären, würde man Umweltschäden in der Herstellung mit einberechnen. © Fabian Sommer/dpa

Von Erich Reimann

Woche für Woche locken Supermärkte und Discounter mit Sonderangeboten. Dabei müssten Fleisch, Milch und Käse nach einer neuen Studie von Wissenschaftlern der Universität Augsburg eigentlich viel mehr kosten. Hackfleisch müsste fast dreimal so teuer sein, Milch und Gouda fast doppelt so teuer. Das haben der Wirtschaftsinformatiker Tobias Gaugler und sein Team errechnet.

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„Umweltschäden finden aktuell keinen Eingang in den Lebensmittelpreis. Stattdessen fallen sie der Allgemeinheit und künftigen Generationen zur Last“, bemängelt der Wissenschaftler. Gaugler hat im Auftrag des zur Rewe-Gruppe gehörenden Discounters Penny die „wahren Kosten“ für insgesamt 16 Eigenmarken-Produkte der Handelskette berechnet und dabei neben den „normalen“ Herstellungskosten unter anderem auch die Auswirkungen der bei der Produktion entstehenden Treibhausgase, die Folgen der Überdüngung sowie den Energiebedarf berücksichtigt.

Die Auswirkungen auf den Preis sind gravierend, vor allem bei Fleisch und Tierprodukten. So müsste den Berechnungen der Wissenschaftler zufolge, der Preis für Fleisch aus konventioneller Aufzucht bei Berücksichtigung der versteckten Kosten um 173 Prozent steigen. Konkret: 500 Gramm gemischtes Hackfleisch aus konventioneller Herstellung würden nicht 2,79 Euro, sondern 7,62 Euro kosten.

Milch wäre 122 Prozent teurer

Normale Milch würde sich um 122 Prozent verteuern, Gouda-Käse um 88 Prozent und Mozzarella um 52 Prozent. Deutlich geringer wären die Aufschläge bei Obst und Gemüse. Bananen würden Gaugler zufolge um 19 Prozent teurer, Kartoffeln und Tomaten um zwölf Prozent und Äpfel um acht Prozent. Bei Bioprodukten fielen die Preisaufschläge durchweg etwas geringer aus als bei konventionell hergestellter Ware. Doch auch der Preis für Biofleisch würde bei Berücksichtigung der „wahren Kosten“ noch einmal um 126 Prozent steigen.

Die Rewe-Gruppe will das Problem der versteckten Kosten bei der Eröffnung eines neuen Nachhaltigkeitsmarktes seiner Discountkette Penny in Berlin am kommenden Mittwoch thematisieren. Für je acht konventionell und ökologisch erzeugte Eigenmarken-Produkte will der Händler dort neben dem Verkaufspreis auch den „wahren Preis“ ausweisen. So stehen auf dem Preisschild für die 250-Gramm-Packung Bio-Hackfleisch neben dem Verkaufspreis von 2,25 Euro auch die „wahren Kosten“ von 5,09 Euro.

Auch wenn der Kunde am Ende nur den normalen Preis zahlen muss, sieht der Rewe-Topmanager Stefan Magel in der Initiative einen wichtigen ersten Schritt zu mehr Nachhaltigkeit. „Wir müssen dazu kommen, die Folgekosten unseres Konsums sichtbar zu machen“, meint er. Nur so könne der Kunde eine bewusste Kaufentscheidung treffen. Magel räumt ein: „Wir sind als Unternehmen in einem wettbewerbsintensiven Markt ohne Zweifel Teil des Problems.“ Er hoffe aber, mit dem jetzigen Schritt, Teil der Lösung werden zu können. Wenn die Kunden positiv auf die doppelte Preisauszeichnung reagierten, dann könne er sich vorstellen, die Anzahl der gekennzeichneten Produkte weiter zu erhöhen und den Test auf weitere Märkte auszuweiten. Zu tun wäre wohl einiges, denn in einem durchschnittlichen Penny-Markt gibt es rund 3.500 Artikel.

Doppelte Preisauszeichnung ändert Kaufverhalten

Die Augsburger Wissenschaftler hoffen, dass die doppelte Preisauszeichnung das Einkaufsverhalten der Kunden verändert. Es könne ein Beitrag zu mehr Ehrlichkeit bei den Lebensmittelpreisen sein. Lieber wäre es ihnen aber noch, wenn die hohen Umweltfolgekosten schrittweise auf die Lebensmittelpreise aufgeschlagen würden, etwa durch eine Besteuerung der CO2-Emissionen in der Landwirtschaft und von mineralischem Stickstoffdünger.

„Die Preisanpassungen der Lebensmittelmärkte würden wahrscheinlich zu deutlichen Verschiebungen hin zu mehr pflanzlichen und mehr Bio-Produkten führen und gleichzeitig die Umweltschäden deutlich reduzieren“, meint die Mitverfasserin der Studie, Amelie Michalke. Dringenden Handlungsbedarf sehen nicht nur die Augsburger Wissenschaftler. Der Bio-Landwirt und Chef des Babynahrung-Herstellers Hipp, Stefan Hipp, betonte kürzlich: „In unser aller Interesse sollten wir darauf drängen, dass sich die wahren Produktkosten bald auf den Preisschildern finden.“ Derzeit trage die Gesellschaft die Kosten für Schäden.

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Dabei sind in den Berechnungen der Augsburger Wissenschaftler noch längst nicht alle versteckten Kosten enthalten, die bei der Lebensmittelproduktion anfallen, sagt Gaugler. So ließen sich beispielsweise die Folgekosten des Antibiotika-Einsatzes in der Tierzucht, der zu multiresistenten Keimen führt, oder die der Nutzung von Pestiziden noch nicht sicher genug beziffern, um in die aktuellen Berechnungen einzufließen. „Wir haben bisher nur einen Teil der versteckten Kosten berücksichtigt, aber allein das zeigt schon, dass die Preise lügen – manche mehr und manche weniger“, urteilt der Wissenschaftler. (dpa)

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